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Under Armour: Immer noch unattraktiv bewertet (Michael Vaupel, Christoph Scherbaum)

Autor:
Christoph Scherbaum

Die Börsenblogger ist das einfache und direkte Sprachrohr von Journalisten und deren Kollegen, die teils schon mit jahrzehntelanger Arbeits- und Börsenerfahrung aufwarten können. Auch als professionelle Marktteilnehmer. Letztlich sind wir alle Börsenfans. Aber wir vertreten in diesem Blog auch eine ganz simple Philosophie: Wir wollen unabhängig von irgendwelchen Analysten, Bankexperten oder Gurus schreiben, was wir zum aktuellen (Börsen-)Geschehen denken, was uns beschäftigt. Das kommt Ihnen, dem Leser, zu Gute.

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04.09.2017, 7145 Zeichen

Bei der Geldanlage gilt es bei der Auswahl von Aktien strikt zu unterscheiden zwischen dem Unternehmen „an sich“ und der Bewertung der dazu gehörigen Aktie. So kann sich ein Unternehmen durchaus gut entwickeln, mit schwarzen Zahlen und steigenden Umsätzen. Die Aktie kann dennoch schlicht und ergreifend zu teuer sein, z.B. wenn sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf sehr hohem Niveau bewegt und die Aktie sehr beliebt ist und deshalb die Erwartungen so hoch sind, dass gewissermaßen das beste aller möglichen Szenarien eingepreist ist und deshalb im Gegenzug auch kleine Enttäuschungen großes Verlustrisiko bei der Aktie bedeuten. In der Vergangenheit habe ich die Aktie von Under Armour (WKN: A0HL4V / ISIN: US9043111072) grob gesagt in diese Kategorie eingeordnet.

Es handelt sich bei Under Armour um einen Anbieter von Sportbekleidungsartikeln, der inzwischen – je nach Region – auf Platz 3 (nach Nike (WKN: 866993 / ISIN: US6541061031) und Adidas (WKN: A1EWWW / ISIN: DE000A1EWWW0)) aufgestiegen ist. Und inzwischen ist hier einiges passiert. Deshalb möchte ich in diesem Beitrag die Aktie Under Armour genauer unter die Lupe nehmen:

Vor rund 11 Monaten hatte ich einen Beitrag zur Under Armour Aktie verfasst. Da schreckte mich das KGV von geschätzten rund 40 ab. Ich schrieb damals im Fazit: „Ein gutes Unternehmen – mit einer hoch bewerteten Aktie. Für mögliche Käufe der Aktie ist das nicht besonders interessant.“ Damals stand die Aktie bei knapp 40 Dollar. Und in der Tat hat sich die Aktie auch nicht gut entwickelt, die Skepsis war berechtigt. Wobei „nicht gut entwickelt“ noch untertrieben ist, denn die Under Armour Aktie ist regelrecht eingebrochen von damals knapp 40 Dollar auf rund 16 Dollar Ende August.

Under-Armour-Chart: boerse-frankfurt.de

Die 12-Monats-Performance liegt im Bereich -60%. Da das Unternehmen damals „an sich“ gut aussah, die Aktie allerdings sehr hoch bewertet war, stellt sich jetzt die Frage: Ist das Unternehmen nun 11 Monate später immer noch „gut“? Falls ja, ist die Aktie dann vielleicht jetzt interessant – schließlich steht der Kurs auf einem erheblich niedrigeren Niveau und die Bewertung ist vielleicht nicht mehr so hoch?

Under Armour: Aktie im freien Fall?

Ich bin der Ansicht: Eine Bewertung der Aktie sollte im Grunde unabhängig vom eigenen Einstandskurs erfolgen, sofern die Aktie im Depot ist (ich besitze sie nicht). Wenn die Aktie verkaufenswert ist, dann sollte sie besser auch verkauft werden – auch wenn dann ein Buchverlust realisiert wird. Doch hier ist natürlich der mündige Anleger/die mündige Anlegerin gefragt, es geht um sein bzw. ihr Geld, insofern muss das jeder selber entscheiden. Derzeit sieht es so aus, als ob sich die Under Armour Aktie im freien Fall befindet. Und wer kann schon genau den Tiefstkurs erwischen? Ins fallende Messer will man wohl kaum gerne greifen. Es gilt aber zu bedenken, dass die Under Armour Aktie bei ihren Tiefstkursen Jahr 2009 noch unter 1,60 Dollar notierte. Wer damals eingestiegen ist, konnte trotz der jüngsten deutlichen Verluste seinen Einsatz verzehnfachen. Jetzt aber der Blick auf die Fundamentaldaten von Under Armour:

Under Armour: Der Blick auf die aktuellen Geschäftszahlen

Die jüngsten Geschäftszahlen von Under Armour sind die zum zweiten Quartal 2017. Für diesen Zeitraum hat Under Armour diese Zahlen gemeldet:

