Ich stimme der Verwendung von Cookies zu. Auch wenn ich diese Website weiter nutze, gilt dies als Zustimmung.

Bitte lesen und akzeptieren Sie die Datenschutzinformation und Cookie-Informationen, damit Sie unser Angebot weiter nutzen können. Natürlich können Sie diese Einwilligung jederzeit widerrufen.





Analysten - die Orakel der Wallstreet? (Michael Gredenberg)

Autor:
Michael Gredenberg

Inode-Gründer. Heute u.a. passionierter Radfahrer und Finanzautor via financeblog.at.

>> Website


>> zur Startseite mit allen Blogs

21.02.2016, 9717 Zeichen

Analysten geben auf den Märkten wichtige Signale. Sie heben oder senken den Daumen über einer Aktie oder einem anderen Wertpapier, indem sie Kauf- oder Verkaufsempfehlungen aussprechen. Diese Empfehlungen basieren – wie der Name schon sagt – auf Analysen des Markteumfeldes bzw. des betreffenden Unternehmens.
Doch wie oft liegen sie mit ihren Emfehlungen richtig?  Können sie tatsächlich Entwicklungen vor dem Markt erkennen oder folgen sie nur dem Trend?

An einigen Beispielen werde ich heute untersuchen, wie oft Analysten mit ihren Vorhersagen richtig liegen bzw. wie oft sie sich einfach dem Trend fügen.

Wie genau sind Analysten-Empfehlungen?

Die meisten Aktien werden von mehr oder weniger Anlaysten “gecovered” was bedeutet, dass diese regelmäßig ihre Meinung über die zukünftige Kursentwicklung dieser Aktien abgeben. Üblicherweise gibt es dann Empfehlungen die Aktie zu kaufen, zu halten oder zu verkaufen (buy, hold oder sell). 

Diese Analysten sind meistens für ein Bankhaus oder einen Broker tätig und ihre Aufgabe ist es sowohl einzelne Unternehmen fundamental zu analysieren als auch die gesamte Marktsituation einzuschätzen. Sie versuchen sich also ein Gesamtbild über das jeweilige Unternehmen und das Marktumfeld zu bilden und schätzen auch die zukünftige Gewinnentwicklung und versuchen Rückschlüsse auf mögliche zukünftige die Entwicklung des Aktienkurses zu ziehen. Aufgrund der Analyse geben sie dann schließlich Empfehlungen zum Kauf oder Verkauf der einzelnen Aktien ab.  Die Arbeitgeber der Analysten (Banken und Broker) geben diese Empfehlungen dann an ihre Kunden weiter bzw. wenden diese gegebenenfalls im Eigenhandel bzw. auch im Risikomanagement an.

Wo findet man Analysten-Daten?

Sofern man sich kein Bloomberg-Terminal leisten möchte – was wohl den meisten meiner Leser zu teuer ist, so findet man die besten Zusammenfassungen von Analysten-Schätzungen auf der Webseite von Reuters. Einfach den Namen der Aktie bzw. das Kürzel eingeben und auf der Übersichtsseite der Aktie den Tab “Analysts” anklicken.

Man landet dann z.B. (im Falle von Amazon) auf dieser Seite: http://www.reuters.com/finance/stocks/analyst?symbol=AMZN.O

Sie zeigt einerseits eine Zusammenfassung der Empfehlungen aller Analysten die eine entsprechende Aktie “covern”. In diesem Fall bei Amazon sind es derzeit 18 Kauf-Empfehlungen (Schulnote 1), 21 Outperform-Ratings (Schulnote 2) sowie 5 Holds (Schulnote 3). Was einem Notendurchschnitt von 1,7 entspricht.

Weiter unten auf der Seite sieht man dann auch eine Zusammenfassung der Schätzungen über Umsatz-  und Gewinnentwicklung.

Leider gibt es keine Möglichkeit die einzelnen Analysen im Detail anzusehen – das geht selbst dann nicht bei allen Berichten wenn man den teuren Bloomberg-Professional-Zugang hat. Die Analysten lassen sich für den Einblick in Details extra bezahlen.

Wo gibt es “kostenlose” Analysen?

Es gibt aber zum Glück auch eine Quelle von kostenlosen Analysen die zwar nicht von “professionellen” Analysten gemacht wurden, mit diesen meiner Meinung nach aber oft sehr gut mithalten können bzw. diese sogar noch übertreffen.

