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Verkehrswirtschaft auf Erholungskurs mit Hindernissen

15.10.2021
Wien (OTS) - „Die Mobilitätsbranche ist wieder optimistischer – auch wenn wir es mit einigen Hürden wie dem Arbeitskräftemangel, Lieferengpässen und steuerlichen Mehrbelastungen zu tun haben“, fasst Alexander Klacska, Obmann der Bundessparte Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), die Ergebnisse der aktuellen Branchen-Konjunkturumfrage zusammen. So werden im 3. Quartal Nachfrage und Geschäftstätigkeit deutlich positiver bewertet als zuletzt und dies sowohl, was die Beurteilung der vergangenen drei Monate betrifft als auch bezogen auf die Zukunftserwartungen. Aber auch der Auftragsbestand, den nun fast 65 Prozent als „zumindest ausreichend“ bezeichnen, wird deutlich besser gesehen als bei den Umfragen davor. „Dennoch sind die Auftragsbücher noch nicht voll, das wäre erst bei Werten von 85 bis 80 Prozent der Fall, wie wir sie vor Corona hatten“, so Klacska.
Ebenso ist es nicht nur positiv zu sehen, dass die Unternehmen mit steigenden Preisen sowie zunehmender Beschäftigung rechnen. Denn die steigenden Preise haben auch mit den erhöhten Rohstoffkosten zu tun und die Zunahme der Beschäftigung stößt an ihre Grenzen: Jeder vierte der insgesamt 158 befragten Unternehmen aus dem Bereich Transport und Verkehr nennt den Mangel an Arbeitskräften als primäre Behinderung der Geschäftstätigkeit, damit wird Arbeitskräfte-Mangel bereits als häufigstes Hindernis für die Geschäftstätigkeit genannt. „Wir kennen das Problem aus Großbritannien und Deutschland, doch auch in Österreich gibt es unseren Berechnungen nach aktuell rund 8000 offene Stellen für Fahrer, die nicht besetzt werden können“, rechnet Klacska vor.
Straßengüter- und Flugverkehr steigen wieder
Ein Indikator, der die Erholung der Branchen zeigt, ist außerdem die Fahrleistung im Straßengüterverkehr. Diese zeigt gegenüber 2020 kontinuierliche Zuwächse. Ebenso ist der Flugverkehr am Weg der Erholung, wenngleich die Passagierzahlen im Gesamtzeitraum Jänner bis September 2021 noch 3,3 Prozent unter dem Wert des Vorjahres liegen. „Das hat aber mit den starken Vor-Corona-Monaten Jänner und Februar 2020 zu tun. Seit April dieses Jahres geht es aufwärts, auch wenn wir noch weit unter 2019 liegen“, erläutert Erik Wolf, Geschäftsführer der Bundessparte. Stärker entwickelt sich der Luftfrachtbereich. Hier betrug der Zuwachs von Jänner bis September gegenüber dem Vorjahr rund 19 Prozent.
Was die Stimmung der Branche ein wenig trübt, sind allerdings die zu erwartenden Mehrkosten in Form von Steuern. So hat die Branche ausgerechnet, dass sie zwischen 2022 und 2030 mit Mehrbelastungen in Höhe von 10,3 Milliarden Euro zu rechnen hat: 4,3 Milliarden Euro davon entfallen auf die Ausdehnung der NoVA auf Lkw unter 3,5 Tonnen, rund 6 Milliarden auf die CO2-Bepreisung, die im Zuge der ökosozialen Steuerreform eingeführt wird.
Bindung der Mittel zur Förderung alternativer Technologien
Aus diesem Grund seien Begleitmaßnahmen zur ökosozialen Steuerreform notwendig. „Jeder Unternehmer muss die Soll- und Habenseite einigermaßen ausgeglichen haben, sonst geht das nicht lange gut. Das heißt, solange Wassersstoff-Lkw noch das Drei- bis Vierfache eines Diesel-Lkw kosten und somit noch nicht wirtschaftlich sind und es auch sonst wenig klimaneutrale Alternativen gibt, brauchen wir Kompensationen für die Mehrbelastung“, fordert Klacska. Vor allem sollten die für CO2-Steuern bezahlten Mittel zweckgebunden werden und in die Förderung alternativer Antriebe wie zum Beispiel Wasserstoff, aber auch eFuels und anderer, fließen. „Wichtig ist, dass wir technologieoffen an das Thema herangehen. Die Zukunft der Antriebe wird bunt“, betont Klacska.
Beispiel an Deutschland nehmen
Als Vorbild nennt Klacska Deutschland: Dort gibt es sowohl eine Förderung für moderne, schadstoffarme Euro VI-Lkw als auch eine Stilllegungsprämie für ältere Lkw. Zusätzlich wird der Einsatz von Wasserstoff im Nutzfahrzeugbereich inklusive der Betankungsinfrastruktur großzügig gefördert. „Deutschland ist uns im Bereich Wasserstoff um einiges voraus. Hier sollten wir uns ein Beispiel nehmen“, so Klacska.
Die Branche selbst hat zu Wasserstoff und vielen anderen Bereichen, in denen CO2 eingespart werden kann, auch bereits vor einiger Zeit Konzepte in Form eines Mobilitätsmasterplans präsentiert. „Unsere Ziele und die des Klimaschutzministeriums sind in vielen Fällen sehr ähnlich. Es würde uns daher freuen, wenn das Ministerium auf einige unserer konkreten Umsetzungsvorschläge zurückgreift“, sagt Klacska. Zum Beispiel könnten durch eine bundesweite Koordinierung von Fahrverboten 500.000 Tonnen CO2 eingespart werden, weil auf diese Weise Umwege vermieden werden.
„Der Verkehr wird in Sachen Klimaschutz zwar häufig als Sorgenkind bezeichnet, aber wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und stellen außerdem tagtäglich die Versorgung der Bevölkerung sicher. Jetzt müssen auch unsere Sorgen ernst genommen werden. Das heißt, wir brauchen Maßnahmen gegen den Arbeitskräftemangel und konkrete Maßnahmen, die uns die Einsparung von Emissionen auch möglich machen“, so der Bundesspartenobmann abschließend. (PWK 495/DFS)
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