09.03.2026, 3028 Zeichen
Schwere Bagger haben am Wochenende mit dem Rückbau der Wasserbecken am Bürgermeister-Müller-Platz begonnen. Die als „Oll Haven Auerk“ bekannte Anlage war jahrelang ein teures Sorgenkind für die ostfriesische Stadt. Ihr Abbau beendet eine hitzige Debatte und markiert einen Kurswechsel in der Stadtplanung.
Ende einer Ära am Georgswall
Seit Samstag verschwinden die massiven Travertin-Buchstaben aus dem Stadtbild. Die zwischen 2012 und 2014 errichteten Becken sollten an den historischen Hafen Aurichs erinnern. In der Praxis erwies sich die Konstruktion jedoch als unpraktisch und anfällig.
Autos rammten regelmäßig die hochgesetzten Beckenränder. Laub und Müll sammelten sich in den künstlichen Gewässern. Was als architektonisches Highlight geplant war, wurde in der Bevölkerung schnell zum Schandfleck. Viele Beobachter sehen den Abriss daher als überfällige Korrektur.
Millionenloch und jahrelanger Rechtsstreit
Das Projekt entwickelte sich zu einer enormen finanziellen Belastung. Statt der veranschlagten 3,6 Millionen Euro kostete der Bau am Ende 6,6 Millionen Euro. Diese Kostenexplosion sorgte für anhaltenden Unmut in Politik und Bevölkerung.
Hinzu kamen bauliche Mängel. Die Stadt führte über Jahre einen Rechtsstreit mit Baufirmen und Planern. Erst eine kürzliche außergerichtliche Einigung brachte Aurich 275.000 Euro und machte den Weg für den Umbau frei. Diese Summe fließt nun direkt in die Abbrucharbeiten.
Neuanfang mit einfacherem Konzept
Die Stadt ändert mit dem Umbau ihre Planungsstrategie. Statt eines teuren Werkstattverfahrens mit externen Büros übernimmt die Verwaltung die Planung selbst. Das spart Beratungskosten.
Das neue Konzept setzt auf Pragmatismus: Eine ebenerdige, gepflasterte Fläche mit Grünstreifen soll entstehen. Teure und pflegeintensive Experimente sind passé. Ziel ist ein barrierefreier Raum, der sich harmonisch ins Umfeld einfügt. Historische Gebäude wie das Pingelhus sollen so wieder stärker wirken.
Lehren für die Stadtentwicklung
Der Fall „Oll Haven“ ist beispielhaft für viele Kommunen. Oft kollidieren architektonische Visionen mit praktischen Anforderungen an Pflege und Sicherheit. Experten betonen: Öffentliche Plätze müssen robust sein, um langfristig zu funktionieren.
Aurichs Rückkehr zu einfacherer Gestaltung spiegelt einen bundesweiten Trend wider. Bei knappen Kassen rücken Nachhaltigkeit und Folgekosten in den Fokus. Die neue, pflegeleichte Fläche soll ein echter Treffpunkt werden – ohne unkalkulierbare Belastungen für den Haushalt.
Ein Platz für die Bürger entsteht
In den kommenden Wochen dominieren Bagger das Bild. Nach dem Abtransport der Buchstaben und dem Abriss der Becken wird die Fläche neu modelliert. Pflasterarbeiten und erste Bepflanzungen sollen folgen.
Bis zum Sommer könnte der Platz eine deutlich alltagstauglichere Struktur erhalten. Ohne Stolperfallen und schlecht einsehbare Becken wird er sicherer für Fußgänger und besser für Veranstaltungen nutzbar. Der wichtigste Schritt ist getan: Platz ist gemacht für eine Stadtentwicklung, die den Bürgern dient.
Börsepeople im Podcast S24/09: Bernadette Händlhuber
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