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Kommentierte Links: OMV (Daniel Koinegg)

Bild: © Aussendung, OMV Aktiengesellschaft: Erste öffentliche Wasserstofftankstelle Österreichs. OMV Shuttleworthstrasse

12.12.2014, 6641 Zeichen

Ab jetzt möchte ich, um die Frequenz neuen contents im bargain-Magazine weiter zu erhöhen, in regelmäßigen Abständen kurze Beiträge verfassen, in denen ich mich mit drei oder vier Presseartikeln beschäftige, die ich unlängst interessant gefunden habe. Selbstverständlich achte ich auf einen inhaltlichen Bezug zu den Unternehmen und Branchen, die ich hier behandle.

 

http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/4617228/Ipic_Abu-Dhabi-wird-der-OMV-treu-bleiben?_vl_backlink=/home/wirtschaft/index.do

In diesem Beitrag aus der gestrigen Presse online kommen meines Erachtens in Bezug auf die OMV, die sich auch im bargain-Portfolio befindet, einige Dinge sehr schön zum Ausdruck. Zunächst ist erfreulich, ein klares Statement eines langjährigen Kernaktionäres zu lesen, indem er etwaige Verkaufsgerüchte rund um den OMV-Anteil zerstreut. Die International Petroleum Investment Corporation (kurz IPIC) ist ein Investmentvehikel in Händen der Vereinigten Arabischen Emirate mit Fokus auf Öl und Spezialchemie. Es ist davon auszugehen, dass dieser Aktionär über erhebliche Branchenkenntnisse verfügt, weshalb es aus Sicht der Aktionärsstruktur sehr viel bedeutet, wenn sich ein Brancheninsider langfristig zum Unternehmen bekennt, trotz der jüngsten Turbulenzen.

Außerdem zeigt der Beitrag, wie gut die OMV in den letzten Jahrzehnten trotz der jüngsten Turbulenzen performt hat. Das Investment der IPIC hat sich in den letzten 20 Jahren vervierfacht. Wer den Langfristchart auf finanzen.net bemüht, wird erkennen, dass diese Performance vor Dividenden gerechnet ist, weshalb die tatsächliche Rendite wesentlich höher liegen dürfte (um die 9 bis 10 Prozent p.a.). Daraus folgt für mich auch, dass es nicht schaden kann, wenn ein staatsnaher Betrieb einen stabilen und aufmerksamen externen Großaktionär an Bord hat. Durch diese Konstellation könnte sich auch die Furcht mancher Investoren vor einem Unternehmen in Staatshand zumindest teilweise zerstreuen.

Zu guter Letzt streicht der Artikel für mich die zunehmende strategische Bedeutung der Borealis-Beteiligung, die ich in meine „sum-of-the-parts“-Bewertung der OMV schon einbezogen habe, hervor. Borealis ist hochprofitabel und wächst ordentlich. In den Büchern der OMV ist diese Beteiligung aufgrund der at-equity-Buchhaltungsvorschriften in IFRS völlig unterbewertet dargestellt (mit einem Gewinnmultipel von 7 oder 8). Einerseits dient diese Beteiligung als komfortabler Sicherheitspolster für etwaige weitere Unsicherheiten im Upstream-Ölgeschäft, andererseits könnte mittelfristig durch einen Verkauf (die IPIC zeigt sich ja offenbar interessiert) oder durch eine sonstige Maßnahme wie ein IPO oder einen Spin off erhebliches Wertsteigerungspotenzial realisiert werden.

