09.03.2026, 3663 Zeichen
Xiaomi verlagert den Fokus spürbar: Weg von reinen Hardware-Spezifikationen, hin zu Software und Künstlicher Intelligenz. Mit dem neuen KI-Systemagenten „miclaw“ laufen erste geschlossene Betatests – und das Konzept geht über klassische Sprachassistenten hinaus. Kann das dem Konzern helfen, sich im Smartphone-Markt stärker über Funktionen statt Datenblätter zu differenzieren?
„miclaw“: Der Assistent, der selbst handelt
Laut aktuellen Technologieberichten testet Xiaomi „miclaw“ derzeit in einer stark limitierten, einladungsbasierten Beta-Phase. Der Ansatz: Statt nur auf Zuruf zu reagieren, soll der Agent Handlungsabläufe autonom ausführen – auch geräteübergreifend.
Der entscheidende Unterschied zu Chatbots: „miclaw“ agiert auf Systemebene und greift direkt auf die Hardware zu, um Aufgaben abzuschließen. In der experimentellen Phase arbeiten die Entwickler vor allem an drei Punkten: geringer Energieverbrauch, Stabilität bei komplexen Anfragen und eine kontrollierte Systemauslastung. Genau diese Themen entscheiden später darüber, ob KI-Funktionen im Alltag als Hilfe wahrgenommen werden – oder als Akku-Killer.
CEO Lei Jun setzt auf Produktivität – und eine große KI-Erzählung
Parallel zur Technik positioniert sich das Management zur wirtschaftlichen Rolle von KI. In einem Interview mit China News Weekly prognostizierte CEO Lei Jun, dass fortschrittliche KI-Lösungen die Produktivität so stark erhöhen könnten, dass langfristig sogar eine Drei-Tage-Woche möglich werde. Seine Botschaft: Arbeitnehmer sollten technologische Fortschritte annehmen und nicht primär als Bedrohung sehen.
Flankierend dazu strebt Xiaomi eine globale Expansion seiner KI-Funktionen an. Zudem berichtet wird, dass der Konzern seine selbstentwickelten Smartphone-Chips künftig jährlich aktualisieren will, um ausreichend lokale Rechenleistung für KI-Anwendungen direkt auf dem Gerät sicherzustellen.
Hardware bleibt wichtig – aber mit KI als Taktgeber
Trotz des Software-Schwerpunkts läuft die Hardware-Pipeline weiter. Aus Zuliefererkreisen heißt es, die nächste Flaggschiff-Reihe – darunter ein „Xiaomi 18 Ultra“ – könnte gegen Ende des Jahres in einem vorgezogenen Zeitfenster kommen. Spekuliert wird zudem über ein Kamera-Setup mit vier Linsen. Zusätzlich gibt es erste Leaks zu Standard- und Pro-Versionen der 18er-Serie mit Änderungen am rückseitigen Kameradesign.
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Im Wearable-Segment kündigte Xiaomi außerdem die Watch 5 mit EMG-Sensorik an. Und die aktuelle Xiaomi-17-Serie soll in weiteren asiatischen Märkten starten.
Zum Aktienbild passt das: Der Titel steht trotz kleiner Wochenbewegung unter Druck. Der Schlusskurs am Freitag lag bei 3,62 Euro, auf 12 Monate gerechnet beträgt das Minus rund 40%. Zudem notiert die Aktie klar unter dem 200-Tage-Durchschnitt (5,11 Euro) – ein Signal, dass der Markt die KI-Ambitionen bisher noch nicht in anhaltende Kursstärke übersetzt.
Unterm Strich setzt Xiaomi mit „miclaw“ und eigenen Chip-Updates auf mehr Kontrolle über das KI-Erlebnis auf dem Gerät. Ob daraus ein echter Differenzierungsfaktor wird, dürfte sich vor allem daran entscheiden, wie schnell die Software die Beta-Phase verlässt – und ob Stabilität und Energieeffizienz den Alltagstest bestehen.
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