07.03.2026, 3596 Zeichen
XRG hat die Schwelle von 95 Prozent überschritten und den Squeeze-out eingeleitet. Für die verbliebenen Aktionäre des Leverkusener Kunststoffkonzerns läuft damit das formale Ausschlussverfahren. Die Hauptversammlung am 19. Mai wird voraussichtlich die letzten Weichen für das Delisting stellen.
Squeeze-out offiziell beschlossen
Der Großaktionär XRG hält mittlerweile 95,1 Prozent der Covestro-Anteile. Diese Schwelle berechtigt zum Zwangsausschluss der Minderheitsaktionäre. Das entsprechende Verfahren wurde bereits eingeleitet. Vorstand und Aufsichtsrat unterstützen den Schritt. Sobald die Hauptversammlung am 19. Mai 2026 zustimmt und die Eintragung ins Handelsregister erfolgt, gehen alle verbliebenen Aktien automatisch auf XRG über.
Der Rückzug vom Kapitalmarkt ist bereits im Gange: Seit Anfang Februar notiert Covestro nur noch im General Standard statt im Prime Standard. Die reduzierten Publizitätspflichten gelten ab diesem Zeitpunkt. Mit Ablauf des 5. Mai endet die Zulassung zum regulierten Markt vollständig.
Operative Schwäche belastet
Die Geschäftszahlen 2025 zeichnen ein schwieriges Bild. Der Konzernumsatz sank um 8,7 Prozent auf 12,9 Milliarden Euro. Das EBITDA brach um knapp 31 Prozent auf 740 Millionen Euro ein. Der Free Operating Cash Flow rutschte auf minus 283 Millionen Euro, unterm Strich steht ein Verlust von 644 Millionen Euro.
Als Haupttreiber nennt das Unternehmen sinkende Verkaufspreise, Währungseffekte und strukturelle Überkapazitäten bei anhaltend niedriger Auslastung. Eine Dividende gibt es zum vierten Mal in Folge nicht – zuletzt floss 2021 eine Ausschüttung von 3,40 Euro je Aktie.
Parallel läuft das Sparprogramm STRONG. Bis Ende 2025 wurden rund 275 Millionen Euro eingespart, bis 2028 sollen es jährlich 400 Millionen Euro werden. Zudem übernimmt Covestro zwei Produktionsstandorte für HDI-Derivate von Vencorex in Thailand und Texas. Der Abschluss ist für die erste Jahreshälfte 2026 geplant.
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Führungswechsel in Sicht
Die Geschäftsführung steht vor einem Umbruch. CEO Markus Steilemann kündigte an, seinen bis Mai 2028 laufenden Vertrag nicht zu verlängern. Finanzvorstand Christian Baier verlässt das Unternehmen bereits im September. Der Aufsichtsrat muss beide Positionen neu besetzen.
Fokus auf Barabfindung
Für die verbliebenen Aktionäre zählt aktuell nur noch ein Faktor: die Höhe der Barabfindung. Ein neutraler Prüfer wird den fairen Unternehmenswert ermitteln, der die Grundlage für die Kompensation bildet. Bis zur Hauptversammlung dürfte sich der Kurs in einer engen Spanne um diese erwartete Abfindung bewegen. Die operative Entwicklung spielt für die Kursentwicklung keine Rolle mehr.
Nach dem Squeeze-out und dem Delisting endet die Börsengeschichte der ehemaligen Bayer-Tochter. Die rund 17.600 Mitarbeiter an 46 Standorten weltweit arbeiten dann unter der Führung des staatlichen Ölkonzerns aus Abu Dhabi. XRG wurde im November 2024 als internationale Investmentgesellschaft für kohlenstoffarme Energie und Chemie gegründet – mit einem Unternehmenswert von über 150 Milliarden US-Dollar. Die Covestro-Akquisition ist die bislang größte Übernahme von ADNOC.
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