 

http://www.marketwatch.com/story/these-us-oil-producers-have-the-most-to-lose-2014-12-02?page=1

Dieser Artikel beinhaltet eine höchst interessante Auflistung von US-Fracking-Unternehmen, mit einer Darstellung ihrer Verhältnisse von Finanzschulden zu Eigenkapital. Jeder, der sich schon mal mit Bilanzkennzahlen zur finanziellen Stabilität auseinander gesetzt hat, kann sich vorstellen, wie sehr diese Unternehmen durch die jüngsten Preisstürze im Rohöl in Bedrängnis kommen könnten. Einerseits gehen die operativen Cashflows drastisch zurück, was die Refinanzierung sowie die Bedienung von Fremdkapital enorm erschwert, andererseits laufen viele dieser Förderer augenscheinlich Gefahr, im Falle von impairments ihrer Ölassets ein negatives Eigenkapital ausweisen zu müssen. Die Juristen unter den Lesern werden wissen, dass sowohl Zahlungsunfähigkeit als auch die Kombination aus Überschuldung (=negatives EK unter Berücksichtigung etwaiger stiller Reserven, welche wohl kaum vorhanden sein werden, wenn man aufgrund eines Discounted Cashflow Modells den Ertragswert der Ölfelder ausrechnet und deshalb abwerten muss) und negativer Fortführungsprognose Insolvenztatbestände darstellen. Ich habe schon in den letzten Postings sowie in angeregten Diskussionen mit Lesern des bargain-Magazines meine Vermutung geäußert, dass sehr viele Förderer auf diesem Preisniveau existenziell ausfallsgefährdet sind. Diese Bilanzkennzahlen bestärken mich in meiner Auffassung, dass die viele dieser Förderer (und auch einige der konservativer finanzierten) das momentane Ölpreisniveau (oder ein gar noch tieferes) kaum mehr als zwei oder drei Jahre überleben können.

 

http://wirtschaftsblatt.at/home/nachrichten/international/4617194/USA_Wohin-mit-dem-vielen-Ol?_vl_backlink=/home/index.do

Auch dieser Artikel dreht sich um Öl, insbesondere darum, dass sich in den USA das Wirtschaftswachstum weitgehend vom Ölverbrauch abgekoppelt haben soll. Zum Teil sei dies auf die zunehmende Energieautonomie der USA zurückzuführen, zum Teil auch auf Effizienzsteigerungen im Verbrauch. Außerdem zeigt er, wie problematisch das momentane Ölpreisniveau für die Zahlungsbilanzen und Budgets der OPEC-Länder ist (insbesondere Venezuela, bei dem gemessen an der Rendite für deren langlaufende Staatsanleihen offenbar mit einem partiellen Default gerechnet wird).

Ich persönlich glaube, dass dieser Artikel die Bedeutung der USA für die Ölwirtschaft etwas überschätzt. Der Großteil des Wachstums des weltweiten Ölverbrauches sollte ohnehin aus den Schwellenländern kommen. Weiters scheinen der Artikel und die dort zitierten Schätzungen davon auszugehen, dass das Wachstum der Schieferöl-Förderung in den nächsten Jahren ähnlich stark bleibt. Das kann schlicht und ergreifend nicht der Fall sein, wenn einerseits die Förderung kurzfristig von den Frackern noch erhöht wird, um überhaupt genug Geld via Mengensteigerung für die Fremdkapitalzinsen und die anderen Fixkosten hereinzubekommen und andererseits die Erschließung neuer Ölfelder mangels finanzieller Mittel und fehlender Rentabilität aufgeschoben wird. So etwas muss in letzter Instanz dazu führen, dass die gesicherten Reserven schneller aufgebraucht werden, was den Preis kurzfristig erst recht weiter drückt, die Abwärtsspirale für den hoch verschuldeten Teil der Industrie noch verschärft und am Ende das Szenario einer erheblichen Angebotsverknappung gepaart mit erheblich steigenden Ölpreisen mit sich bringen kann.

Außerdem finde ich es etwas widersprüchlich, die Behauptung aufzustellen, dass das Wirtschaftswachstum in den USA vom Ölpreis de facto entkoppelt sei, aber im selben Artikel zu erwähnen, wie über 100 Mrd. Dollar in Spezialchemieunternehmen investiert werden/wurden, die ihrerseits natürlich zu Wirtschaftswachstum beitragen können und logischerweise – je tiefer der Ölpreis fällt – die Ölnachfrage erhöhen werden.

Der Beitrag Kommentierte Links erschien zuerst auf Bargain.


(12.12.2014)

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