13.03.2026, 3908 Zeichen
Soziale Medien müssen auch bei Sachleistungen klar als Werbung gekennzeichnet werden. Das hat das Oberlandesgericht Karlsruhe in einem Grundsatzurteil entschieden und setzt damit neue Maßstäbe für den deutschen Influencer-Markt.
Urteil setzt auf totale Transparenz
Die Entscheidung vom 3. März 2026 betrifft einen Automobil-Influencer mit etwa einer Million Followern. Das Gericht stellte klar: Auch die Übernahme von Reise- und Hotelkosten durch Hersteller stellt einen wirtschaftlichen Vorteil dar, der eine Kennzeichnungspflicht auslöst. Der Creator hatte regelmäßig Videos über Fahrzeuge verschiedener Marken gepostet, ohne diese als Werbung zu kennzeichnen.
„Die Bereitstellung kostenloser Fahrzeuge und Reisearrangements erfolgte in der Erwartung, dass der Influencer über die Produkte berichtet“, heißt es in der Urteilsbegründung. Damit diene der Content eindeutig der Imagepflege und kommerziellen Interessen der Hersteller. Juristen werten das als strengen Präzedenzfall: Selbst scheinbar neutrale Produktvorstellungen können Werbung sein – auch ohne Geldfluss.
Anzeige
Während Influencer die Werbekennzeichnung im Blick behalten müssen, stehen Unternehmen bei der allgemeinen DSGVO-Compliance oft vor noch größeren Herausforderungen. Dieser kostenlose Leitfaden hilft Unternehmern und Verantwortlichen, alle Datenschutz-Vorgaben in 5 einfachen Schritten rechtssicher umzusetzen. DSGVO-Leitfaden mit Checkliste kostenlos anfordern
Algorithmen machen Kennzeichnung unverzichtbar
Besonders bemerkenswert ist die Begründung des Gerichts zur Reichweitenbildung. Die Richter wiesen Argumente zurück, dass Stammfollower die Werbeabsicht ohnehin erkennen würden. In Zeiten algorithmischer Verbreitung erreichen Kurzvideos vor allem Nutzer, die dem Creator nicht folgen.
„Diesem erweiterten Publikum fehlt der Kontext zu den geschäftlichen Beziehungen des Influencers“, so das Gericht. Die Werbeabsicht müsse daher für jeden Zufallsnutzer im Feed sofort erkennbar sein. Branchenexperten sehen darin eine überfällige Anpassung der Rechtsprechung an die Realität sozialer Medien.
EU plant mit Digital Fairness Act nachzulegen
Das Urteil fügt sich in eine europaweite Regulierungsoffensive ein. In Deutschland gelten bereits das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb und der Digital Services Act. Nun arbeitet die EU-Kommission am Digital Fairness Act, der im vierten Quartal 2026 veröffentlicht werden soll.
Dieses Gesetzespaket will Verbraucherschutzregeln EU-weit vereinheitlichen und gezielt gegen versteckte Werbung vorgehen. Compliance-Experten deuten das Karlsruher Urteil als Vorboten der strengeren Durchsetzung, die unter den neuen EU-Rahmen erwartet wird.
Anzeige
Die zunehmende Regulierung digitaler Inhalte betrifft auch den Einsatz von künstlicher Intelligenz, für die seit kurzem strikte EU-Regeln gelten. Erfahren Sie in diesem kompakten E-Book, welche Kennzeichnungs- und Dokumentationspflichten die neue KI-Verordnung für Ihr Unternehmen bereithält. Kostenlosen KI-Umsetzungsleitfaden herunterladen
Marketingbranche muss Verträge überarbeiten
Die unmittelbaren Folgen für die Branche sind gravierend. Marketingagenturen und Marken müssen jetzt ihre Partnerschaften mit Creators überprüfen – besonders bei Pressereisen, Produkttests oder Event-Einladungen. Rechtsberater raten zu klaren Vertragsklauseln, die die Kennzeichnungspflicht für jede Form der Vergütung festschreiben.
