07.07.2015, 2820 Zeichen
Die Griechen haben mit „Nein“ gestimmt und wir alle warten nun gespannt darauf, was weiter geschieht. Das gilt auch für die Börsen, die am Dienstag mit deutlichen Kursverlusten reagierten. De facto rückt der Grexit immer näher.
Milliarden wären weg
Doch welche Folgen hätte ein Grexit für Deutschland und die Eurozone? Keiner weiß dies genau. Jedenfalls müsste die EZB Kredite in Milliardenhöhe abschreiben, ihr Eigenkapital könnte dadurch ins Minus rutschen. Das beträfe auch die Deutsche Bundesbank. Darauf hat deren Chef Weidemann hingewiesen. In den nächsten Jahren müsste das Eigenkapital wieder aufgebaut werden. Für Deutschland bedeutet dies: Die Ausschüttung der sonst üblichen Bundesbankgewinne an den Bundeshaushalt fielen aus. Finanzminister Schäuble hat für die nächsten Jahren 2,5 Mrd. Euro pro Jahr eingeplant. Doch das ist verkraftbar. Das dürfte auch für die Abschreibungen der anderen Kredite gelten, da sie über Jahrzehnte gestreckt sind.
China bereitet weiter Sorgen
Gibt es an den Märkten eigentlich noch andere Themen als Griechenland? Gewiss, z.B. China. Peking gelingt es bislang nicht, den Kurssturz an der Börse wirklich zu bremsen. Zu Wochenbeginn gab es zwar eine starke Kurserholung in Shanghai, aber das war nur auf wenige Schwergewichte zurückzuführen. An der Börse in Hongkong ging es zudem heftig nach unten. Die Lage bleibt sehr prekär und kann die Wirtschaft in China insgesamt in Mitleidenschaft ziehen. Das bekäme auch die deutsche Exportindustrie zu spüren.
Der Ölpreis gibt wieder deutlich nach
Doch es gibt auch Positives, zumindest aus Sicht der deutschen Verbraucher: Der Ölpreis gibt nach einer längeren Seitwärtsphase erneut stark nach, vor allem weil in den USA trotz des niedrigen Preises die Produktion wieder erhöht wird. Wahrscheinlich dürfen wir uns dauerhaft an niedrige Benzin- und Heizölpreise gewöhnen. Achten Sie in dieser Woche auch auf den Start der Quartalssaison in den USA am Mittwoch. Wie üblich legt der Aluminiumkonzern Alcoa als erstes seine Zahlen vor.
Fazit
Es ist nicht nur das „Nein“ der Griechen, das an den Börsen auf die Stimmung drückt, sondern auch die anhaltende Unsicherheit. Kaum ein Anleger will sich unter diesen Umständen zu weit aus dem Fenster lehnen. Schon die nächsten Tage werden zeigen, ob diese Phase noch länger anhält. Der DAX ist heute unter die Unterstützung bei 10.800 Punkten und damit auf den tiefsten Stand seit Mitte Februar gefallen. Die nächste wichtige Unterstützungszone liegt nun bei 10.600/680 Punkten. Ich rechne nun mit einem weiteren Abwärtsdriften, aber nicht mit einem echten Kursrutsch.
Erfolgreiche Investments,
Ihr Stefan Böhm
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