Eckdaten Zahlen zweites Quartal Under Armour

  • Die Umsätze stiegen um 9% auf rund 1,1 Mrd. Dollar (bereinigt um den Effekt von Währungseffekten lag das Plus bei 8%)
  • Besonders stark konnte Under Armour außerhalb Nordamerikas (Heimatmarkt: USA) wachsen. Dort betrug das Umsatzwachstum 57% (54% bereinigt um den Effekt von Währungseffekten). Die Märkte außerhalb Nordamerikas machen allerdings nur 22% der gesamten Umsätze von Under Armour aus.
  • Im operativen Geschäft gab es allerdings keinen Gewinn, sondern einen Verlust. Dieser war mit 5 Mio. Dollar vergleichsweise gering, aber rote Zahlen begeistern eben nicht. Pro Aktie (verwässert) war dies ein Verlust von 0,03 Dollar.
  • Die Bruttomarge sank um 190 Basispunkte auf 45,8%.
  • Die Ausgaben für Sales und Administration sowie Allgemeines steigen um 10% auf 503 Mio. Dollar.
  • Interessanterweise stiegen die Cash-Bestände (und Cash-Äquivalente) um 37% auf 166 Mio. Dollar.

Quelle: Under Armour. Die kompletten Quartalszahlen finden Sie direkt auf der „Investor Relations“-Seite des Unternehmens unter diesem Link.

Lagerbestände um 8% auf 1,2 Mrd. Dollar gestiegen

Dann fiel mir noch auf, dass die Lagerbestände um 8% auf 1,2 Mrd. Dollar gestiegen sind. Und so hohe und steigende Lagerbestände sind üblicherweise kein gutes Zeichen – nach dem Motto, wenn die Ware stark gefragt wäre, dann würde sie auch schneller verkauft! Stimmt das? Der NBA (National Basketball Association) Star Kevin Durant sieht das offensichtlich so. Er soll gesagt haben, dass junge Basketball-Spieler die Schuhe von Under Armour nicht mögen und lieber auf Nike setzen, so meldete CNBC. Ob das stimmt oder nicht – gutes Marketing war dies bestimmt nicht.

Under Armour: Und der Ausblick?

Under Armour hat beim Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr die Prognose in Bezug auf das Umsatzwachstum gesenkt: Statt zuvor 11-12% Umsatzwachstum werden jetzt 9-11% Umsatzwachstum prognostiziert. Das ist wohl mit ein Grund für den jüngsten schwachen Kursverlauf. Doch operativ gesehen sollen im Gesamtjahr deutliche Gewinne geschrieben werden, Under Armour prognostiziert einen operativen Gewinn von 160-180 Mio. Dollar. Pro Aktie sollen es 0,18 bis 0,21 Dollar Gewinn (verwässert) werden. Wenn die (Einmal-)Kosten für Umstrukturierungen herausgerechnet werden, dann werden 0,37 bis 0,40 Dollar Gewinn pro Aktie (adjusted diluted earnings per share) prognostiziert.

Mein Fazit: Immer noch unattraktiv bewertet

Vor rund 11 Monaten fand ich die Aktie von Under Armour beim Stand von knapp 40 Dollar hoch bewertet – denn da ging ich von einem Gewinn pro Aktie von 98 Cents im Gesamtjahr und damit von einem KGV von rund 40 aus. Inzwischen ist der Aktienkurs eingebrochen und steht im Bereich 16 Dollar. Allerdings sollen es in diesem Jahr auch nur 0,18 bis 0,21 Dollar Gewinn pro Aktie werden. Selbst wenn ich die Kosten der Umstrukturierung nicht berücksichtige und den für diesen Fall oberen Wert der Prognose nehme (= 0,40 Dollar Gewinn pro Aktie), komme ich erneut auf ein KGV von rund 40. Mit anderen Worten: Der Kurs der Aktie ist zwar erheblich gefallen, aber die Gewinnsituation von Under Armour hat sich auch erheblich verschlechtert. Per saldo ist damit die Aktie auch auf dem aktuellen Niveau meiner Einschätzung nach keineswegs günstig bewertet. Fazit: Derzeit uninteressant.

Diese Analyse habe ich im Original für www.aktienkaufen.com erstellt.

Ein Beitrag von Michael Vaupel

Michael Vaupel, diplomierter Volkswirt und Historiker (M.A.), Vollblut-Börsianer. Nach dem Studium Volontariat und Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Internet, Derivate, Rohstoffe). Er ist gefragter Interview- und Chatpartner (N24, CortalConsors). Ethisch korrektes Investieren ist ihm wichtig. Seine kostenlosen Newsletter können Sie hier abonnieren. Weitere Informationen unter: www.vaupels-boersenwelt.de

 


(04.09.2017)

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Nike
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Uhrzeit:  19:04:04
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Under Armour
Akt. Indikation:  5.67 / 5.69
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Veränderung zu letztem SK:  -0.32%
Letzter SK:  5.70 ( -0.76%)



 

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    Under Armour: Der Blick auf die aktuellen Geschäftszahlen

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    • Die Umsätze stiegen um 9% auf rund 1,1 Mrd. Dollar (bereinigt um den Effekt von Währungseffekten lag das Plus bei 8%)
    • Besonders stark konnte Under Armour außerhalb Nordamerikas (Heimatmarkt: USA) wachsen. Dort betrug das Umsatzwachstum 57% (54% bereinigt um den Effekt von Währungseffekten). Die Märkte außerhalb Nordamerikas machen allerdings nur 22% der gesamten Umsätze von Under Armour aus.
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