03.08.2018
Zugemailt von / gefunden bei: Erste Group Research (BSN-Hinweis: Lauftext im Original des Aussenders, Titel (immer) und Bebilderung (oft) durch boerse-social.com aus dem Fotoarchiv von photaq.com)
Aus dem Wochenausblick von Erste Group Research: Für die kommende Woche zeichnen sich keine potentiell marktbewegenden Veröffentlichungen ab. Die Märkte werden somit von den Veröffentlichungen dieser Woche bestimmt sein, vielleicht bereichert durch den einen oder anderen Tweet. Phasen wie diese bieten sich für einen längerfristigen Ausblick an, der zeigt, dass man die Sommerflaute genießen sollte. Im Herbst stehen wichtige politische Ereignisse bevor, die das Potential haben die Märkte zu bewegen.
Einen Vorgeschmack, wie nervös die Märkte reagieren können, gab es bereits diese Woche. Die Verlautbarung eines Treffens zwischen den Vorsitzenden der beiden Koalitionsparteien der italienischen Regierung und dem Finanzminister hat zu einer deutlichen Ausweitung der Renditeaufschläge italienischer Staatsanleihen geführt. Offensichtlich befürchteten die Märkte eine Regierungskrise oder zumindest einen expansiveren Fiskalkurs Italiens. Damit zeigt sich, dass Italien als Thema an den Märkten immer wieder hochkochen kann. Darüber hinaus warten im Herbst politische Ereignisse, die von den Märkten noch relativ entspannt gesehen werden. Das erste sind die Brexit-Verhandlungen, die wohl im Herbst abgeschlossen werden müssen, um genug Zeit für die Ratifizierung in den nationalen Parlamenten vor dem 29. März 2019 zu haben. Eine Verlängerung der Verhandlungen ist möglich, dafür müssten aber alle EU-Staaten zustimmen. Aufgrund langer Wertschöpfungsketten sind die Auswirkungen eines Hard-Brexits kaum abzuschätzen. Die EU exportiert Waren im Gegenwert von 2,4% des BIP in das Vereinigte Königreich und importiert 1,5% des BIP. Die Handelsverflechtung verteilt sich allerdings sehr unterschiedlich über die Länder. Die Graphik zeigt jene Länder, die über dem EU-Schnitt in das Vereinigte Königreich exportieren. Ein Hard Brexit hätte wohl Einfluß auf die Märkte. Diesen Sommer reagierten die Märkte schon auf die Diskussion über US-Zölle auf Autoimporte aus der EU mit einer Verunsicherung über die Konjunktur. Die davon betroffenen Handelsströme wären sicherlich deutlich geringer gewesen als jene, die von einem Hard-Brexit betroffen wären. Wichtiger als die tatsächlichen Handelsströme wäre wohl die durch einen Hard-Brexit ausgelöste Verunsicherung unter Unternehmen und Konsumenten. Die Märkte würden somit vorerst von negativen Implikationen für die Konjunktur ausgehen.
Das zweite absehbar politische Großereignis im Herbst sind die midterm elections in den USA Anfang November. Dabei müssen sich alle Mitglieder des Repräsentantenhauses und ein Drittel der Senatoren der Wahl stellen. Die Frage ist, ob die Republikaner ihre Mehrheiten in den zwei Kammern des US-Kongresses halten können. Sollte dies nicht gelingen, würde es zwar sicherlich die Handlungsmöglichkeiten des Präsidenten massiv reduzieren. Die Handelspolitik wäre davon aber nicht betroffen, da der Präsident hier weitreichende Vollmachten genießt. Diese könnten ihm vom US-Kongress zwar entzogen werden, was aber unwahrscheinlich scheint. Demokratische Mehrheiten im Kongress würden es sicherlich auch erleichtern, ein Absetzungsverfahren gegen den Präsidenten einzuleiten, sollte etwa mehr belastendes Material zu den Verbindungen zu Russland während des Wahlkampfs gefunden werden. Ein Ende der Handelskonflikte, aufgrund welcher politischen Konstellation auch immer, würde von den Märkten sicherlich begrüßt werden.
Die US-Arbeitsmarktdaten zeigten in Summe einen noch immer starken Arbeitsmarkt, der aber im Juli etwas unter den Markterwartungen blieb. Die neugeschaffenen Stellen betrugen 157.000, was um 36.000 unter der Markterwartung lag. Gleichzeitig wurden aber die entsprechenden Werte der beiden Vormonate um in Summe 59.000 nach oben revidiert. Die Arbeitslosenrate ging von 4% auf 3,9% zurück, wie es die Märkte erwartet hatten. Das selbe gilt für das Wachstum der durchschnittlichen Stundenlöhne, das mit 2,7% ausgewiesen wurde und damit unverändert gegenüber dem Vormonat blieb.
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