Die Webseite Seeking-Alpha biete interessierten Investoren die Möglichkeit Artikel und Analysten über ihre Aktie zu schreiben und zu veröffentlichen. Dort findet man sehr viele sehr ausführliche und interessante Analysen. Auch hier kann man im Suchfeld den Namen des Unternehmens bzw. das Aktienkürzel eingeben und landet dann im Falle von Apple z.B. auf dieser Seite: http://seekingalpha.com/symbol/AAPL

Im unteren Bereich der Seite findet man eine Liste von Artikeln und Analysen über das jeweilige Unternehmen. Ich selbst verwende diese Seite sehr gerne um zu sehen was andere Leute über eine Aktie denken die mich interessiert.

Wie oft liegen Analysten richtig?

Anhand einiger Beispiele werde ich nun zeigen wie “treffsicher” die Empfehlungen diverser Analysten sind – besonders dann wenn man den Kauf/Verkauf Empfehlungen der Mehrheit nachkommt.

Als erstes Beispiel bringe ich die Entwicklung der Aktie von Hewlett-Packard (HP) sowie die dazugehörigen Analysten Empfehlungen.

Beispiel: Hewlett-Packard:

Hewlett-Packard ist ein recht bekannter Technologie-Konzern der in der Vergangenheit besonders am Druckermarkt sehr große Marktanteile hatte.

Dieses Unternehmen konnte bis zum Jahr 2011 auf einen stetigen Umsatz und Gewinnzuwachs zurückblicken der etwa 20 Jahre anhielt.. Seit 2012 stagniert die Umsatzentwicklung allerdings und 2012 machte HP sogar Verluste – erstmals seit mehr als 20 Jahren.

Haben die Analysten die diese Aktie betrachtet haben diese Entwicklung vorhergesehen? 

Dazu habe ich einen Chart angefertigt der einerseits die Entwicklung des Aktienkurses von HP zeigt (blaue, linke Skala) und andererseits die Analystenempfehlungen (rot, rechte Skala) . In diesem Fall bedeutet ein Wert von 5 eine klare Kaufempfehlung aller Analysten (also der beste Wert) und ein Wert von 0 würde bedeuten, dass alle Analysten den Verkauf empfehlen. Die Daten stammen alle direkt von Bloomberg.

Die Zahl im Chart entspricht also dem Durchschnitt aller Analystenemfehlungen für diese Aktie.

Der Aktienkurs von HP und die Entwicklung der Analystenempfehlungen
Der Aktienkurs von HP und die Entwicklung der Analystenempfehlungen

Gerade bei der HP-Aktie ist deutlich zu sehen, dass der Markt Dinge meistens schneller erkennt als die besten Analysten, bzw. dass Analysten einfach dem Markt mit ihrer Meinung folgen.

Bereits Ende 2010/Anfang 2011 brach der Aktienkurs ziemlich stark ein. Erst danach (wenn auch in diesem Fall sehr knapp danach) senkten die Analysten ihre Empfehlungen für die Aktie. 

Vorhergesehen hatte die Entwicklung jedenfalls (fast) kein Analyst, denn die Analystenwertung war bis zum Absturz der Aktie bei 4,5 (von 5) – beinahe die Bestnote.

Ende 2012 erreichte die Aktie schliesslich einen Boden und fing wieder langsam an zu steigen. Gleichzeitig mit dem Anstieg hoben die Analysten ihre Bewertung für diese Aktie Schritt für Schritt wieder an, auch hier deutlich zu erkennen: Sie folgten dem Trend. Sie erkannten z.B. in der Nähe des Bodens nicht dass die Aktie wieder steigen könnte weil sie eventuell mittlerweile unterbewertet war – im Gegenteil: als die Analysten gegenüber der Aktie am negativsten gestimmt waren (etwa im November 2012) fing diese wieder an zu steigen.

Bei der HP-Aktie hätte man also die Analystenmeinungen beinahe als Kontraindikator verwenden können. Je mehr für den Kauf der Aktie waren um so eher brach der Kurs ein und als schließlich der Großteil den Verkauf empfahl fing die Aktie wieder an zu steigen.

