25.10.2019, 3893 Zeichen
Auch wenn die Lufthansa selbst nicht in das Reiseveranstaltergeschäft einsteigen dürfte, hat die Pleite des britischen Traditionskonzerns Thomas Cook auch Auswirkungen auf die Kranich-Airline. Nicht nur wegen Condor.
Die Lufthansa-Aktie gehört im laufenden Börsenjahr zu den schwächsten DAX-Werten. Nach neuen Monaten lag das Kursminus bei rund einem Viertel. In den vergangenen Wochen hat das Papier jedoch eine Erholungsrallye gestartet. Dafür haben nicht nur die verbesserten Marktbedingungen infolge einer Entspannung im Handelsstreit zwischen China und den USA gesorgt.
Die Kranich-Airline schafft es immer wieder Erfolge bei den Passagierzahlen zu verbuchen. Laut Konzernangaben vom 11. Oktober haben die Airlines der Lufthansa Group im Monat September rund 14 Millionen Fluggäste an Bord ihrer Flugzeuge begrüßt. Dies entspricht einer Steigerung von 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Der Sitzladefaktor wurde im Vorjahresvergleich um 0,1 Prozentpunkte auf 84,7 Prozent verbessert. Seit Jahresbeginn wurde ein Plus bei den Passagieren von 3,1 Prozent auf 111,6 Millionen Fluggäste verbucht. Ein neuer Rekord für die ersten neun Monate eines Jahres. Auch die Auslastung von 82,8 Prozent stellt einen Bestwert dar.
Darüber hinaus dürfte die Entwicklung an den Rohstoffmärkten für Erleichterung gesorgt haben. Im September hatte ein Angriff auf eine Ölraffinerie in Saudi-Arabien den Ölpreis kurzzeitig in die Höhe schießen lassen. Seitdem sind die Rohölnotierungen jedoch deutlich zurückgekommen. Offenbar sind Marktteilnehmer überzeugt, dass die Ölproduktion Saudi-Arabiens bald wieder sein altes Niveau erreichen kann. Gute Nachrichten also für Airlines wie die Lufthansa, die ganz genau auf die Treibstoffkosten achten müssen. Außerdem sorgt die Aussicht auf eine Konjunkturabkühlung für eine schwächere Ölnachfrage und damit auch dafür, dass Ölpreissteigerungen begrenzt werden.
Auf der anderen Seite leiden die Luftfahrtunternehmen auch unter einer schwächeren wirtschaftlichen Entwicklung. Beispielsweise sagen Unternehmen teure Geschäftsreisen ab, um Geld zu sparen. Zudem muss sich die Lufthansa derzeit mit der Flugbegleitergewerkschaft UFO herumschlagen. Darüber hinaus beschäftigt sich das Management weiterhin damit, die Tochtergesellschaft Eurowings nach den jüngsten Enttäuschungen auf mehr Effizienz zu trimmen. Kein einfaches Unterfangen.
Langfristig könnte die Lufthansa dagegen von der Pleite des britischen Reiseveranstalters Thomas Cook und der damit beschleunigten Konsolidierung im europäischen Luftfahrtsektor profitieren. Dabei geht es zum Beispiel um den Ferienflieger Condor. Die Lufthansa könnte über eine Übernahme nachdenken, nachdem der DAX-Konzern bereits bei Air Berlin zugeschlagen hatte. Unabhängig von Condor sollte die Konsolidierung in der Luftfahrtbranche weitergehen. In einer Lufthansa-Unternehmenspräsentation vom 24. Juni wird zum Beispiel auf den schwierigen deutschen Markt und Fehlschläge wie dba, LTU, Air Berlin oder die Fluggesellschaft Germania verwiesen.
Auch EU-weit läuft die Konsolidierung. So hätten die fünf größten Fluggesellschaften in der EU ihren Marktanteil in den vergangenen zehn Jahr auf 50 Prozent im Jahr 2018 gesteigert. In den USA lag dieser Anteil zuletzt sogar bei 86 Prozent, so dass einiges an Luft nach oben vorhanden sein dürfte, falls sich der Markt auf dieser Seite des Atlantiks ähnlich wie in den USA entwickeln sollte.
Spekulative Anleger, die steigende Kurse der Lufthansa-Aktie erwarten, könnten mit einem WAVE XXL-Call der Deutschen Bank (WKN DS7PLC) auf ein solches Szenario setzen. Der Hebel dieses Open-End-Papiers liegt derzeit bei 3,96, die Barriere bei 12,55 Euro. Wer aber als spekulativer Anleger eher short-orientiert ist, könnte mit einem WAVE XXL-Put der Deutschen Bank (WKN DC4QNC, aktueller Hebel 4,29, Barriere bei 18,55 Euro) auf fallende Kurse der Lufthansa-Aktie setzen.
Stand: 24.10.2019
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