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EU-Regionen fordern 20 Milliarden Euro gegen Kinderarmut ( Finanztrends)

08.03.2026, 2960 Zeichen

Der Europäische Ausschuss der Regionen fordert mindestens 20 Milliarden Euro, um Kinderarmut zu bekämpfen. Fast jedes vierte Kind in der EU ist von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Die Regionen warnen vor massiven Folgen für die psychische Gesundheit der Betroffenen.

Finanzielle Forderung mit politischem Druck

Konkret soll die Europäische Garantie für Kinder im nächsten EU-Haushalt auf 20 Milliarden Euro aufgestockt werden. Diese Forderung unterstützt auch das Europäische Parlament. Die S&D-Fraktion brachte bereits einen entsprechenden Änderungsantrag ein.

Zusätzlich fordern die Regionen verbindliche Quoten: Mitgliedstaaten sollen mindestens fünf Prozent ihrer Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds Plus gegen Kinderarmut einsetzen. Bei Ländern mit überdurchschnittlicher Armutsquote sollen es sogar zehn Prozent sein.

Psychische Folgen alarmieren Experten

Warum ist die Forderung so dringlich? Armut gilt als eines der größten Gesundheitsrisiken im Kindesalter. Studien des Deutschen Jugendinstituts zeigen: Das Risiko für psychische Erkrankungen ist bei Kindern aus finanziell benachteiligten Familien zwei- bis dreimal höher.

Besonders alarmierend ist die Situation bei Mädchen aus armen Verhältnissen. In einer aktuellen Erhebung erreichten sie auf der Skala zur Lebenszufriedenheit nur 51 von 100 Punkten. Ab 50 Punkten sprechen Forscher von depressiven Symptomen.

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Die europäische Debatte trifft auf nationale Initiativen. Am 16. und 17. März findet in Berlin der größte deutsche Public-Health-Kongress zum Thema Armut und Gesundheit statt. Experten diskutieren dort evidenzbasierte Lösungsansätze.

Die Veranstalter betonen: Gesundheit hängt maßgeblich von Lebensumständen ab. Dazu zählen bezahlbarer Wohnraum, sicheres Familieneinkommen und ein förderndes Bildungsumfeld. Aktuell seien jedoch viele Präventionsstrukturen durch knappe Kassen bedroht.

Paradigmenwechsel in der Sozialpolitik

Analysten sehen in den Forderungen einen wichtigen Schritt. Reine Finanzhilfen wie Kindergeld reichen nicht aus, um strukturelle Armut zu bekämpfen. Der Europäische Ausschuss der Regionen fordert deshalb einen verbindlichen politischen Rahmen.

Jedes bedürftige Kind soll kostenlosen Zugang zu frühkindlicher Betreuung, Bildung, Gesundheitsversorgung und mindestens einer gesunden Mahlzeit pro Schultag erhalten. Nur so ließe sich der fatale Kreislauf aus Armut und gesundheitlicher Benachteiligung durchbrechen.

Weichenstellungen für die nächste Generation

Die kommenden Monaten werden zeigen, ob die Forderungen in den neuen EU-Finanzrahmen einfließen. Die Verhandlungen dürften intensiv werden – viele nationale Haushalte sind angespannt.

Fachverbände mahnen zur Eile. Bleiben die Investitionen aus, droht eine weitere Zunahme psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Das würde langfristig nicht nur individuelles Leid bedeuten, sondern auch die Sozial- und Gesundheitssysteme massiv belasten.


(08.03.2026)

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