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Übernahmekampf von Bwin entschieden - GVC triumphiert (Marc Schmidt)

Autor:
Marc Schmidt

Die Börsenblogger ist das einfache und direkte Sprachrohr von Journalisten und deren Kollegen, die teils schon mit jahrzehntelanger Arbeits- und Börsenerfahrung aufwarten können. Auch als professionelle Marktteilnehmer. Letztlich sind wir alle Börsenfans. Aber wir vertreten in diesem Blog auch eine ganz simple Philosophie: Wir wollen unabhängig von irgendwelchen Analysten, Bankexperten oder Gurus schreiben, was wir zum aktuellen (Börsen-)Geschehen denken, was uns beschäftigt. Das kommt Ihnen, dem Leser, zu Gute.

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05.10.2015, 6155 Zeichen

Seit über einem Jahr steht Bwin.party (WKN A0MV75) zum Verkauf und dementsprechend lange hielten sich verschiedene Übernahmegerüchte, nun soll die GVC Holdings (WKN A1CWWN) den Zuschlag erhalten. Laut bbc.com soll GVC für die Übernahme 1,1 Mrd. Pfund zahlen (etwa 1,51 Mrd. Euro), aufgeteilt in Aktienanteile und einen Kaufpreis in bar.

Die Anteilseigner sollen einen Betrag von 25 pence und 0,231 neue GVC Aktien je Bwin-Aktie erhalten, was einem Gesamtbetrag von fast 130 pence pro Aktie entspricht und damit um knapp 15% über dem Kurs zum Zeitpunkt der Bekanntgabe des Deals liegt.

Chart: Guidants

Chart: Guidants

Viele Größen der Glücksspielanbieter im Online-Bereich wie William Hill, Ladbrokes und Playtech zeigten zunächst ihr Interesse an einer Übernahme, aber zuletzt waren nur noch die GVC und 888 Holdings im Rennen, den Branchenprimus im Bereich Sportwetten zu kaufen.

Chart: Guidants

Chart: Guidants

Bereits im Juli dieses Jahres sollte ein Angebot von der 888 Holdings (WKN A0F640) in Höhe von 1,27 Mrd. Euro angenommen werden, aber mehrfach erhöhte Angebote von GVC und finanzielle Bedenken auf Seiten der 888 Holdings, die es nicht als profitabel genug ansah, noch höhere Beträge zu bieten, zwangen Bwin zum Umdenken. Nach monatelangem Wettbieten hat sich mit GamingVC nun anscheinend ein Sieger gefunden.

  Angebot Liquidationserlös je Aktie
GVC Holdings 1,1 Mrd. Pfund 25 pence + 0,231 Anteile an neuen GVC-Aktien
888 Holdings 900 Mio. Pfund 39,45 pence oder 0,4 Anteile an 888-Aktien

 

GVC wird die Übernahme aber nicht aus eigener Kraft bewerkstelligen können. Während in den früheren Verhandlungsrunden die Amaya Group, die bereits letztes Jahr unter anderem PokerStars und Full Tilt Poker übernommen hat, GVC finanziell zur Seite stand, will GVC die Übernahme nun mit anderen Investoren von Cerberus Capital Management stemmen. Cerberus Capital finanziert mit einen 400-Millionen-Pfund-Kredit die Übernahme. Darüber hinaus will GVC neue Aktien im Wert von 150 Millionen Pfund ausgeben, um die Kosten für die Restrukturierung zu decken.

GVC – der Kleine übernimmt den Großen

Die GVC Holdings ist seit 2004 am AIM (Alternative Investment Market) an der Londoner Börse gelistet und hat mit einer Marktkapitalisierung von 327 Mio. Euro im Vergleich mit Bwin (momentan bei 1,18 Mrd. Euro) und der Übernahmeinvestition einen geringen Börsenwert, wodurch das Kapital der Cerberus Capital Gruppe erforderlich wird, um die Übernahme zu bewerkstelligen.

