14.03.2026, 4991 Zeichen
Die Gewerkschaft Verdi hat die Aufstellung einer Betriebsratsliste bei der Neunkircher Verkehrsgesellschaft (NVG) kurzfristig abgesagt. Grund ist der umstrittene Wiederwahlversuch des ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden Heiko Schaufert, der in einen Finanz- und Parteispendenskandal verwickelt ist. Die Absage wirft die Mitarbeitervertretung im Saarland zurück und vertieft die kommunale Krise.
Gewerkschaft zieht Notbremse
Eigentlich sollte am Sonntag, dem 15. März 2026, die Kandidatenliste für die nächste Betriebratswahl bei der NVG aufgestellt werden. Doch Verdi zog die Reißleine. Der Grund: Der frühere Betriebsratschef Heiko Schaufert wollte erneut kandidieren. Schaufert war Ende 2025 entlassen worden, nachdem Vorwürfe schwerer finanzieller Unregelmäßigkeiten und illegaler Parteienfinanzierung gegen ihn erhoben worden waren.
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Die Gewerkschaft sah sich außerstande, eine Versammlung mit einem Mann abzuhalten, der im Fokus staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen steht. Verdi zieht sich damit vorübergehend aus dem Prozess der Betriebsratsbildung zurück – eine deutliche Kehrtwende. Noch im August 2025 hatte der Verdi-Landesbezirksleiter Saar-Trier, Christian Umlauf, Schaufert öffentlich verteidigt und vor voreiligen Verurteilungen gewarnt. Doch die internen Unterstützer schwand. Bereits im September 2025 stimmte der Betriebsrat selbst Schauferts fristloser Entlassung zu.
Das Fundament des Skandals
Der NVG-Skandal erschüttert seit Sommer 2025 das Saarland. Das Verkehrsunternehmen, das zu 60 Prozent der Stadt Neunkirchen und zu 40 Prozent dem Landkreis gehört, soll über Jahre hinweg Steuergelder veruntreut haben.
Recherchen der Saarbrücker Zeitung zufolge finanzierte die NVG zahlreiche kostenlose Ausflüge für Stadtbedienstete, etwa Weintouren nach Rheinland-Pfalz. Der Schaden wird auf einen sechs- bis siebenstelligen Euro-Betrag geschätzt. Der Skandal bekam eine politische Dimension, als bekannt wurde, dass die NVG eine Barspende von 5.000 Euro für ein SPD-Fest finanziert haben soll. Organisator war ausgerechnet Schaufert, der auch SPD-Ortsvereinsvorsitzender ist.
Neunkirchens Oberbürgermeister Jörg Aumann, der auch den NVG-Aufsichtsrat leitet, zeigte die Vorfälle im August 2025 an und suspendierte Geschäftsführer Pascal Koch und Betriebsratschef Schaufert. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seither wegen des Verdachts auf Untreue und verdeckter Parteienfinanzierung.
Politisches Beben im Stadtrat
Die politischen Folgen sind massiv. In einer hitzigen Stadtratssitzung am 4. März 2026 wurde die Krise zum beherrschenden Thema. Oppositionsfraktionen wie die Freien Wähler/FDP und die CDU diskutierten offen über ein Abberufungsverfahren gegen Oberbürgermeister Aumann.
Brandon Lee Posse, Fraktionschef der Freien Wähler, beklagte den enormen Imageschaden für die Stadt und stellte die Vertrauensbasis zwischen Bürgermeister, Rat und Bürgern infrage. Schaufert fehlte in der Sitzung krankheitsbedingt, übermittelte aber eine schriftliche Erklärung, in der er auf seinen Anspruch auf Unschuldsvermutung pochte.
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Sogar die Gültigkeit der Kommunalwahl 2024 wird nun infrage gestellt. Der AfD-Stadtrat Christoph Schaufert (nicht verwandt) hat die Kommunalaufsicht des Saarlands gebeten, die Wahl zu überprüfen. Grundlage ist ein externes Gutachten, der sogenannte Teneo-Bericht, der die strukturellen Versäumnisse bei der NVG untersucht hat.
Was kommt auf die NVG zu?
Verdis Rückzug lässt die Zukunft der Mitarbeitervertretung bei der NVG ungewiss zurück. Der Betriebsrat ist ein zentrales Gremium, besonders in einem öffentlichen Unternehmen. Sein Ausfall erschwert dringende Verhandlungen über den Betrieb und die Zukunft der Belegschaft.
Beobachter deuten Verdis Schritt als Versuch, die eigene Glaubwürdigkeit nicht mit einem lokalen Skandal zu beschädigen. Indem die Gewerkschaft Schauferts Comeback nicht ermöglicht, schützt sie ihre institutionelle Integrität.
Die Aufklärung der Krise hängt nun maßgeblich vom Fortgang der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ab. Sollten sich die Vorwürfe vor Gericht erhärten, drohen weitere Entlassungen und harte Strafen. Für die Stadt Neunkirchen wird die Wiederherstellung des öffentlichen Vertrauens eine grundlegende Reform der Aufsichts- und Kontrollmechanismen bei ihren Tochterunternehmen erfordern. Der Weg zurück zur Normalität wird lang.
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