Beispiel: Erste Bank (konnten Analysten die Auswirkungen der Finanzkrise auf diese Bank vorhersehen?)

Ein weiteres Beispiel soll zeigen ob man dem Crash durch die Finanzkrise 2008 entkommen wäre, hätte man auf Analysten gehört.

Hierzu habe ich die Aktie der österreichischen Erste-Bank als Beispiel hergenommen:

Erste Bank - Aktienkurs und Analystenempfehlungen
Erste Bank – Aktienkurs und Analystenempfehlungen

Auch hier ist wieder deutlich zu erkennen, dass die Kaufempfehlungen erst zurückgenommen wurden als es schon zu spät war. Besonders der Crash im September 2008 (bedingt durch die Lehman-Pleite) wurde nicht wirklich anzizipiert. Erst nach einiger Zeit folgen “Downgrades” der Aktie. Die schlechteste Stimmung bei den Analysten war erreicht als der Kurs bereits wieder zu steigen begann (etwa Juli 2009).

Interessant ist aber dass beim nächsten starken Kursrückgang Mitte 2012 die Stimmung bei den Analysten sehr positiv war – hier wirkten sie nicht als Kontraindikator sondern sprachen die Kaufempfehlung korrekt aus.

Beispiel: Amazon – ein (teurer) Highflyer
Amazon Aktienkurs und Analystenempfehlungen
Amazon Aktienkurs und Analystenempfehlungen

 Am Beispiel der Amazon-Aktie erkennt man auch sehr gut, dass Analysten sehr zur Trendfolge neigen: Steigt der Kurs einer Aktie über längere Zeit stetig, so sind die Kauf-Empfehlungen garantiert – egal wie teuer die Aktie ist.

Fundamental ist Amazon meiner Ansicht nach schwer überbewertet (KGV von 430(!) und KBV von beinahe 19) und dennoch empfehlen die meisten diese Aktie zum Kauf. 

Die Anzahl der Kaufempfehlungen ist im Laufe der Jahre gemeinsam mit dem Aktienkurs gestiegen. Das wird wahrscheinlich so lange gehen bis es einmal einen Einbruch gibt, dann werden die Analysten beginnen den Daumen zu senken. Bei Apple z.B. wird das sicher bald der Fall sein. 

Fazit:

Es ist wichtig, ein Unternehmen nicht nur selbst fundamental zu analysieren sondern sich auch auf andere Meinungen zurückzugreifen.
Hier bieten sich natürlich die Analysen von profesionellen Analysten an, allerdings sind diese wertlos wenn man nur ein Stichwort von ihnen erhält, dass “kaufen”, “halten” oder “verkaufen” heißt. Ohne Zugriff auf die gesamte Argumentation des Analysten ist dieses Urteil leider wertlos – besonders dann wenn man die Gesamtheit der Urteile aller Analysten einer Aktie betrachtet.
Anhand einiger Beispiele habe ich zeigen können, dass Kauf und Verkaufsempfehlungen meistens trendfolgend gegeben werden, d.h. wenn der Kurs bereits steigt wird der Kauf empfohlen, wenn der Kurs fällt der Verkauf. Dadurch hinken die Empfehlungen nicht nur dem Aktienkurs hinterher sondern werden öfters sogar zum Kontraindikator. Genau dann wenn die Stimmung am schlechtesten ist fängt eine Aktie oft wieder zum steigen an.
Damit sind Analysten um nichts besser als die durchschnittlichen Marktteilnehmer die ebenfalls dazu neigen dem Trend zu folgen.
Diese Strategie der Trendfolge kann natürlich sehr gefährlich werden, besonders wenn sie von Banken im Risikomanagement angewandt wird: Es wird oft genau dort finanziert wo es jahrelang einen Aufwärtstrend gab – dadurch wird noch mehr Geld in den Trend investiert und er wird verstärkt – solange bis er bricht.

Wer sich ausführliche Analysen zwecks Meinungsbildung durchlesen möchte, findet diese auf Seeking Alpha.

 

Der Beitrag Analysten – Die Orakel der Wallstreet? erschien zuerst auf Financeblog.


