04.03.2026, 3365 Zeichen
Die Eskalation im Nahostkonflikt trifft Saudi Aramco mit voller Wucht. Während US-amerikanische und israelische Streitkräfte ihre Angriffe auf den Iran ausweiten, schlägt Teheran zurück – und nimmt dabei gezielt die Energieinfrastruktur der Golfstaaten ins Visier. Für den weltgrößten Ölkonzern wird die Lage zusehends brenzlig.
Am fünften Tag des Konflikts fing Saudi-Arabien zwei iranische Marschflugkörper sowie zehn Drohnen ab. Besonders brisant: Erneut kam es zu einem Angriff auf die Ölraffinerie Ras Tanura von Saudi Aramco. Zwar gab es laut Verteidigungsministerium keine Schäden, doch die wiederholten Attacken auf die hochsensiblen Anlagen zeigen, wie verwundbar selbst der mächtigste Ölproduzent der Welt ist.
Die Situation verschärft sich durch Irans Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus. Durch diese Meerenge fließt normalerweise ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggasexporte – doch seit vier Tagen ist der Verkehr praktisch zum Erliegen gekommen. Versicherer haben die Deckung für Schiffe gestrichen, nachdem der Iran fünf Tanker attackierte und androhte, auf jedes Schiff zu feuern, das die Passage zu durchqueren versucht.
Saudi Aramco reagiert mit Notfallplänen: Der Konzern versucht, einen Teil seiner Rohölexporte über das Rote Meer umzuleiten und so die blockierte Straße von Hormus zu umgehen. Eine logistische Meisterleistung unter Kriegsbedingungen – aber auch ein Zeichen der Verzweiflung.
Die Märkte reagieren nervös. Am Dienstag schoss der Brent-Ölpreis um 7,8 Prozent auf 83,81 Dollar pro Barrel – der höchste Stand seit Juli 2024. Die US-Sorte WTI kletterte sogar um 8,4 Prozent auf 77,23 Dollar. Analysten von ING warnen: Sollte der Iran weitere Energieanlagen in der Region treffen, könnten die Ausfälle langfristig werden.
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Andrew Lipow, Chef der Beratungsfirma Lipow Oil Associates, hält einen Anstieg auf 90 Dollar für möglich, sollten die Infrastrukturangriffe weitergehen. Der Irak, zweitgrößter OPEC-Produzent, hat seine Förderung bereits um 1,5 Millionen Barrel pro Tag halbiert – die Hälfte seiner Produktion. Grund sind Speichergrenzen und fehlende Exportrouten.
US-Präsident Donald Trump kündigte an, die Straße von Hormus notfalls mit Marineeskorte zu sichern. Reeder und Analysten bleiben skeptisch, ob militärischer Schutz und Versicherungsgarantien ausreichen, um das Vertrauen wiederherzustellen. Indien und Indonesien suchen bereits nach alternativen Energiequellen, chinesische Raffinerien fahren Wartungen vor oder stellen den Betrieb ein.
Für Saudi Aramco wird der Konflikt zur doppelten Belastung: Einerseits profitiert der Konzern von steigenden Ölpreisen, andererseits gefährden die Angriffe die eigene Produktion und Exportfähigkeit. Wie lange das Unternehmen die Umleitung über das Rote Meer durchhalten kann, bleibt abzuwarten.
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