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Geflügelwirtschaft Österreich: Putenmäster fordern absatzfördernde Maßnahmen

21.09.2023, 5897 Zeichen
Wien (OTS) - Österreichische Putenmäster halten ihre Tiere gemäß dem österreichischen Bundestierschutzgesetz bekanntlich nach den EU-weit strengsten Bestimmungen. Die Tiere haben hierzulande mehr Licht, mehr Luft und leben damit nachweislich gesünder. In der EU fehlen Mindestbestimmungen für die Putenhaltung nach wie vor zur Gänze. Notwendige Preissteigerungen gab es aufgrund der durch die Covid-Krise und dem Ukraine-Krieg massiv gestiegenen Futter- und Energiekosten. Die aufgeschlagenen Handelsspannen verschärften die Preissituation zusätzlich und führten dazu, dass der Endverbraucherpreis teilweise doppelt so hoch war wie im Ausland. Die Gesellschaft verlangt hohe Tierwohlstandards, die Menschen müssen aber auch bereit sein, die sich daraus ergebenden höheren Preise zu bezahlen. Die österreichischen Putenmäster verlangen deshalb absatzfördernde Maßnahmen, wie die konsequente Umsetzung des Aktionsplans für die nachhaltige Beschaffung, der verpflichtenden Herkunftskennzeichnung in der Gemeinschaftsverpflegung und der Gastronomie sowie eines Verbots von unfairen Handelsspannen auf österreichische Putenprodukte.
Österreichisches Mehrwertpaket bei Puten
"Die Gesundheit der Tiere wird laufend von Geflügelfachtierärzten überwacht, so konnte auch der Einsatz von Antibiotika in den letzten zehn Jahren um fast 70% reduziert werden", so der Obmann des Österreichischen Geflügelgesundheitsdienstes QGV, Gerhard Skreinig. Sämtliche für die Tiergesundheit und die Rückverfolgbarkeit erforderlichen Details sind in der Datenbank des Geflügelgesundheitsdienstes QGV "Poultry Health Daten (PHD)" eingetragen. Heimische Puten werden auch ausschließlich mit gentechnikfreiem Futter gefüttert und Soja aus Regenwaldregionen ist für heimische Putenmäster tabu. Schließlich kümmern sich die Bäuerinnen und Bauern täglich sorgsam um die Tiere und stellen so eine tiergerechte Haltung nach höchsten gesellschaftlichen Standards sicher. Die österreichischen Haltungs- aber auch Sozialstandards übertreffen jene in anderen europäischen Ländern deutlich. Wenn dieser Mehrwert am Markt nicht mehr zählt, dann fragen sich immer mehr Putenmäster, ob die Putenhaltung in Österreich noch Sinn macht.
Absatzmarkt Pute
Während der Corona-Krise und der vorrübergehenden Sperre der Gastronomie war heimische Pute im österreichischen Lebensmittelhandel sehr gefragt. Mit zunehmender Inflation griffen die Konsumentinnen und Konsumenten allerdings verstärkt zu billigerer Ware aus dem Ausland. "Wir verlangen von unseren Handelspartnern, dass sie beim Einkauf die Mindestbestimmungen des österreichischen Bundestierschutzgesetzes einhalten. Die Bestimmungen waren schließlich eine einstimmige Entscheidung im österreichischen Parlament. Die Österreicherinnen und Österreicher haben ein Recht darauf, Fleisch von gesetzeskonform gehaltenen Puten zu bekommen", so der Obmann der Geflügelwirtschaft Österreich (GWÖ), Markus Lukas. "Putenfleisch aus ausländischer Haltung mit deutlich schlechteren Haltungsstandards ist laut österreichischem Bundestierschutzgesetz Fleisch aus tierquälerischer Haltung", betont Lukas. Die österreichische Putenhaltung verliert am freien Markt laufend Anteile, wenn nicht für alle dieselben Spielregeln gelten. Billa geht hier seit Jahren einen vorbildlichen und konsequenten Weg. Billa kauft ausschließlich hochwertiges Frischfleisch aus Österreich.
Gute Lösungen
Der Aktionsplan für die nachhaltige Beschaffung beinhaltet u.a. die wesentlichen Eckpunkte der Haltungsbestimmungen für Puten in Österreich. Gemäß einem Ministerratsbeschluss im Sommer des Vorjahres müssen sich Bundeseinrichtungen beim Einkauf an diese Bestimmungen halten. Ebenso ist seit 1. September 2023 die verpflichtende Herkunftskennzeichnung von Milch, Fleisch und Eiern in Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung in Kraft. In Kindergärten, Schulen, Altersheimen, Mensen oder Betriebsküchen muss also die Herkunft von u.a. Putenfleisch ausgewiesen werden. Wir fordern die für die Kontrolle zuständigen Lebensmittelinspektoren der Länder auf, nach einer Phase der Beratung konsequent für die Einhaltung der Bestimmungen zu sorgen. Auch eine Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie brächte für Verbraucherinnen und Verbraucher viele Vorteile, denn Transparenz schafft Vertrauen. Schließlich fordern wir ein Verbot einer unfairen "Aufschlagspolitik" des Handels, weil diese einer gesellschaftlich geforderten Qualitätspolitik in Richtung mehr Tierwohl entgegenwirkt und tierfreundlich hergestellte, höherpreisige Produkte künstlich teurer macht.
Preis und Wert
Die österreichische Geflügelwirtschaft empfiehlt Konsumentinnen und Konsumenten, beim Einkauf genau auf die Herkunft zu achten. Das österreichische AMA-Gütesiegel bietet hier eine wertvolle Orientierungshilfe. Bei Produkten, die mit dem AMA-Gütesiegel ausgezeichnet sind, erfolgt die Geburt der Tiere in österreichischen Brütereien, die Aufzucht in heimischen Bauernhöfen und die Schlachtung in Schlachtbetrieben in Österreich. Die Bestimmungen des österreichischen Bundestierschutzgesetzes werden eingehalten, dafür sorgen auch jährlich angemeldete und unangemeldete Kontrollen. Verstöße gegen das Tierschutzgesetz werden streng geahndet. Einzelne Aufdeckungen von Tierschutzorganisationen bringen die gesamte Branche und das AMA-Gütesiegel zu Unrecht in Misskredit. Konsumenten werden ermutigt billigeres ausländisches Fleisch zu kaufen, weil die österreichische Haltung scheinbar nicht besser ist. Diese Annahme ist allerdings eindeutig falsch.
Die österreichische Geflügelwirtschaft ist auch offen für Gespräche zu einer Haltungsformkennzeichnung, die Verbraucherinnen und Verbraucher zukünftig die Kaufentscheidung noch einfacher machen wird. Schließlich ist der Mehrpreis für heimisches Putenfleisch überschaubar. Wer österreichische Pute kauft, entscheidet sich für ein Premiumprodukt, dass heutigen gesellschaftlichen Anforderungen an eine tier- und umweltfreundliche Tierhaltung entspricht. (Schluss)

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