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14.08.2019

Die größte Blase aller Zeiten Hereinspaziert! Hereinspaziert! Willkommen im Zirkus des Unglaublichen, in der Manege der Sensationen im Reigen der wunderbarsten Abartigkeiten! Nehmen sie sich Zeit und Platz um das größte Wunder dieser Zeit zu bestaunen! Dieser Zeit, aller Zeiten! Wir begrüßen Alle im Reich des magischen Zaubers der Negativrendite.

Man denkt vielleicht an Albert Einstein. Was war das für ein Genie. Ein Mann, der von seinem Dasein am Patentamt in Bern nicht gerade emotional überfordert, mit dem Gedanken an die Relativität von Einigem die Physik auf den Kopf stellte. Seine enormen Geistesleistungen kann ich gar nicht alle aufzählen aber die Eine ist es, die mich ganz besonders fasziniert, sich die Zeit als etwas Variables zu erklären. Das Undenkbare in Frage zu stellen und doch zu denken. Und genau dieser Gedanke setzte alles Mögliche danach erst in Bewegung. Bis zum Navi im Auto. Nun, auch Notenbankern wird nachgesagt, kluge Menschen zu sein, jedenfalls geduldige kluge Menschen. Die Titulierung „Genie“ kommt in diesen Artikulierungen aber ziemlich selten vor. Doch dies dürfte vorbei sein, denn die Notenbanker haben die Negativrendite erfunden und die greift gerade als Lösung sämtlicher ökonomischer Probleme auf diesem Planeten wie ein Lauffeuer um sich. „Heureka!“, möchte man ausrufen, endlich braucht man sich nicht mehr um den Sinn irgendwelcher Investitionen zu kümmern, denn negativ rentierende Investments sind en vogue.

Stellen wir uns das aktuelle Ausmaß dieser … Situation einmal vor. Ziemlich genau 50% aller emittierten Staatsschulden außerhalb der USA sind bereits negativ rentierend. Kosten dem/den InvestorInnen mehr als sie bringen. Das sind lt. der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich bereits 9,2 Billionen (nicht Billions) USD. Unternehmensanleihen nehmen an diesem Prozess rege teil. Ein großer Teil ist hier ebenso bereits negativ. Selbst, und das setzt dem Ganzen ja ein dialektisches Krönchen auf, einige „High Yield Bonds“ sind mittlerweile auch schon im Reich der Negativrendite. Man kratzt sich am Scheitel und fragt sich, was denn in all diese durchaus klugen Köpfe geraten ist, die gerade wie verrückt ihr oder das Geld ihrer Kunden beim Kauf dieser Bonds aus dem Fenster werfen? Welche Ratio kann so genial sein, um genau diesen Prozess zu rechtfertigen? Man kauft offenbar ganz bewusst um Geld zu verlieren. Versuchen wir Gründe dafür zu finden die nicht ins Polemische abgleiten:

Da ist sicher die Erwartung, dass die Notenbank hält was sie verspricht. So hat die EZB zuletzt gemeint, alles zu tun und noch einige Instrumente zu haben (Gänsehaut), um die Wirtschaft aber vor Allem die Inflation wieder zu pushen. Die Instrumente der EZB sind bekannt: Zinssenkung und Anleihekäufe. Gebracht haben sie zwar noch nichts, aber wer weiß in welchen Zeiträumen eine Notenbank wirklich denkt. Und wenn die EZB verspricht im September damit loszulegen, dann kann man sich drauf verlassen und kauft schon jetzt einmal schnell was man an Anleihen kriegen kann weil danach … wir wissen es, nimmt uns Mario Draghi , bevor er in die (wohlverdiente?) Pension abdriftet, den Schrott ab. Er hat ja keine Bedingungen oder Grundsätze dafür genannt, also alles was da ist „an Dich“. Man erinnert sich an die „Greater Fool Theorie“. Die Suche nach einem Narr, der einem ein schlechtes Investment teurer abkauft. Passiert nicht nur am Kapitalmarkt hört man.

Ein weiterer Grund mag sein, dass man nicht anders kann, als zu kaufen was mittlerweile immer weniger wird und daher der Zwang zum Investment mit dem Angebot in Form einer Preisexplosion kollidiert. Ein Gruß an den Regulator von Banken und Versicherungen. Der sitzt so wie der gute Mario auch in Frankfurt im EZB-Tower. Auch das jeweilige Top-Management das negative Investments intern toleriert ohne diese seinen Kunden erklären zu müssen sei gegrüßt.

Vielleicht ist es auch nur die Markttechnik die sagt, dass man Etwas das steigt weiter behalten oder kaufen muss und etwas das fällt verkaufen. Egal was dahinter steckt. Fundamentaldaten, Cash Flows, Ertragsrechnung, alles Luxus. Die Bewegung ist das Ziel. Das Instrument ist nebensächlich (Einstein schau runter).

Der für mich letzte plausible Grund ist jener, dass auch Absicherungsstrategien ein Innenleben haben und das ist bei manchen Kursbewegungen unangenehm bemerkbar. Die Absicherung eines Anleiheportfolios passiert in der Regel durch gegenlaufende Transaktionen mit so genannten Futures, also künstlichen Bonds die zu fixen Konditionen und fixen Zeitpunkten abrechnen. Diese fiktiven Anleihen haben zumeist 5-jährige oder 10-jährige Laufzeiten. Jetzt spiegelt das zugrunde liegende eigene Anleiheportfolio oft aber nicht exakt diese Laufzeit, was bewirkt, dass man, weil man sich ja vor Unliebsamkeiten wie Kursrückgängen sicher schützen möchte, die längere Laufzeit als Absicherungsinstrument gewählt hat. Wenn nun aber die Marktrendite ins Negative abdriftet und dies vielleicht sogar sehr schnell und stark tut, dann entstehen Unterschiede die korrigiert werden müssen. Bedeutet, dass um denselben Absicherungseffekt zu erhalten man … Futures zukaufen muss. Und wo gekauft wird steigen auch Kurse … sagt man. Eigentor oder Teufelskreis. In jedem Fall nicht angenehm.

Vielleicht gibt es aber einen ganz anderen, völlig plausiblen Grund der die aktuelle Situation am Bondmarkt einfach und eloquent erklärt. Uns Blinden die Augen öffnet und uns in ein neues Zeitalter völlig von Ertragsgedanken befreiten Investments entlässt im Wissen ob der Genialität unserer Notenbanker und der Stasis unserer Politik.

Nur ein Gedanke, als „Alter“, naja ok alter Aktien-Freund, Dividenden sind grundsätzlich positiv. Selbst wenn sie einmal ausfallen sollten, sind sie immer noch nicht negativ. Wer nicht glaubt, dass unsere Wirtschaft in den nächsten Jahren global völlig zusammenbricht und danach überhaupt nicht mehr aufersteht, der sollte sich darüber einmal Gedanken machen.

(Der Input von Wolfgang Matejka für den http://www.boerse-social.com/gabb vom 14.08.)


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Bildnachweis

1. Blase, Seifenblase, zerplatzen, Luft , (© Martina Draper)   >> Öffnen auf photaq.com



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