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Börse Istanbul: 'Türkische Früchte' schmecken wieder süßer (Franz Gschiegl)

Bild: © (www.shutterstock.com), Istanbul, Türkei, http://www.shutterstock.com/de/pic-161898314/stock-photo-b...

Autor:
Franz Gschiegl

Vorstand, Erste-Sparinvest, Rekordteilnehmer beim Vienna City Marathon (Gesamtschnellster aller jener, die alle 31 VCM`s beendet haben), Dritter bei http://www.runplugged.com/baa . Bloggt über Börse und den VCM 2015.

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01.07.2014, 7450 Zeichen

Der kürzlich über die Bühne gegangene Besuch des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan in Wien sorgte für Aufregung. „Aufregungen“ der anderen Art bietet schon seit jeher der türkische Finanzmarkt. Wer Volatilität liebt, also durchaus auch extreme Marktschwankungen, der kommt an der Istanbuler Börse wirklich nicht vorbei.Wer dabei noch Mut und Ausdauer zu seinen Charaktereigenschaften zählen darf, der wurde bei Investments in Papieren des ehemaligen Osmanischen Reiches des öfteren gehörig belohnt - insbesondere wenn der Mut auch antizyklisches Handeln, also das Schwimmen gegen den Strom, beinhaltet. Nach dem „Absturz“ im Vorjahr konnte sich die Börse am Bosporus von Anfang März dieses Jahres weg in wenigen Wochen um 25% nach oben katapultieren , gemeinsam mit einem Währungsplus ergab dies für mutige Euroinvestoren bis Mitte Mai eine Wertsteigerung um ein Drittel.

Im letzten Monat hat die Börse eine Verschnaufpause eingelangt, was nach diesem starken Rebound nur allzu verständlich ist. Wie geht es nun weiter? Kann sich die sehr politisch dominierte Börse weiter behaupten, oder schwingt das Pendel wieder in die Gegenrichtung?

Nach dem ansehnlichen Plus von 58% im Jahre 2012 kam es bekannterweise ausgehend von den Protestaktionen am Gezi-Park und auch generell den weltweiten Liquiditätsabzügen aus den Schwellenländern im Vorjahr zu einem markanten Kurseinbruch - sowohl bei den Aktien als auch bei der Währung. Wer Mitte Mai 2013 investiert war und seine Aktienpositionen durchhielt, der mußte per Anfang März dieses Jahres, also nach lediglich 10 Monaten, den Verlust der Hälfte seines Vermögens beklagen. Das optimale Timing, also das Erfassen des besten Ein- und Ausstieges, ist bei den extremen Schwankungen am Bosporus nahezu essentiell.

Börse Istanbul: Wie auf einer Hochschaubahn

Hochschaubahnfahrten sind an der Istanbuler Börse wie gesagt keine Besonderheiten, wobei die starken Währungsschwankungen die Volatilitäten oft noch verstärkt haben. In den letzten zehn Jahren gab es immerhin vier Aufwärtsphasen mit einem Anstieg um mehr als 100% sowie auch vier Einbrüche mit Verlusten von 50% und mehr.

Jene Glücksritter die optimalerweise am Tiefststand des die wichtigsten 100 Werte umfassenden ISE (=Istanbul Sock Exchange) von 15.803,56 am 18. Mai 2004 eingestiegen und am historischen Höchst (93.398,33) vom 22. Mai 2013 ausgestiegen sind, können sich über ein Plus von 490% freuen.
Wer „durchgehalten“ hat, also eine „buy and hold“-Strategie über die letzten zehn Jahre verfolgte, der wurde auch mit einem Plus von 434% (allerdings eben in lokaler, also türkischer Währung, gemessen) belohnt, aus Sicht eines Euroinvestors gab es aber auch ansehnliche 209%, was immerhin 12% p.a. ergibt – übrigens exakt der Wert, der allgemein statistisch für langfristige Investments an Schwellenbörsen angegeben wird.

Trendwende oder nur technische Reaktion?

War dies nur eine längst fällige Gegenbewegung auf die Werthalbierung-ausgelöst durch die Unterbewertung und den Ausgang der Kommunalwahlen, oder können wir von einer anhaltenden Trendwende ausgehen, die weiteres Kurspotenzial eröffnet? Gehen wir von der Hoffnung auf eine Rückkehr zu den alten Indexhöchstständen bei stabilen Wechselkursen aus, so würde bei einem aktuellen Niveau von 75.000 Indexpunkten ein Plus von 25% möglich sein, kann die Türkische Lira an Wert gewinnen, so verbessert sich dieses Resultat noch - und vice versa. Zwar konnte sich die Lira von ihrem Tiefstand gegenüber dem Euro erholen, seit Februar 2006 verlor die Währung allerdings die Hälfte ihres Wertes.

Nach der Wahl ist vor der Wahl.....

