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Die 15-Prozent-Klausel muss weg (Leo Himmelbauer)


29.04.2003, 2370 Zeichen

Herbert Liaunig bezeichnete den Tiroler Energiesysteme-Konzern Jenbacher stets als Perle. Jetzt steckt diese Perle im Firmenimperium des US-Riesen General Electric. Liaunig und die Jenbacher-Kernaktionäre rund um ihn wollten es so. Die Kleinanleger letztlich auch. Ihnen war ein wenig mehr Cash auf die Hand lieber als ein durchaus aussichtsreicher Kampf für die Selbstständigkeit von Jenbacher.

Der Verkauf von Industrie-Schmuckstücken ins Ausland ist immer mit Wehmut verbunden. Österreich ist zwar gesegnet mit international erfolgreichen Unternehmen, doch so gross auch wieder nicht, dass jeder Abgang, jeder Gewinn-Abfluss verschmerzbar wäre. So wird Jenbacher der Wiener Börse sehr fehlen. Die "Jenny-Aktie" notiert (vorläufig noch) im Prime-Segment, das mit der Heimholung von Börse-Legionären nur mühsam aufgepäppelt werden kann.

Aber Jammern hilft niemandem. Auch nicht den Kleinaktionären, die beim Jenbacher-Verkauf schamlos über den Tisch gezogen wurden. Zuerst wurden ihnen 17,43 Euro je Aktie angeboten. Erst als der Deal zu scheitern drohte, besserte GE auf 18,10 Euro nach - und Liaunig & Co., die ursprünglich 20,50 Euro je Papier erhalten sollten, wurden alibimässig auf 20,25 Euro zurechtgestutzt.

Die Differenz zwischen dem, was die Aktie eines Gross- und die eines Kleinanlegers wert ist, wurde von GE um knapp ein Drittel reduziert. Doch noch immer bleibt ein Unterschied von 2,15 Euro übrig. Dieser Kleinanleger-Nepp darf sich nicht wiederholen. Die Wurzel des Übels steckt im Übernahmegesetz. Dort findet sich nämlich die Kann-Bestimmung, die einen 15-Prozent-Abschlag gegenüber Paketaktionären erlaubt.

Unternehmen können diese Klausel von sich aus aus ihren Statuten streichen. Viel zweckmässiger freilich wäre es, gleich das Übernahmegesetz entsprechend zu ändern. Mit einem einzigen Federstrich würden künftige Ungleichbehandlungen von Aktionärsgruppen verhindert.

Der Verkauf von börsenotierten Unternehmen gehört international gesehen zum Tagesgeschäft. Auch in Österreich laufen derzeit Projekte. So etwa beim Bierkonzern Brau AG und der Austria Email, wo wie bei Jenbacher Herbert Liaunig einer der Kernaktionäre ist.

Austria Email, die nach jahrelangen Verlusten wieder in die Gewinnzone gekommen ist, soll um vier bis fünf Euro je Aktie zu haben sein, heisst es. Zu hoffen ist, dass es bis dahin die 15-Prozent-Klausel nicht mehr gibt.

(29.04.2003)

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    29.04.2003, 2370 Zeichen

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