Die GVC Holdings ist eine Sportwetten- und Gaming-Gruppe. Zu ihren Marken gehören der britische Sportwetten- und Glücksspielanbieter Sportingbet plc, das Onlinecasino CasinoClub und das auf den südamerikanischen Markt fokussierte betboo, das ebenfalls Sportwetten und Glücksspiel anbietet. GVC schickt sich nun an, im Bereich Sportwetten eine Vormachtstellung einzunehmen und sein Online-Gambling-Segment zu erweitern.

Bwin – Branchenprimus mit Problemen

2010 schlossen sich der österreichische Anbieter für Sportwetten mit dem Onlinepokerraum Party Gaming zu Bwin.party Digital Entertainment zusammen. Bwin ist mit über 10 Millionen Kunden weltweit führend in der Sportwettensparte, während das Segment Onlinepoker jedoch weiterhin kränkelt. „So kann kaum ein anderer Anbieter mit dem umfangreichen Programm an verschiedenen Wettangeboten mithalten. Aber auf der Ebene der Wettquoten kann Bwin wiederum nicht mit den Besten konkurrieren“, sagte uns Heinz Patzelt von sportwettentest.net, der seine 25-jährige Erfahrung im Bereich der Sportwetten schon als CEO eines internationalen Wettanbieters einbringen konnte und mittlerweile als Berater in der Wettbranche aktiv ist. Dies und auch die im Vergleich zur Konkurrenz schwächere Website seien ebenfalls Gründe für die rückläufigen Gewinne, mit denen der österreichische Wettanbieter in den letzten Jahren zu kämpfen hatte.

Gründe für den Verkauf von Bwin

  • Defizite im Pokergeschäft
  • sinkende Gewinne auch bei Sportwetten
  • Rückläufige Zahlen der aktiven Nutzer

Bwin hat sich auch aus diesem Grund im Sommer 2014 dazu entschieden, das Unternehmen zu veräußern. Zusätzlich müssen aufgrund der strengeren Regularien im Bereich des Glücksspiels und der Sportwetten die Unternehmen die Betriebskosten senken, was unter anderem mithilfe der Übernahme erreicht werden soll. Mit dem im Onlinepoker erfahreneren 888 Poker hätte Bwin.party voraussichtlich größere Fortschritte im Glücksspielbereich erzielen können, jedoch hat GVC neben dem höheren Übernahmeangebot auch Stärken im Bereich der Sportwetten, was Bwin möglicherweise wieder auf einen besseren Kurs führt.

Im Zuge der Bekanntgabe der Übernahme sind die Aktien von Bwin.party und GVC um rund 10% gesunken, während 888 ein Plus von fast 10 Prozentpunkten gewinnen konnte. Insgesamt hatte der Wettkampf um die Bwin-Aktien jedoch einen Aufschwung für die Aktie zur Folge, obwohl die Umsätze und auch die Gewinne in den letzten Jahren eher gesunken sind, wie auf finanzen.net zu ersehen ist. Auch die Geschäftszahlen im ersten Quartal 2015 deuten nicht auf eine kurzzeitige Verbesserung der Lage für Bwin hin.

Fazit – Viele Chancen aber auch Risiken

Inwieweit die Unternehmen von der Übernahme profitieren, bleibt abzuwarten. GVC rechnet gegenüber 888 mit deutlich positiveren Aussichten für die zukünftigen Geschäftsphasen. Laut Kenneth Alexander, dem Geschäftsführer von GVC, ist seine Firma der ideale Partner für Bwin.party, bedenkt man die langjährige Erfahrung in den Bereichen Online-Gaming und Sportwetten.

Wie die New York Times berichtet, geht das Management von GVC auch davon aus, dass die Betriebskosten bis Ende 2017 um mindestens 125 Mio. Euro pro Jahr gesenkt werden können. Wie sehr die Kursentwicklung dadurch beeinflusst wird, bleibt abzuwarten. Für Anleger bleibt die Situation der Glücksspielanbieter im Onlinesektor also weiterhin spannend.

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