(21.02.2016)

BSN Podcasts
Christian Drastil: Wiener Börse Plausch

Zertifikate Party Österreich: Ab jetzt mitentscheiden, welcher dieser 14 Emittenten den Publikums-Preis 2026 gewinnt (+Spoiler ZFA-Award)




Amazon
Akt. Indikation:  173.12 / 173.28
Uhrzeit:  13:04:37
Veränderung zu letztem SK:  0.45%
Letzter SK:  172.42 ( -3.95%)

Apple
Akt. Indikation:  216.05 / 216.30
Uhrzeit:  13:04:37
Veränderung zu letztem SK:  0.34%
Letzter SK:  215.45 ( -1.62%)



 

Bildnachweis

1. Bleigiessen, Orakel   >> Öffnen auf photaq.com

Aktien auf dem Radar:CA Immo, Semperit, Polytec Group, EuroTeleSites AG, Flughafen Wien, Austriacard Holdings AG, Bajaj Mobility AG, Rosenbauer, FACC, Frequentis, Heid AG, Kapsch TrafficCom, BKS Bank Stamm, Oberbank AG Stamm, BTV AG, Amag, EVN, CPI Europe AG, Österreichische Post, Telekom Austria, Porr, Strabag, Verbund, VIG, Bayer, BASF, Fresenius Medical Care, Symrise, SAP, Deutsche Telekom, Siemens Energy.


Random Partner

wikifolio
wikifolio ging 2012 online und ist heute Europas führende Online-Plattform mit Handelsstrategien für alle Anleger, die Wert auf smarte Geldanlage legen. wikifolio Trader, darunter auch Vollzeitinvestoren, erfolgreiche Unternehmer, Experten bestimmter Branchen, Vermögensverwalter oder Finanzredaktionen, teilen ihre Handelsideen in Musterportfolios, den wikifolios.

>> Besuchen Sie 54 weitere Partner auf boerse-social.com/partner


 Latest Blogs

» Broadcom Aktie: Kapazitätsgrenzen bremsen KI-Wachstum ( Finanztrends)

» Microsoft Aktie: Xbox-Neustart, schwacher Kurs ( Finanztrends)

» FutureGen Industries Aktie: Kapitaltausch vollzogen ( Finanztrends)

» ZEAL Network Aktie: Millionenschweres Kreditgeschäft ( Finanztrends)

» Vizsla Silver Aktie: Analysten vs. Kurspotenzial ( Finanztrends)

» Beyond Meat Aktie: Überlebenskampf ( Finanztrends)

» Pfizer Aktie: Zweifacher Studienerfolg ( Finanztrends)

» Klarna Aktie: Insiderkäufe verpuffen ( Finanztrends)

» Intel Aktie: Preisschraube angezogen ( Finanztrends)

» Eutelsat Aktie: Milliarden-Deal verpufft ( Finanztrends)


Useletter

Die Useletter "Morning Xpresso" und "Evening Xtrakt" heben sich deutlich von den gängigen Newslettern ab. Beispiele ansehen bzw. kostenfrei anmelden. Wichtige Börse-Infos garantiert.

Newsletter abonnieren

Runplugged

Infos über neue Financial Literacy Audio Files für die Runplugged App
(kostenfrei downloaden über http://runplugged.com/spreadit)

per Newsletter erhalten


Meistgelesen
>> mehr





PIR-Zeichnungsprodukte
Newsflow
>> mehr

Börse Social Club Board
>> mehr
    BSN MA-Event Porr
    BSN MA-Event Strabag
    BSN MA-Event Verbund
    BSN MA-Event VIG
    BSN MA-Event Bayer
    BSN MA-Event Polytec Group
    BSN MA-Event Infineon
    BSN MA-Event Porr
    BSN MA-Event Strabag

    Featured Partner Video

    Private Investor Relations Podcast #27: Kurssprung - B&C macht Semperit zum Schwergewicht im Austria 30 Private IR wikifolio

    Die B & C Holding Österreich GmbH („Bieterin“) gab eben bekannt, dass sie beschlossen hat, den Aktionären der Semperit Aktiengesellschaft Holding („Semperit“) ein freiwilliges öffentliches Angebot ...

