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Agrana: Wie transportiert man Zucker, Herr Marihart? #gabb (Peter Heinrich)

30.01.2018, 4376 Zeichen

Aus dem Börsenbrief. http://www.boerse-social.com/gabb 

Mit Agrana-CEO Johann Marihart spreche ich stets sehr gerne und mich interessieren auch viele Dinge abseits der Geschäftszahlen. Diesmal habe ich ihn gefragt: Wann ändert sich der Zuckerpreis? Also nicht wenn jedes Mal der Kunde anruft und sagt: „Ich brauch‘ soundso viele Tonnen fürs nächste Jahr, lass uns verhandeln“?

Antwort Marihart: Der Zuckerpreis ändert sich jedenfalls meist Mitte Oktober eines Jahres. Da ist das Ende des sogenannten Zuckerwirtschaftsjahres – und das hat eine gewisse Tradition, auch ist da die neue Ernte eingefahren, es gibt also neue Rübenpreise.

Das heißt also, dass der Zuckerpreis immer ein Jahr gültig ist?
Ist nicht ein Jahr gültig zwangsweise, aber es hat eine gewisse Tradition, dass man sich von Ernte zu Ernte eindeckt – kundenseitig. Und dadurch, weil ja auch die Produktion eine kampagnen-mäßige ist, das heißt, sichert sich die Zuckermenge auch im Wesentlichen auf Jahresbasis.

Wie schwer ist denn Zucker? Wie viele Tonnen passen auf einen Lastzug? Wie relevant ist denn der Preis je Gewicht? Vielleicht sind ja die Kosten für Transport die viel höheren ...
Ja die viel höheren nicht, aber der Transport ist natürlich ein Kostenfaktor und Sie können sagen: Quer durch die Europäische Union vom Westende zum Ostende brauchen Sie etwa 100 Euro pro Tonne für den Transport. Und die kürzeren Strecken entsprechend niedriger oder es gilt natürlich auch von Nord bis Süd und insofern ist der Transport schon eine wesentliche Komponente und rechtfertigt hier nicht jede Marktversorgung oder jede Marktmöglichkeit, die weit entfernt ist.

Und der Transport? Wie wird denn so Zucker verpackt, wenn er in Tonnen-Chargen versendet wird?
Ja, Zucker geht im Export in Container, die mit entsprechenden Auskleidungen versehen sind, aus Kunststoff. Geht natürlich auch über sogenannte Big Packs, also in Palettengröße, das sind dann 1000 Kilogramm oder eben in 50-Kilogramm-Säcken. Und für die heimische Industrie, Nahrungsmittelindustrie sehr oft natürlich in losen Transporten in Silo-Fahrzeugen. Es gibt natürlich auch Bahntransport, also alle logistischen Möglichkeiten werden hier verwendet.

In der Maisstärke-Fabrik Aschach gab’s ja im Dezember einen Chlorgas-Unfall. Was ist da passiert und wozu brauchen Sie Chlorgas?
Ja, wir verwenden nicht Chlorgas, sondern wir verwenden sogenannte Natriumhypochlorit-Lauge, das ist also die harmlosere Verwendungsform in Flüssigkeit. Das Problem war hier, dass Kontakt mit Säure in geringer Menge erfolgt ist durch eine Fehlbedienung und dann wird aus der Hypochlorit-Lauge Chlorgas ausgetrieben. Das war in einem beschränkten Ausmaß. Es wurden alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen, alle nur in der Nähe befindlichen Mitarbeiter, nicht ganz 40 an der Zahl wurden sofort ärztlich untersucht; bis auf zwei haben bereits am Nachmittag wieder alle ihre Arbeit aufgenommen. Also es ist Gott sei Dank nichts passiert, zwei sind im Krankenhaus über Nacht zur Beobachtung geblieben. Die sind dann auch ohne irgendwelchen dauernden Schäden nach einer Nacht wieder entlassen worden. Das sind Dinge, die Gegenstand von laufenden Schulungen sind, die ganze Rettungskette - wenn es ernsthafter gewesen wäre - hätte toll funktioniert. Es waren zehn Rettungsfahrzeuge da, es waren Feuerwehren, die lokalen da, selbst für entsprechende Notfallmaßnahmen ausgerüstet, die Leute sind trainiert. Also grundsätzlich eine sehr gute Übung in der Praxis, bei der Gott sei Dank niemand ernsthaft zu Schaden gekommen ist.