Creators sollten eindeutige Begriffe wie „Werbung“ oder „Anzeige“ verwenden. Vage englische Begriffe oder kryptische Hashtags bieten keinen ausreichenden Schutz. Die Wettbewerbszentrale überwacht Social-Media-Fehler kontinuierlich. Verstöße können teure Abmahnungen, Gerichtskosten und Imageschäden nach sich ziehen.
Transparenz ist 2026 kein optionales Ethik-Bekenntnis mehr, sondern eine rechtliche Notwendigkeit. Marktbeobachter rechnen mit weiteren Durchsetzungsmaßnahmen, die versteckte Werbung systematisch verfolgen werden.
Börsepeople im Podcast S25/10: Harald Suekar
Bildnachweis
1.
Trading
Aktien auf dem Radar:Semperit, AT&S, Polytec Group, RHI Magnesita, Austriacard Holdings AG, UBM, Bawag, VIG, Wienerberger, Addiko Bank, FACC, Flughafen Wien, DO&CO, BKS Bank Stamm, Amag, EuroTeleSites AG, CPI Europe AG, Österreichische Post, Telekom Austria, SAP, Siemens Energy, Boeing, Airbus Group, Allianz, Münchener Rück, adidas, Fresenius Medical Care, Hannover Rück, Symrise, Brenntag, BMW.
Random Partner
Uniqa
Die Uniqa Group ist eine führende Versicherungsgruppe, die in Österreich und Zentral- und Osteuropa tätig ist. Die Gruppe ist mit ihren mehr als 20.000 Mitarbeitern und rund 40 Gesellschaften in 18 Ländern vor Ort und hat mehr als 10 Millionen Kunden.
>> Besuchen Sie 55 weitere Partner auf boerse-social.com/partner
Latest Blogs
» Vom Schachtelwirt zum Sparringpartner: Harald Suekar über Karrierebrüche...
» Börsepeople im Podcast S25/10: Harald Suekar
» ATX-Trends: DO & CO, Erste Group, RBI, AT&S ...
» ATX zurück über 6.000 Punkte: Do & Co glänzt mit Rekordjahr, Taktiken be...
» Umbrella-Strategie im Umbruch: Ritschy Dobetsberger setzt auf breite Neu...
» Österreich-Depots: Stärker (Depot Kommentar)
» Wiener Börse Party #1175: ATX wieder über 6000, Do&Co und AT&S sehr fest...
» Börsegeschichte 11.6.: Bitte wieder so wie 1993 (Börse Geschichte) (Börs...
» Nachlese: Felix Lamezan, Harald Sükar (audio cd.at)
» PIR-News: Starke DO & CO-News, Andritz-Großauftrag, Neues zu Kontron, Se...
Useletter
Die Useletter "Morning Xpresso" und "Evening Xtrakt" heben sich deutlich von den gängigen Newslettern ab.
Beispiele ansehen bzw. kostenfrei anmelden. Wichtige Börse-Infos garantiert.
Newsletter abonnieren
Runplugged
Infos über neue Financial Literacy Audio Files für die Runplugged App
(kostenfrei downloaden über http://runplugged.com/spreadit)
per Newsletter erhalten
- Jumping the ship und Buying the Dip bei wikifolio...
- DAX-Frühmover: Deutsche Bank, HeidelbergCement, M...
- wikifolio Champion per ..: Michael Bichlmeier mit...
- Höheres Kursziel für DO & CO
- Analysten zu DO & CO: "Equity Story bleibt intakt"
- Fraport, Salzgitter am besten (Peer Group Watch D...
Featured Partner Video
Wiener Börse Party #1170: ATX zu Fronleichnam leichter, Verbund gesucht, Anas tut Anas-Dinge und 27 Jahre Zeitenwende-IPO Palfinger
Die Wiener Börse Party ist ein Podcastprojekt für Audio-CD.at von Christian Drastil Comm.. Unter dem Motto „Market & Me“ berichtet Christian Drastil über das Tagesgeschehen an der Wiener Börse. Inh...
Books josefchladek.com
Daido Moriyama
A Hunter (English Version
2019
Getsuyosha, bookshop M
L'électrification de la ligne Paris Le Mans (photos by Roger Schall)
1937
Editions Perceval
Yusuf Sevinçli
Oculus
2018
Galerist & Galerie Filles du Calvaire