    Books josefchladek.com

    Otto Neurath & Gerd Arntz
    Gesellschaft und Wirtschaft : bildstatistisches Elementarwerk
    1930
    Bibliographisches Institut AG

    Jan Tschichold
    Typografische Entwurfstechnik
    1932
    Akadem. Verlag Dr. Fr. Wedekind & Co

    Jack Davison
    13–15 November. Portraits: London
    2026
    Helions

    Lisette Model
    Lisette Model
    1979
    Aperture

    Otto Wagner
    Moderne Architektur
    1902
    Anton Schroll


    21.02.2016, 9717 Zeichen

    Analysten geben auf den Märkten wichtige Signale. Sie heben oder senken den Daumen über einer Aktie oder einem anderen Wertpapier, indem sie Kauf- oder Verkaufsempfehlungen aussprechen. Diese Empfehlungen basieren – wie der Name schon sagt – auf Analysen des Markteumfeldes bzw. des betreffenden Unternehmens.
    Doch wie oft liegen sie mit ihren Emfehlungen richtig?  Können sie tatsächlich Entwicklungen vor dem Markt erkennen oder folgen sie nur dem Trend?

    An einigen Beispielen werde ich heute untersuchen, wie oft Analysten mit ihren Vorhersagen richtig liegen bzw. wie oft sie sich einfach dem Trend fügen.

    Wie genau sind Analysten-Empfehlungen?

    Die meisten Aktien werden von mehr oder weniger Anlaysten “gecovered” was bedeutet, dass diese regelmäßig ihre Meinung über die zukünftige Kursentwicklung dieser Aktien abgeben. Üblicherweise gibt es dann Empfehlungen die Aktie zu kaufen, zu halten oder zu verkaufen (buy, hold oder sell). 

    Diese Analysten sind meistens für ein Bankhaus oder einen Broker tätig und ihre Aufgabe ist es sowohl einzelne Unternehmen fundamental zu analysieren als auch die gesamte Marktsituation einzuschätzen. Sie versuchen sich also ein Gesamtbild über das jeweilige Unternehmen und das Marktumfeld zu bilden und schätzen auch die zukünftige Gewinnentwicklung und versuchen Rückschlüsse auf mögliche zukünftige die Entwicklung des Aktienkurses zu ziehen. Aufgrund der Analyse geben sie dann schließlich Empfehlungen zum Kauf oder Verkauf der einzelnen Aktien ab.  Die Arbeitgeber der Analysten (Banken und Broker) geben diese Empfehlungen dann an ihre Kunden weiter bzw. wenden diese gegebenenfalls im Eigenhandel bzw. auch im Risikomanagement an.

    Wo findet man Analysten-Daten?

    Sofern man sich kein Bloomberg-Terminal leisten möchte – was wohl den meisten meiner Leser zu teuer ist, so findet man die besten Zusammenfassungen von Analysten-Schätzungen auf der Webseite von Reuters. Einfach den Namen der Aktie bzw. das Kürzel eingeben und auf der Übersichtsseite der Aktie den Tab “Analysts” anklicken.

    Man landet dann z.B. (im Falle von Amazon) auf dieser Seite: http://www.reuters.com/finance/stocks/analyst?symbol=AMZN.O

    Sie zeigt einerseits eine Zusammenfassung der Empfehlungen aller Analysten die eine entsprechende Aktie “covern”. In diesem Fall bei Amazon sind es derzeit 18 Kauf-Empfehlungen (Schulnote 1), 21 Outperform-Ratings (Schulnote 2) sowie 5 Holds (Schulnote 3). Was einem Notendurchschnitt von 1,7 entspricht.

    Weiter unten auf der Seite sieht man dann auch eine Zusammenfassung der Schätzungen über Umsatz-  und Gewinnentwicklung.

    Leider gibt es keine Möglichkeit die einzelnen Analysen im Detail anzusehen – das geht selbst dann nicht bei allen Berichten wenn man den teuren Bloomberg-Professional-Zugang hat. Die Analysten lassen sich für den Einblick in Details extra bezahlen.

    Wo gibt es “kostenlose” Analysen?

    Es gibt aber zum Glück auch eine Quelle von kostenlosen Analysen die zwar nicht von “professionellen” Analysten gemacht wurden, mit diesen meiner Meinung nach aber oft sehr gut mithalten können bzw. diese sogar noch übertreffen.

