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Stadlauer-Malzfabrik-HV 2: Was, wenn der Streubesitz aufgekauft werden würde (Günter Luntsch)

29.07.2018, 5416 Zeichen

Stadlauer-Malzfabrik-HV 2 und Ende. Wir seien "an landwirtschaftlichen Lagerhäusern interessiert, die an Stellen liegen, wo wir Getreide erfassen können". So ist die vertikale Integration zu verstehen. Die Zeiten lägen zwar lange zurück, wo Mönche Getreide für 3 Jahre speichern mussten, weil Katastrophen zwei bis drei Ernten hintereinander vernichten haben können (Ich denke hier an die Geschichte vom biblischen Joseph, der nach sieben hervorragenden Ernten genug Getreide gespeichert hatte, dass das Volk sieben schlechte Jahre überleben konnte), es gäbe ja jetzt den internationalen Getreidehandel. Aber die Idee mit den Lagerhäusern und der Autarkie gefällt einigen Privatanlegern, im kleinen Kreis haben wir hier Berechnungen angestellt, was die Speicherkapazitäten und die Grundstücke der Stadlauer Malzfabrik AG wert sein könnten, der errechnete Wert von fast 200 Euro pro Aktie hat nur den Schönheitsfehler: Als lebendes Werk kann es nicht die Betriebsflächen abverkaufen. Und wenn aus dem großen Gründstück z.B. Wohngebiet würde, würden die teuer erbauten Silos und Betriebsvorrichtungen abgetragen. Also beides gleichzeitig geht nicht: die stillen Reserven in den Grundstücken heben und das profitable Werk weiterführen. Also es hat schon einen Grund, dass die Aktie von einem Niveau von über 80 Euro nicht ausbrechen kann. Ein bißerl was kann schon noch drin sein, und nach unten sehe ich die Aktie gut abgesichert, mit einer Eigenkapitalquote von 93%. Die Gesellschaft bilanziert nach UGB, die Beteiligung an der Stadlauer Malzfabrik GesmbH ist nicht konsolidiert. 200 Euro könnte es vielleicht geben, wenn der Streubesitz aufgekauft würde. Aber da wir ganz brave und unproblematische Aktionäre sind (siehe: Abstimmungsergebnisse!), die sich gut mit Herrn Ruckdeschel von IREKS verstehen, sehe ich hier keinen Handlungsbedarf. Zurück zu den Lagerhäusern: Sie dürften sinnvoll sein, denn auf einer der letzten HVs wurde erwähnt, dass wegen der gestiegenen Braugerstepreise Bauern nicht zu den vertraglich vereinbarten Konditionen liefern wollten. Also dieses Risiko besteht: dass ein großer Teil der österreichischen Braugerste-Ernte ins Ausland verkauft wird (Stichwort: internationaler Getreidehandel). So kann ich als Aktionär einer strategischen Planung zur auch physischen Sicherung unseres Rohstoffnachschubs nur zustimmen. Liebe Raiffeisen-Lagerhäuser: Durch die Zusammenlegung von Genossenschaften habt Ihr eh einige Silos stillgelegt, kontaktiert doch bitte unsere Stadlauer Malzfabrik, wenn Ihr eine sinnvolle Verwendung für die Gebäude sucht. Die ich kenne, die dürften eh noch gut in Schuss sein, vielleicht ist was Passendes darunter.

Ein Aktionär fragte nach Abschreibungen auf immaterielle Wirtschaftsgüter. Anmerkung: Ich sehe in der kurzen Bilanz nur Abschreibungen auf Finanzanlagen, die größte Aufwandsposition in der GuV ist "übrige betriebliche Aufwendungen" in Höhe von 2/3 der Umsatzerlöse, und, ganz interessant: 3/4 der "übrigen betrieblichen Aufwendungen" sind "weiterverrechnete Wasserkosten". Antwort: Die Anlagen in der AG seien schon auf Null abgeschrieben, Neuinvestitionen mache die GesmbH, dort seien auch die Abschreibungen.

Ein Aktionärsvertreter fragte, was die Aktien heute wert wären, die er mit Nominale 200 Schilling 1970 gehabt hatte. Diese Frage konnte nicht beantwortet werden, er wurde auf die nächste HV vertröstet. Die ganzen letzten 48 Jahre kann kein Vorstand im Kopf haben. Ich kann mich an keine Kapitalmaßnahme erinnern, keinen Split oder Reverse-Split, ich halte die Aktie von damals für ident mit der Aktie von heute, aber wissen tu ich es natürlich auch nicht, damals war ich noch  zu jung.

Ein Aktionär forderte eine steuerfreie Dividende, das würden andere Firmen auch machen, es habe sich gezeigt, dass die Finanz nichts dagegen habe. Die Antwort war: in Deutschland gäbe es so eine Einlagenrückgewähr auch, doch unser Gewinnvortrag würde aus thesaurierten Gewinnen bestehen, das könne so nicht funktionieren, aber man sei gerne bereit, mit dem Steuerberater darüber zu reden.

Alle Tagesordnungspunkte bekamen 100% Zustimmung ohne Enthaltungen, 47 Aktionäre mit 454.222 Aktien stimmten ab. Das sind Ergebnisse wie bei der Maschinenfabrik Heid AG. Das gemütliche Beisammensein danach war fast familiär. Das ist vielleicht die einzige Hauptversammlung, wo alle Aktionäre beim Umtrunk danach sitzen können. Auf allen Tischen fanden sich ausreichend Getränke wie Coca Cola, Orangensaft, Stiegl-Bier, Gösser Alkoholfrei, Vöslauer. Dazu konnte man sich am Automaten Kaffee und Tee machen. Gebäck und Kuchen waren wie immer eine Leistungsschau (dieses Wort wurde hier nicht verwendet), die Backmischungen stammen selbstverständlich von unserer Malzfabrik. Am kalten Buffet gab es weiters Wurst, Schinken, Käse, Gurkerl, bodenständig halt. Mag sein, dass jemand vielleicht nicht seine Lieblingsbeilage erwischt hat, aber grundsätzlich war für alle anwesenden Aktionäre ausreichend da. In den Vorjahren hatte unser AR-Vorsitzender Ruckdeschel gesagt, man solle das übrige Gebäck mit heim nehmen, damit auch die Daheimgebliebenen testen können, was die Stadlauer Malzfabrik erzeugt. Diese Aufforderung konnte er heuer nicht wiederholen, weil er nicht anwesend war, daher trauten sich nicht alle. Es ist trotzdem nichts übrig geblieben. Die paar Stück Kuchen, die ich noch sah, als ich ging, fanden sicher noch Abnehmer, ich war nicht der letzte, der die Party verließ.


(29.07.2018)

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