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Trägt das herkömmliche Konzept der Mitarbeiterunterkunft Mitschuld am Fachkräftemangel im Tourismus?

22.09.2021
Wien (OTS) - Beinahe jeder in der Tourismusbranche beruflich Tätige hat sie erlebt – die Wohnform des Personalzimmers. Ich persönlich erinnere mich noch gut an diese spärlich ausgestatteten Räume mit zwei oder mehr Betten, Miniküche und Sanitärbereich. Um drei Uhr Früh geweckt, durch die Kollegin von der Bar (leidenschaftliche Indoor- und After-Work Raucherin), die trotz anderer Abteilung und Arbeitszeit ihr Wohnglück per Zufallsprinzip mit mir teilen durfte. Dies war keine Unterkunftsform, um Mitarbeiter zu binden, sondern sie möglichst nach einer Saison wieder loszuwerden. Das klassische Personalzimmer ist seit jeher dafür ausgelegt, Einzelpersonen für einen limitierten Zeitraum zu beherbergen. – Ein Relikt des Denkens in Saisonen, anstelle von ganzjährigem Tourismus.
In puncto Ausstattungsqualität und Modernität wurde über die letzten Jahre von der Branche umfassend investiert. Anstelle althergebrachter Personalhäuser finden sich vielfach attraktive Team-Lodges in die hotel-ähnliche Freizeitbereiche, etwa mit Pool bzw. Wellness Einzug halten.
Zwtl.: Vom Prinzip Arbeiten wo andere Urlaub machen...
Auch dieses attraktivierte „Mitarbeiterhaus“ Konzept birgt jedoch strukturelle Probleme für eine langfristige Mitarbeiterbindung. Also jenem Ziel, das aus Unternehmersicht gerade umgelegt auf Führungskräfte immer wichtiger wird. Ein Personalzimmer – und sei es noch so modern und mit Freizeitinfrastruktur verknüpft – schafft keinen Spielraum, seinen Lebensmittelpunkt dorthin zu verlegen. Es ist aus Mitarbeitersicht immer nur eine Wohnform auf Zeit, da nur limitiert anpassbar an unterschiedliche Lebensmodelle (Beziehung, Familie, Patchwork,…). Eine Personalplanung die ausschließlich auf dieses Beherbergungskonzept ausgerichtet ist, ermöglicht somit den orts- und regionsfremden Mitarbeitern dauerhaft nur ein „Arbeiten wo andere Urlaub machen“. Mangels geeignetem Wohnraum siedeln Mitarbeiter wieder ab, bis hin zum Ausstieg aus der Branche, wenn sich deren Lebensmodell wandelt. Die ausschließlich auf Mitarbeiterhäuser ausgelegte Wohnraumplanung für touristische Fachkräfte ist langfristig eine Einbahnstraße.
Zwtl.: ...das Prinzip Leben und Arbeiten wo andere Urlaub machen...
Ein neues Planungsmodell zur Mitarbeiterunterbringung, welches neben dem Arbeiten auch das Leben – verstanden als langfristiges Niederlassen der Mitarbeiter – am Urlaubs- und Arbeitsort ermöglicht, ist erforderlich. Als Idealbild sind bei der Ansiedelung und Weiterentwicklung von Tourismusbetrieben stets auch private Wohnraum-Konzepte gemeinsam mit der Gemeinde und Region zu entwickeln. Diese berücksichtigen sowohl verfügbaren, leerstehenden Wohnraum als auch erforderlichen (sozialen) Wohnbau um den erwarteten Bedarf zu decken. Selbstverständlich braucht es auch zukünftig attraktive Mitarbeiterhäuser, deren Zimmer-Mix noch deutlich diverser werden muss, um auch dort verstärkt privates Wohnen zu ermöglichen.
Zwtl.: Verfügbarer, privater Wohnraum steigert die Mitarbeiterbindung
Die realistische Aussicht auf verfügbare, private Wohn- und Lebensqualität wird zur immer wichtigeren Standortfrage in der Job-Auswahl. Dies gilt insbesondere für die Führungsebene der Abteilungsleiter, welche durch die Vielfalt an unternehmerischen Management-Aufgaben in den letzten Jahren zu den Schlüsselkräften in Tourismusbetrieben avanciert sind. Private Wohnqualität abseits der Teamkollegen, flexible Anpassung an das jeweilige Lebens- und Familienmodell und die hohen Freizeitwerte touristischer Regionen bilden als Trio überzeugende Argumente. Durch die dauerhafte Verlagerung des Lebensmittelpunkts in das Umfeld des Arbeitsplatzes gelingt dann auch ein Leben neben dem Arbeiten und Mitarbeiter-Ressourcen werden langfristig an die Region gebunden.
 

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