    Die Webseite Seeking-Alpha biete interessierten Investoren die Möglichkeit Artikel und Analysten über ihre Aktie zu schreiben und zu veröffentlichen. Dort findet man sehr viele sehr ausführliche und interessante Analysen. Auch hier kann man im Suchfeld den Namen des Unternehmens bzw. das Aktienkürzel eingeben und landet dann im Falle von Apple z.B. auf dieser Seite: http://seekingalpha.com/symbol/AAPL

    Im unteren Bereich der Seite findet man eine Liste von Artikeln und Analysen über das jeweilige Unternehmen. Ich selbst verwende diese Seite sehr gerne um zu sehen was andere Leute über eine Aktie denken die mich interessiert.

    Wie oft liegen Analysten richtig?

    Anhand einiger Beispiele werde ich nun zeigen wie “treffsicher” die Empfehlungen diverser Analysten sind – besonders dann wenn man den Kauf/Verkauf Empfehlungen der Mehrheit nachkommt.

    Als erstes Beispiel bringe ich die Entwicklung der Aktie von Hewlett-Packard (HP) sowie die dazugehörigen Analysten Empfehlungen.

    Beispiel: Hewlett-Packard:

    Hewlett-Packard ist ein recht bekannter Technologie-Konzern der in der Vergangenheit besonders am Druckermarkt sehr große Marktanteile hatte.

    Dieses Unternehmen konnte bis zum Jahr 2011 auf einen stetigen Umsatz und Gewinnzuwachs zurückblicken der etwa 20 Jahre anhielt.. Seit 2012 stagniert die Umsatzentwicklung allerdings und 2012 machte HP sogar Verluste – erstmals seit mehr als 20 Jahren.

    Haben die Analysten die diese Aktie betrachtet haben diese Entwicklung vorhergesehen? 

    Dazu habe ich einen Chart angefertigt der einerseits die Entwicklung des Aktienkurses von HP zeigt (blaue, linke Skala) und andererseits die Analystenempfehlungen (rot, rechte Skala) . In diesem Fall bedeutet ein Wert von 5 eine klare Kaufempfehlung aller Analysten (also der beste Wert) und ein Wert von 0 würde bedeuten, dass alle Analysten den Verkauf empfehlen. Die Daten stammen alle direkt von Bloomberg.

    Die Zahl im Chart entspricht also dem Durchschnitt aller Analystenemfehlungen für diese Aktie.

    Der Aktienkurs von HP und die Entwicklung der Analystenempfehlungen
    Der Aktienkurs von HP und die Entwicklung der Analystenempfehlungen

    Gerade bei der HP-Aktie ist deutlich zu sehen, dass der Markt Dinge meistens schneller erkennt als die besten Analysten, bzw. dass Analysten einfach dem Markt mit ihrer Meinung folgen.

    Bereits Ende 2010/Anfang 2011 brach der Aktienkurs ziemlich stark ein. Erst danach (wenn auch in diesem Fall sehr knapp danach) senkten die Analysten ihre Empfehlungen für die Aktie. 

    Vorhergesehen hatte die Entwicklung jedenfalls (fast) kein Analyst, denn die Analystenwertung war bis zum Absturz der Aktie bei 4,5 (von 5) – beinahe die Bestnote.

    Ende 2012 erreichte die Aktie schliesslich einen Boden und fing wieder langsam an zu steigen. Gleichzeitig mit dem Anstieg hoben die Analysten ihre Bewertung für diese Aktie Schritt für Schritt wieder an, auch hier deutlich zu erkennen: Sie folgten dem Trend. Sie erkannten z.B. in der Nähe des Bodens nicht dass die Aktie wieder steigen könnte weil sie eventuell mittlerweile unterbewertet war – im Gegenteil: als die Analysten gegenüber der Aktie am negativsten gestimmt waren (etwa im November 2012) fing diese wieder an zu steigen.

    Bei der HP-Aktie hätte man also die Analystenmeinungen beinahe als Kontraindikator verwenden können. Je mehr für den Kauf der Aktie waren um so eher brach der Kurs ein und als schließlich der Großteil den Verkauf empfahl fing die Aktie wieder an zu steigen.

    Beispiel: Erste Bank (konnten Analysten die Auswirkungen der Finanzkrise auf diese Bank vorhersehen?)

    Ein weiteres Beispiel soll zeigen ob man dem Crash durch die Finanzkrise 2008 entkommen wäre, hätte man auf Analysten gehört.