Sogenannte Ersatzprodukte für Milch, Fleisch oder Getreide boomen. Agrana ist ja ein Pionier. Was sind das für Produkte und was bietet da Agrana an?
Ja grundsätzlich sind wir ja ein Eiweiß-Anbieter. Das heißt, Futtermittel sind für uns ein wichtiges Neben- bis Hauptprodukt, das ist einmal das Eine. Das Zweite ist, dass wir natürlich mit Stärkeprodukten eine Verdickung erreichen, damit Konsistenz schaffen und damit Eiweiß, tierisches Eiweiß reduzieren können. Wir bieten aber auch Produkte an, die Ei-Ersatz für entsprechende Ernährungsformen anbieten. Ob das jetzt vegan oder normal vegetarisch ist, haben wir hier doch eine erhebliche Produktpalette, die sich nicht im Fertigprodukt-Bereich darstellt, sondern in wesentlichen Komponenten

Hinweis: Audio unter http://www.wienerborse.at (barrierefrei, Österreich) bzw. http://www.boersenradio.at (Login, Komplett-Feed).


(30.01.2018)

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    Antwort Marihart: Der Zuckerpreis ändert sich jedenfalls meist Mitte Oktober eines Jahres. Da ist das Ende des sogenannten Zuckerwirtschaftsjahres – und das hat eine gewisse Tradition, auch ist da die neue Ernte eingefahren, es gibt also neue Rübenpreise.

    Das heißt also, dass der Zuckerpreis immer ein Jahr gültig ist?
    Ist nicht ein Jahr gültig zwangsweise, aber es hat eine gewisse Tradition, dass man sich von Ernte zu Ernte eindeckt – kundenseitig. Und dadurch, weil ja auch die Produktion eine kampagnen-mäßige ist, das heißt, sichert sich die Zuckermenge auch im Wesentlichen auf Jahresbasis.

    Wie schwer ist denn Zucker? Wie viele Tonnen passen auf einen Lastzug? Wie relevant ist denn der Preis je Gewicht? Vielleicht sind ja die Kosten für Transport die viel höheren ...
    Ja die viel höheren nicht, aber der Transport ist natürlich ein Kostenfaktor und Sie können sagen: Quer durch die Europäische Union vom Westende zum Ostende brauchen Sie etwa 100 Euro pro Tonne für den Transport. Und die kürzeren Strecken entsprechend niedriger oder es gilt natürlich auch von Nord bis Süd und insofern ist der Transport schon eine wesentliche Komponente und rechtfertigt hier nicht jede Marktversorgung oder jede Marktmöglichkeit, die weit entfernt ist.

    Und der Transport? Wie wird denn so Zucker verpackt, wenn er in Tonnen-Chargen versendet wird?
    Ja, Zucker geht im Export in Container, die mit entsprechenden Auskleidungen versehen sind, aus Kunststoff. Geht natürlich auch über sogenannte Big Packs, also in Palettengröße, das sind dann 1000 Kilogramm oder eben in 50-Kilogramm-Säcken. Und für die heimische Industrie, Nahrungsmittelindustrie sehr oft natürlich in losen Transporten in Silo-Fahrzeugen. Es gibt natürlich auch Bahntransport, also alle logistischen Möglichkeiten werden hier verwendet.

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    Ja, wir verwenden nicht Chlorgas, sondern wir verwenden sogenannte Natriumhypochlorit-Lauge, das ist also die harmlosere Verwendungsform in Flüssigkeit. Das Problem war hier, dass Kontakt mit Säure in geringer Menge erfolgt ist durch eine Fehlbedienung und dann wird aus der Hypochlorit-Lauge Chlorgas ausgetrieben. Das war in einem beschränkten Ausmaß. Es wurden alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen, alle nur in der Nähe befindlichen Mitarbeiter, nicht ganz 40 an der Zahl wurden sofort ärztlich untersucht; bis auf zwei haben bereits am Nachmittag wieder alle ihre Arbeit aufgenommen. Also es ist Gott sei Dank nichts passiert, zwei sind im Krankenhaus über Nacht zur Beobachtung geblieben. Die sind dann auch ohne irgendwelchen dauernden Schäden nach einer Nacht wieder entlassen worden. Das sind Dinge, die Gegenstand von laufenden Schulungen sind, die ganze Rettungskette - wenn es ernsthafter gewesen wäre - hätte toll funktioniert. Es waren zehn Rettungsfahrzeuge da, es waren Feuerwehren, die lokalen da, selbst für entsprechende Notfallmaßnahmen ausgerüstet, die Leute sind trainiert. Also grundsätzlich eine sehr gute Übung in der Praxis, bei der Gott sei Dank niemand ernsthaft zu Schaden gekommen ist.

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    Ja grundsätzlich sind wir ja ein Eiweiß-Anbieter. Das heißt, Futtermittel sind für uns ein wichtiges Neben- bis Hauptprodukt, das ist einmal das Eine. Das Zweite ist, dass wir natürlich mit Stärkeprodukten eine Verdickung erreichen, damit Konsistenz schaffen und damit Eiweiß, tierisches Eiweiß reduzieren können. Wir bieten aber auch Produkte an, die Ei-Ersatz für entsprechende Ernährungsformen anbieten. Ob das jetzt vegan oder normal vegetarisch ist, haben wir hier doch eine erhebliche Produktpalette, die sich nicht im Fertigprodukt-Bereich darstellt, sondern in wesentlichen Komponenten

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