Wie bekannt, überschatten seit den Eskalationen im Gezi-Park die innenpolitischen Querelen und Probleme auch die Volks- und Finanzwirtschaft. Durch den Triumph der islamisch geprägten Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei (AKP) bei den Kommunalwahlen scheint die Position vom Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan wieder gefestigt zu sein, eine diplomatisch ungeschickte Verhaltensweise beim jüngsten Grubenunglück in Soma mit über 300 Todesopfern hat jedoch national und international für Verstimmung und entsprechenden Protesten in der Türkei geführt. Die AKP konnte allerdings bei den Kommunalwahlen sogar gegenüber 2009 noch fünf Prozentpunkte zulegen ist auch für die Präsidentschaftswahlen im kommenden August optimistisch. Nun ist es auch offiziell, dass Ministerpräsident Erdogan für das Präsidentenamt kandidiert. Die Ambitionen zur 100-Jahrfeier der Republik 2023 als Staatsoberhaupt aufzutreten dürfte ein Ziel des Premierministers sein. Sollte man auch den Zuschlag für die Olympiade 2020 bekommen, wäre dies auf der internationalen Bühne auch ein gehöriger Auftritt des selbstbewußten Premiers.

Auch wenn die Situation in der Türkei seit dem Vorjahr „aus dem Lot läuft“, muß doch auf die Erfolge und gelungenen Reformen Erdogans und seiner AKP in der doch langen Regierungszeit hingewiesen werden. Die Türkei konnte von 2002 bis 2006 ein reales Wirtschaftswachstum von durchschnittlich 7,2% erzielen, Engagierte Reformen, eine Modernisierung der Infrastruktur, eine Stärkung des Mittelstandes, eine Verdreifachung des Pro Kopf Einkommens seit 2001, eine deutliche Reduktion des Budgetdefizites und auch die Entmachtung des Heeres sind merkbare Verbesserungen aus seiner Amtszeit. Das große Ziel ist es nun bis zum Jubiläumsjahr 2023 die Türkei vom aktuell Rang 17 unter den weltweit größten Volkswirtschaften auf den zehnten Platz vorzurücken.

Infrastruktur Big is beautiful

Die Exportwirtschaft floriert weiterhin, wobei der Anteil an Exporten in die EU von 48% auf 42% zurückgegangen ist, während nun mehr in den Mittleren Osten exportiert wird. Türkei war und ist auch ein klarer Profiteur von den Sanktionen gegen den Iran.

Aufgrund der optimalen geografischen Lage will sich die Türkei und in erster Linie Istanbul hier noch stärker als internationales Zentrum präsentieren. Dazu zählen beispielsweise die milliardenschweren Infrastrukturvorhaben wie der Bau des weltweit größten Flughafens um 150 Milliarden Euro mit sechs geplanten Startbahnen und einer Maximalkapazität von 150 Millionen Passagieren pro Jahr. Der Ausbau des U-Bahnnetzes in Istanbul ist auch voll im Gange,zu den 5 Linien mit aktuell 87 km in Länge sollen 3 Linien dazukommen, zwei davon sollten 2015 fertiggestellt werden.Erweitert werden sollen auch die wichtigsten 6 Schiffshäfen sowie das Eisenbahnnetz und das ohnehin bereits beispielhafte Autobahn- und –strassennetz.

Trotz des Anstieges nach den Wahlen ist die türkische Börse mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von aktuell 11 weiterhin als attraktiv im internationalem Vergleich einzustufen. Die Gewinnaussichten für 2015 werden trotz der hohen Zinsen positiv eingeschätzt.

Die aktuelle politische Unsicherheit könnte noch einige Zeit bestehen bleiben,Kursrückschläge sollten bei Beachtung des erhöhten Risikos jedoch wieder interessante Investitionschancen eröffnen .Hier empfiehlt sich die bevorzugte „Eichhörnchentaktik“, was bedeutet, einfach in Ruhe „Einsammeln“ und stufenweise investieren. Dies könnte etwa über periodische Einzahlungen über einen Fondssparplan erfolgen, da sich aufgrund der Komplexität der türkischen Aktienbörse ohnehin die Bevorzugung eines Türkeiländerfonds wie etwa des ESPA STOCK ISTANBUL ( ISIN AT0000704341 –Thesaurierer) aufdrängt.

Lesen Sie mehr über Chancen und Gefahren an der türkischen Börse sowie interessante Einzeltitel im GEWINN (Heft Juni 2014).


(01.07.2014)

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1. Istanbul, Türkei, http://www.shutterstock.com/de/pic-161898314/stock-photo-blue-mosque-in-istanbul-turkey.html , (© (www.shutterstock.com))   >> Öffnen auf photaq.com

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    Im letzten Monat hat die Börse eine Verschnaufpause eingelangt, was nach diesem starken Rebound nur allzu verständlich ist. Wie geht es nun weiter? Kann sich die sehr politisch dominierte Börse weiter behaupten, oder schwingt das Pendel wieder in die Gegenrichtung?

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