    Hierzu habe ich die Aktie der österreichischen Erste-Bank als Beispiel hergenommen:

    Erste Bank - Aktienkurs und Analystenempfehlungen
    Erste Bank – Aktienkurs und Analystenempfehlungen

    Auch hier ist wieder deutlich zu erkennen, dass die Kaufempfehlungen erst zurückgenommen wurden als es schon zu spät war. Besonders der Crash im September 2008 (bedingt durch die Lehman-Pleite) wurde nicht wirklich anzizipiert. Erst nach einiger Zeit folgen “Downgrades” der Aktie. Die schlechteste Stimmung bei den Analysten war erreicht als der Kurs bereits wieder zu steigen begann (etwa Juli 2009).

    Interessant ist aber dass beim nächsten starken Kursrückgang Mitte 2012 die Stimmung bei den Analysten sehr positiv war – hier wirkten sie nicht als Kontraindikator sondern sprachen die Kaufempfehlung korrekt aus.

    Beispiel: Amazon – ein (teurer) Highflyer
    Amazon Aktienkurs und Analystenempfehlungen
    Amazon Aktienkurs und Analystenempfehlungen

     Am Beispiel der Amazon-Aktie erkennt man auch sehr gut, dass Analysten sehr zur Trendfolge neigen: Steigt der Kurs einer Aktie über längere Zeit stetig, so sind die Kauf-Empfehlungen garantiert – egal wie teuer die Aktie ist.

    Fundamental ist Amazon meiner Ansicht nach schwer überbewertet (KGV von 430(!) und KBV von beinahe 19) und dennoch empfehlen die meisten diese Aktie zum Kauf. 

    Die Anzahl der Kaufempfehlungen ist im Laufe der Jahre gemeinsam mit dem Aktienkurs gestiegen. Das wird wahrscheinlich so lange gehen bis es einmal einen Einbruch gibt, dann werden die Analysten beginnen den Daumen zu senken. Bei Apple z.B. wird das sicher bald der Fall sein. 

    Fazit:

    Es ist wichtig, ein Unternehmen nicht nur selbst fundamental zu analysieren sondern sich auch auf andere Meinungen zurückzugreifen.
    Hier bieten sich natürlich die Analysen von profesionellen Analysten an, allerdings sind diese wertlos wenn man nur ein Stichwort von ihnen erhält, dass “kaufen”, “halten” oder “verkaufen” heißt. Ohne Zugriff auf die gesamte Argumentation des Analysten ist dieses Urteil leider wertlos – besonders dann wenn man die Gesamtheit der Urteile aller Analysten einer Aktie betrachtet.
    Anhand einiger Beispiele habe ich zeigen können, dass Kauf und Verkaufsempfehlungen meistens trendfolgend gegeben werden, d.h. wenn der Kurs bereits steigt wird der Kauf empfohlen, wenn der Kurs fällt der Verkauf. Dadurch hinken die Empfehlungen nicht nur dem Aktienkurs hinterher sondern werden öfters sogar zum Kontraindikator. Genau dann wenn die Stimmung am schlechtesten ist fängt eine Aktie oft wieder zum steigen an.
    Damit sind Analysten um nichts besser als die durchschnittlichen Marktteilnehmer die ebenfalls dazu neigen dem Trend zu folgen.
    Diese Strategie der Trendfolge kann natürlich sehr gefährlich werden, besonders wenn sie von Banken im Risikomanagement angewandt wird: Es wird oft genau dort finanziert wo es jahrelang einen Aufwärtstrend gab – dadurch wird noch mehr Geld in den Trend investiert und er wird verstärkt – solange bis er bricht.

    Wer sich ausführliche Analysen zwecks Meinungsbildung durchlesen möchte, findet diese auf Seeking Alpha.

     

    Der Beitrag Analysten – Die Orakel der Wallstreet? erschien zuerst auf Financeblog.


