19.12.2016, 4883 Zeichen
Sehr geehrte Privatanleger,
ich sprach an dieser Stelle und in meiner Streitschrift Rettet unser Bargeld vom „Krieg gegen das Bargeld“ (www.rettet-unser-bargeld.de). Dieser Ausdruck kommt nicht von mir, sondern vom amerikanischen ultraliberalen Ökonomen Joseph Salerno, der die Verdrängung des Bargelds als Angriff auf unsere bürgerliche Freiheit als erster thematisiert hat. Auch Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele benutzt den Begriff, um die starke Koalition der Interessengruppen zu beschreiben, die das Bargeld abschaffen oder in Randbereiche verdrängen wollen. Die Bundesbank steht hinter dem Bargeld. Aber sie ist ja letztlich entmachtet und hat nichts mehr zu sagen.
In Indien wurden nach dem 8. November auf einmal alle 500- und 1000-Rupien-Noten, mehr als 80 Prozent des Geldumlaufs, für ungültig erklärt. Das Geld musste „registriert“ werden. Dies führte zu Chaos. Und es traft die Ärmsten – die die kein Konto oder keine Personalpapiere haben. Der Fernverkehr ist stark beeinträchtigt. Märkte funktionieren nicht mehr.
In Australien hat die Citibank angekündigt, in Zukunft keine Bartransaktionen mehr durchzuführen. Ich will ehrlich sein: Das Tempo des Kriegs gegen das Bargeld erschreckt mich.
Und ich muss es wiederholen: Bargeld ist eine der Säulen bürgerlicher Freiheit. Es ist die einzige Möglichkeit, wie freie Bürger untereinander ein Geschäft abschließen können, ohne dass ein Dritter sofort zuschaut. Ja, damit kann man auch Missbrauch betreiben. Aber die Unschuldsvermutung ist die Basis einer freien Gesellschaft. Wir haben schließlich auch Strafverfolgungs- und Ermittlungsbehörden.
Nun geht Indien einen Schritt weiter: Die Steuerfahnder sollen Privathaushalte nach Goldbesitz durchsuchen. „Unversteuertes“ Gold soll konfisziert werden. Jeder verheirateten Frau stehen 500 Gramm, jeder unverheirateten Frau 250 Gramm und jedem Mann 100 Gramm zu. Der Rest gilt als unversteuert. Ein radikaler Eingriff in die Eigentumsrechte, wie die Deutschen Wirtschafts Nachrichten1 am 09. Dezember meldeten.
Indien ist der größte Markt für Goldschmuck der Welt. Allerdings müssen die Goldhändler seit einiger Zeit Käufe über 200.000 Rupien – etwas mehr als 2.500 EUR – melden. Dies hat die Goldnachfrage bereits um 80 Prozent sinken lassen. Die Goldverkäufe gegen Bargeld sind insgesamt um 50 Prozent zurückgegangen.
In der Bundesrepublik Deutschland sind wir noch nicht so weit. Nach einer Studie des CFin – Research Centers for Financial Services der Steinbeis-Hochschule in Berlin ist der Goldbesitz der Deutschen in Form von Münzen, Barren oder Schmuck im letzten Jahr um 500 Tonnen auf 8.700 Tonnen gestiegen.
Diese privaten Goldreserven von 375 Mrd. EUR sind das Zweieinhalbfache der Reserven der Bundesbank (die größtenteils in den USA liegen und auch nicht mehr ausgeliefert werden). Das entspräche dann 7 Prozent des Geldvermögens der Deutschen, das 2015 auf den Rekordwert von 3,5 Billionen EUR geklettert ist. Ein angemessener Anteil, wenn Sie die Risiken der kommenden Börsenphase in Betracht ziehen.
Allerdings zeigen sich hier auch die Grenzen des Goldbesitzes. Um den „War on Cash“ effektiv zu machen und den ökonomischen Überwachungsstaat durchzusetzen, müssen die Bargeldgegner eben auch Maßnahmen zur Einschränkung des ökonomischen Nutzens von Gold durchsetzen. Sicher ist heute nichts mehr.
Am sichersten sind vielleicht noch Aktien guter Unternehmen, da Sie hier am Produktivvermögen beteiligt sind. Zudem befinden sich Aktien überwiegend in den Händen der Reichen und der Pensionsfonds – und die haben eine gute Lobby. In diesem Zusammenhang freut es mich, zu berichten, dass sich der Max Otte Vermögensbildungsfonds (WKN: A1J3AM) und der PI Global Value Fund (WKN: A0NE9G) in den letzten Wochen wieder erfreulich entwickeln.
Auf gute Investments!
Ihr
Prof. Dr. Max Otte
Hinweis/Disclaimer:
Prof. Dr. Max Otte berät beziehungsweise Unternehmen, an denen Prof. Dr. Max Otte beteiligt ist, beraten den PI Global Value Fund (WKN: A0NE9G) und den Max Otte Vermögensbildungsfonds (WKN: A1J3AM). Diese beiden Fonds könnten Positionen in Titeln halten, die in dieser Kolumne genannt sind.
Für den Fall, dass Leser dieser Kolumne Positionen in einen genannten Titel in einem Umfang erwerben, der dazu geeignet ist, den Preis des Titels zu beeinflussen, könnte der Verfasser dieser Kolumne und / oder einer beziehungsweise beide die Fonds im Falle der Veräusserung des Titels aus deren Portfolio nach einem solchen Kursanstieg vom Erwerb des Titels durch die Leser der Kolumne profitieren. Auch im Falle eines Verkaufs in einem entsprechenden Umfang durch Leser der Kolumne könnte der Verfasser dieser Kolumne und / oder einer beziehungsweise beide Fonds von fallenden Kursen durch günstigere Einstiegskurse im Falle eines späteren Kursanstiegs profitieren.
© DER PRIVATINVESTOR; www.privatinvestor.de
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