26.01.2015, 5828 Zeichen
An dieser Stelle sei zunächst darauf hingewiesen, dass es in der inhaltlichen Struktur des Bargain Magazines Verbesserungen gibt. Wie gehabt bleiben die aktuellsten drei Beiträge auf der Startseite aufrufbar. Zusätzlich ist der gesamte Content unter dem Menüpunkt Bargain Magazine sortiert nach Kategorien aufrufbar. In der Kategorie Unternehmen gibt es außerdem für jedes bisher behandelte Unternehmen eine eigene Subkategorie.
Auch zu Beginn dieser Woche gibt es wieder eine kleine Mixtur aus interessanten Themen und Medienbeiträgen, kombiniert mit eigenen Anmerkungen.
http://orf.at/stories/2262041/
Auch BHP Billiton kappt die Ölförderstellen in den USA als Reaktion auf den Ölpreisverfall. Freilich, von der Zahl her ist der Rückgang für sich genommen nicht beeindruckend, allerdings ist dieser Riesenkonzern, der seine Förderstätten im Zweifel auf Teufel komm Raus jahrelang quersubventionieren könnte, sicherlich nicht der einzige, der seine Produktion in den nächsten Jahren kappen wird. Diese Entwicklung deckt sich bisher mit meinen Annahmen in meiner Ölwette, dass eine Kürzung des Angebots unerlässlich sein muss und auf längere Hinsicht zu steigenden Preisen für die verbleibenden Förderstätten führen wird.
Außerdem zeigt der Artikel, dass es nicht möglich ist, innerhalb von Tagen Förderkürzungen oder Förderausweitungen umzusetzen. Der Konzern trifft jetzt eine Entscheidung und es dauert mit der Stilllegung trotzdem bis Juli. Ebenso wird es länger dauern, in ein steigendes Preislevel hinein die Förderung wieder hochzufahren. Wenn dadurch plötzlich ein hinkendes Angebot auf eine gestiegene Nachfragebasis trifft, sollte das einen erheblichen Auftrieb für die Ölpreise bedeuten. Auch das entspricht meinen Überlegungen, die ich zuletzt im Artikel „Rechecking the oil bet“1 dargestellt habe.
Vor kurzem hat IBM die Zahlen zum Q4 2014 vorgelegt und anscheinend – was für mich zwar nicht nachvollziehbar ist, aber bitte – wieder enttäuscht. Dieser Artikel im Wirtschaftsblatt zeigt meines Erachtens wunderbar, wie kurzfristig und teilweise fehlgeleitet das Denken an der Wall Street generell und auch bei vielen Investoren im Speziellen mittlerweile schon ist.
Man misst die operative Entwicklung eines Unternehmens nicht mehr in Jahren oder gar Wirtschafts- und Innovationszyklen, sondern in Quartalen. Da klingt es gleich mal entsetzlich, furchtbar und überhaupt gänzlich beängstigend, wenn zu lesen ist, dass der Umsatz die Analystenerwartungen enttäuscht und bereits das elfte Quartal (!!!) in Folge rückläufig ist.
Bemerkenswert ist auch, dass die „Investorenherde“ sich nur auf die absolute Umsatzentwicklung zu konzentrieren scheint. Ich persönlich bin aber lieber in einem Unternehmen engagiert, dessen Umsatz meinetwegen zehn Jahre lang um 2% p.a. schrumpft, wenn dieses Unternehmen mit seinem Free Cashflow jedes Jahr 8% seiner Aktien rückkauft und dann noch Dividenden ausschüttet, als in einem Unternehmen, das seinen Umsatz durch Übernahmen in die Höhe treibt und diese Zukäufe durch Eigenkapitalemissionen finanziert. Ganz ehrlich und man verzeihe meine etwas ruppige Ausdrucksweise: Jeder Idiot kann den Umsatz eines Unternehmens steigern, wenn er will. Auch IBM könnte das von heute auf morgen tun, indem es seine Aktienrückkäufe – die nach dem Konsensus der Wallstreet ohnehin nur „Gewinn- und Kursmanipulationen“ darstellen – aussetzt und mit dem freiwerdenden Geld irgendwelche Unternehmen aufkauft. Dann wächst er plötzlich, der Umsatz. Ist Wall Street dann zufrieden? Langfristig entscheidend ist allerdings, wie viel in der „bottom-bottom-line“, also beim Free Cashflow je Aktie und bei den Gewinnen je Aktie übrig bleibt. Daran orientiert sich auf lange Sicht auch der Aktienkurs, auch wenn es manchmal, aber nur manchmal, länger als elf Quartale dauern kann, bis diese Korrelation sichtbar wird.
Eher amüsant war in dem Artikel dann die Formulierung: „Wie die Konkurrenten Hewlett-Packard, Oracle und Cisco pumpte auch IBM deshalb viel Geld in das Cloud-Computing, bei dem Kunden Speicher- und Softwaredienstleistungen von Rechenzentren ins Internet verlagern.“ Ich würde mir bitte gerne zeigen lassen, wo dieses famose Internet ist, das scheinbar ohne Rechenzentren zu funktionieren scheint…
Zum Abschluss geht es noch einmal ums Öl. Der Chef des italienischen Ölkonzerns Eni macht eine markige Bemerkung und warnt vor einem Ölpreis auf 200 USD je Barrell. Im Prinzip führt er dafür dieselbe Begründung an, die auch ich in meinem Artikel über meine Ölwette2 erarbeitet habe: Tiefe Preise führen zu Förderkürzungen und Investitionseinschränkungen und befeuern die Nachfrage. Da das nicht innerhalb von ein paar Tagen umkehrbar ist, könnte es einen erheblichen Rebound geben. Ich persönlich kann weder einen genauen Zeithorizont, noch ein genaues Preisziel nennen, da wird der gute Mann von der Eni wohl besser Bescheid wissen als ich. Zweier Tatsachen sollte man sich allerdings bewusst sein, wenn man solche Prognosen liest: erstens ist der Chef der Eni sicherlich nicht unbefangen und zweitens dürfte auch er den Preisverfall nicht vorhergesehen haben, sonst hätte Eni schon im Vorjahr drastische Investitionskürzungen vorgenommen. Überhaupt komme ich immer mehr zur Auffassung, dass niemand kurz und mittelfristig nachhaltig Ölpreisprognosen in einer engeren Bandbreite vornehmen kann. Die Ölkonzerne, die Millionen und Abermillionen in Vorhersagemodelle stecken, können das auch nicht.
1 http://bargain-magazine.com/rechecking-oil-bet/
2 http://bargain-magazine.com/rechecking-oil-bet/
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Börsepeople im Podcast S24/23: Daniela Klauser
IBM
Uhrzeit: 11:47:02
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1.
IBM, IBM Client Centre London, UK JuliusKielaitis / Sh
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