01.03.2026, 5205 Zeichen
Fiserv baut seine Führungsetage um und setzt zugleich auf neue Partnerschaften. Nach einem außergewöhnlich schwachen Vorjahr will der Zahlungsdienstleister damit Vertrauen zurückgewinnen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie schnell sich die Maßnahmen in stabilerem, „saubererem“ Wachstum niederschlagen.
Das Unternehmen hat zwei neue Chief Revenue Officers sowie einen neuen globalen Leiter für Business Development berufen – mit klarem Fokus auf Umsatzwachstum, nachdem Ergebnisse zuletzt hinter den Erwartungen von Analysten und Investoren zurückblieben.
Lia Cao übernimmt als Chief Revenue Officer den Bereich Enterprise und Platforms. Robert Clarkson wird Chief Revenue Officer für kleine Unternehmen sowie das Clover-Kassensystem. Adit Gadgil übernimmt die Rolle als Global Head of Business Development. Alle drei kommen von außen: Cao und Gadgil waren zuletzt als Managing Directors bei JPMorgan Chase tätig, Clarkson wechselte vom Wettbewerber Stripe, wo er Chief Revenue Officer war.
Die Doppelbesetzung an der Umsatzspitze und der zusätzliche Business-Development-Posten deuten darauf hin, dass das Management nach langsamerem Wachstum und vorsichtigen Analystenzielen die kommerzielle Schlagkraft straffer organisieren will. Im Umfeld gab es zudem Abgänge einzelner institutioneller Investoren.
Parallel meldete Fiserv eine umfangreiche Partnerschaft mit der Peoples Group. Gemeinsam soll Kanadas nächste Generation der Zahlungsinfrastruktur aufgebaut werden. Peoples Group will sich damit als Plattformanbieter für Banken und Fintechs im Land positionieren – auf Basis von Fiservs Enterprise Payments Platform sowie dem DNA-Core-Banking-System. Für Peoples Group ist es eine der größten Technologieinvestitionen der Unternehmensgeschichte.
Für Fiserv liefert die Kooperation einen sichtbaren Anwendungsfall für eine cloudbasierte Echtzeit-Payment-Architektur – in einem Markt, der sich auf den Start von Payments Canadas „Real-Time Rail“ vorbereitet. Vor dem Hintergrund früherer Diskussionen über Umsetzung und Umsatzqualität ist ein großvolumiger, langfristiger Infrastrukturauftrag zugleich ein Hinweis, dass die Kerntechnologie für Banken und Fintechs weiter relevant bleibt.
Der Umbau kommt nach einem harten Jahr: Die Aktie verlor im Vorjahr 70%, darunter ein Tagesminus von 44% im Oktober 2025 nach den Zahlen zum dritten Quartal. Damals fiel der bereinigte Gewinn je Aktie im Jahresvergleich um 11%. Zudem kappte das Management die Prognose für das organische Umsatzwachstum 2025 deutlich: von zuvor bis zu 12% auf nur noch 4%.
Als Grund für die starke Revision nannte das Unternehmen Verzerrungen durch inflationsbedingte Preisentwicklungen in Argentinien. Argentinien habe rund 10 Prozentpunkte zum ausgewiesenen organischen Wachstum von 16% im Jahr 2024 beigesteuert und mehr als 5 Prozentpunkte zum 12%-Wachstum 2023.
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Zusätzlichen Druck erzeugten verfehlte Erwartungen bei Umsatz und Gewinn in den letzten beiden Quartalen 2025. Im Oktober folgte eine Umstrukturierung im Top-Management, inklusive Austausch des CFO. Auch der Verwaltungsrat wurde erneuert: Gordon Nixon übernahm im Januar als Chairman (zuvor CEO der Royal Bank of Canada von 2001 bis 2014). Ebenfalls im Januar kam Céline Dufétel ins Board, seit 2025 CFO bei Bridgewater Associates und zuvor unter anderem Präsidentin bei Checkout.com.
Für das Gesamtjahr 2025 meldete Fiserv einen GAAP-Umsatzanstieg um 4% auf 21,19 Mrd. US-Dollar. Merchant Solutions wuchs um 5%, Financial Solutions um 2%. Das GAAP-Ergebnis je Aktie lag im vierten Quartal bei 1,51 US-Dollar und im Gesamtjahr bei 6,34 US-Dollar – das sind minus 8% gegenüber Q4 2024, aber plus 18% gegenüber dem Gesamtjahr 2024. Der Free Cashflow betrug 2025 rund 4,4 Mrd. US-Dollar.
Für 2026 stellt Fiserv organisches Umsatzwachstum von 1% bis 3% sowie einen bereinigten Gewinn je Aktie von 8,00 bis 8,30 US-Dollar in Aussicht. Zudem ist ein Investor Day für den 14. Mai in New York angesetzt.
Zusätzliche Dynamik bringt Jana Partners: Der aktivistische Investor hat eine Beteiligung aufgebaut und fordert Änderungen an Ausrichtung und Prioritäten. CEO Mike Lyons setzt parallel den „One Fiserv“-Plan um, der auf künstliche Intelligenz und Partnerschaften unter anderem mit Microsoft und Mastercard zielt. Damit rücken Produktfokus, Kostenstruktur und Kapitalallokation stärker in den Mittelpunkt der Debatte.
Bis zum Investor Day am 14. Mai dürfte entscheidend werden, ob die neuen Umsatzverantwortlichen, der Kanada-Deal und der „One Fiserv“-Plan erste messbare Fortschritte liefern – gerade vor dem Hintergrund der für 2026 eher moderaten Wachstumsprognose von 1% bis 3%.
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