    (21.02.2016)

    BSN Podcasts
    Christian Drastil: Wiener Börse Plausch

    Zertifikate Party Österreich: Ab jetzt mitentscheiden, welcher dieser 14 Emittenten den Publikums-Preis 2026 gewinnt (+Spoiler ZFA-Award)




    Amazon
    Akt. Indikation:  173.12 / 173.28
    Uhrzeit:  13:04:37
    Veränderung zu letztem SK:  0.45%
    Letzter SK:  172.42 ( -3.95%)

    Apple
    Akt. Indikation:  216.05 / 216.30
    Uhrzeit:  13:04:37
    Veränderung zu letztem SK:  0.34%
    Letzter SK:  215.45 ( -1.62%)



     

    Bildnachweis

    1. Bleigiessen, Orakel   >> Öffnen auf photaq.com

    Aktien auf dem Radar:CA Immo, Semperit, Polytec Group, EuroTeleSites AG, Flughafen Wien, Austriacard Holdings AG, Bajaj Mobility AG, Rosenbauer, FACC, Frequentis, Heid AG, Kapsch TrafficCom, BKS Bank Stamm, Oberbank AG Stamm, BTV AG, Amag, EVN, CPI Europe AG, Österreichische Post, Telekom Austria, Porr, Strabag, Verbund, VIG, Bayer, BASF, Fresenius Medical Care, Symrise, SAP, Deutsche Telekom, Siemens Energy.


    Random Partner

    wikifolio
    wikifolio ging 2012 online und ist heute Europas führende Online-Plattform mit Handelsstrategien für alle Anleger, die Wert auf smarte Geldanlage legen. wikifolio Trader, darunter auch Vollzeitinvestoren, erfolgreiche Unternehmer, Experten bestimmter Branchen, Vermögensverwalter oder Finanzredaktionen, teilen ihre Handelsideen in Musterportfolios, den wikifolios.

    >> Besuchen Sie 54 weitere Partner auf boerse-social.com/partner


     Latest Blogs

    » Broadcom Aktie: Kapazitätsgrenzen bremsen KI-Wachstum ( Finanztrends)

    » Microsoft Aktie: Xbox-Neustart, schwacher Kurs ( Finanztrends)

    » FutureGen Industries Aktie: Kapitaltausch vollzogen ( Finanztrends)

    » ZEAL Network Aktie: Millionenschweres Kreditgeschäft ( Finanztrends)

    » Vizsla Silver Aktie: Analysten vs. Kurspotenzial ( Finanztrends)

    » Beyond Meat Aktie: Überlebenskampf ( Finanztrends)

    » Pfizer Aktie: Zweifacher Studienerfolg ( Finanztrends)

    » Klarna Aktie: Insiderkäufe verpuffen ( Finanztrends)

    » Intel Aktie: Preisschraube angezogen ( Finanztrends)

    » Eutelsat Aktie: Milliarden-Deal verpufft ( Finanztrends)


    Useletter

    Die Useletter "Morning Xpresso" und "Evening Xtrakt" heben sich deutlich von den gängigen Newslettern ab. Beispiele ansehen bzw. kostenfrei anmelden. Wichtige Börse-Infos garantiert.

    Newsletter abonnieren

    Runplugged

    Infos über neue Financial Literacy Audio Files für die Runplugged App
    (kostenfrei downloaden über http://runplugged.com/spreadit)

    per Newsletter erhalten


    Meistgelesen
    >> mehr





    PIR-Zeichnungsprodukte
    Newsflow
    >> mehr

    Börse Social Club Board
    >> mehr
      BSN MA-Event Porr
      BSN MA-Event Strabag
      BSN MA-Event Verbund
      BSN MA-Event VIG
      BSN MA-Event Bayer
      BSN MA-Event Polytec Group
      BSN MA-Event Infineon
      BSN MA-Event Porr
      BSN MA-Event Strabag

      Featured Partner Video

      Private Investor Relations Podcast #27: Kurssprung - B&C macht Semperit zum Schwergewicht im Austria 30 Private IR wikifolio

      Die B & C Holding Österreich GmbH („Bieterin“) gab eben bekannt, dass sie beschlossen hat, den Aktionären der Semperit Aktiengesellschaft Holding („Semperit“) ein freiwilliges öffentliches Angebot ...

      Books josefchladek.com

      Léon-Paul Fargue & Roger Parry & Fabian Loris
      Banalité
      1930
      Librairie Gallimard

      Jacques Fivel
      CHINON DCM-206
      2025
      Le Plac’Art Photo

      Jerker Andersson
      ABC Diary
      2025
      Self published

      Alessandra Calò
      Ctonio
      2024
      Studiofaganel

      Lisette Model
      Lisette Model
      1979
      Aperture