05.05.2017, 2754 Zeichen
Nächste Woche soll die diesjährige ordentliche Hauptversammlung der Volkswagen AG (WKN: 766403 / ISIN: DE0007664039) stattfinden. Ort der Veranstaltung ist demnach das Messegelände der Deutsche Messe AG in Hannover. Im Vorfeld habe ich mir die jüngsten Quartalszahlen von VW genauer angeschaut, die diese Woche veröffentlicht wurden. Die Eckdaten:
- Die Umsätze lagen im ersten Quartal bei 56,2 Mrd. Euro – ein Plus von 10,3% gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal
- Das Ergebnis vor Steuern stieg von rund 3,2 Mrd. Euro im Vorjahresquartal auf +4,6 Mrd. Euro im ersten Quartal 2017
- Im Konzernbereich Automobile lag die Netto-Liquidität bei wirklich beeindruckenden 23,6 Milliärdchen Euro
Und der Netto-Cash-Flow des Automobilbereichs? Da hieß es, dass dieser „nach Mittelabflüssen aus der Dieselthematik mit –2,6 (1,3) Mrd. Euro wie erwartet negativ“ war. Heißt im Klartext: Wir haben ja wie Sie wissen einen Riesenfehler gemacht, und dafür mussten wir Milliarden zahlen.
Aber so deutlich wird das ja nicht gesagt, da heißt es lieber euphemistisch „Dieselthematik“.
Wer steht heutzutage noch offen für eigene Fehler ein und zeigt wahre Reue und ist an wahrhaftiger Wiedergutmachung interessant?
Volkswagen-Chart: finanztreff.de
VW: Gegenanträge auf der Hauptversammlung
Wen stört dieses euphemistische Schönreden schon? Antwort: Nicht nur mich, sondern auch z.B. den Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre e.V.
Denn gerade habe ich mir die Gegenanträge zu den Vorschlägen des Vorstands auf der VW-Hauptversammlung angeschaut. Da stellt der Dachverband den Antrag, weder Vorstand noch Aufsichtsrat von VW zu entlasten. Dies wird auch ausführlich begründet, finde ich sehr lesenswert. Bei Interesse:
Link Gegenanträge VW-Hauptversammlung 10. Mai 2017
Finde ich vorbildlich, dass es noch kritische Aktionärinnen und Aktionäre gibt! Auch wenn die entsprechenden Gegenanträge von Vorstand und Mehrheitsaktionären voraussichtlich „abgebügelt“ werden – ich finde es gut, dass diese Gegenanträge überhaupt gestellt werden, im Sinne von „Transparenz statt Lobbyismus“ und letztlich auch im Interesse von VW selbst. Denn es gilt, Kundenvertrauen zu gewinnen. Und wie sagte einst der von mir sehr geschätzte Unternehmer Robert Bosch sinngemäß: Er verliere lieber Geld als Vertrauen…
Ein Beitrag von Michael Vaupel
Michael Vaupel, diplomierter Volkswirt und Historiker (M.A.), Vollblut-Börsianer. Nach dem Studium Volontariat und Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Internet, Derivate, Rohstoffe). Er ist gefragter Interview- und Chatpartner (N24, CortalConsors). Ethisch korrektes Investieren ist ihm wichtig.
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