Trendfolger sollten nun hochwachsam sein. Aktienquote reduzieren? (Ulrich W. Hanke)
14.06.2015, 3205 Zeichen
Haben sich die Aktienmärkte, hat sich der Dax gefangen? Was passiert als nächstes? Heißt die Korrektur bald Crash, geht es mit vielen Auf und Abs seitwärts weiter oder folgen neue Höchststände?
Die einen reden von Korrektur, die anderen schon von Crash. Was wir aktuell auf dem europäischen Aktienmarkt, allen voran beim deutschen Leitindex Dax sehen, ist aber vielmehr die Phase, die vorher wirklich jeder Fondsmanager, Anlagestratege und Börsenexperte hat kommen sehen (siehe Gastkommentare in boersianer.info). Das volatile Zeitalter hat begonnen! Nach einem rasanten Kursanstieg, der durch die Liquidität der Notenbanken befeuert wurde und weiterhin wird, sind stärkere Kursschwankungen eigentlich Konsens, auch eine geringe Zinserhöhung der US-Notenbank Fed im Herbst. Doch der Markt scheint nervös. Nicht ohne Grund nennt der erfahrene Börsianer die Volatilität auch Angstbarometer.
Der Dax hat sich die Marke von 11.000 Punkten wieder zurück erkämpft. Solange nicht die 10.500 Punkte fallen (200-Tage-Durchschnitt), dürfte es für Panik keinen Grund geben. Starke Nerven sind aber dennoch gefragt, eine erhöhte Aufmerksamkeit auch. Denn in der Regel geht es an der Börse viel schneller nach unten, als sich ein Aufwärtstrend etabliert. Der letzte große Crash 2011 dauerte nur rund 30 Tage und kostete Dax-Anleger gut ein Viertel ihres Geldes. Danach setzte der heute noch intakte Bullenmarkt ein. Was uns beruhigt: Unsere Börsenampel – in Kooperation mit Uwe Lang – steht nach wie vor auf grün für den Aktienkauf.
Worauf sich Anleger jetzt einstellen sollten, ist neben einer Phase mit größeren Kursausschlägen auch auf eine Phase mit einer Seitwärtsbewegung. Diese ist – auch wenn wir natürlich keine Kristallkugel haben – aktuell durchaus wahrscheinlich.
Letztlich war die Marktentwicklung im Mai vielleicht einfach eine technische Reaktion auf den Einbruch am Anleihemarkt. Da die Gewinne der Unternehmen zwar viele Analysten überrascht haben und höher ausfallen, als angenommen, sind sie dennoch bei Weitem nicht so stark gestiegen, wie die Aktienkurse. Fehlt nachhaltiges Gewinnwachstum und kommen wieder Alternativen zu Aktien auf den Radar der Anleger, sind wahrscheinlich Aktien mit einer hohen Dividendenrendite eine gute Wahl (siehe unser Dividenden-Musterdepot).
Wer auf Nummer sicher gehen will, der wählt Titel mit einer geringen Volatilität, einer geringen Kursschwankungsbreite. Diese Langweiler schützen den Anleger nämlich oft vor allzu großen Kursrückgängen (siehe Low-Volatility-Musterdepot). Trendfolger wiederum sollten nun hochwachsam sein. Vielleicht müssen sie die Aktienquote bald reduzieren. Das behalten wir uns auch für das so erfolgreiche Momentum-Musterdepot vor. Es bleibt festzuhalten, in den Köpfen ist nicht nur die Vola angekommen, sondern auch, dass die Zinsen nicht für immer niedrig bleiben werden. Und die Zinsen sind ja bekanntlich Gift für Aktien. Bleiben Sie also wachsam.
Ihr Ulrich W. Hanke,
Chefredakteur boersianer.info – Das digitale Anlegermagazin
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