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Dekarbonisierung – der Bildungscampus der Zukunft

11.08.2022, 5318 Zeichen
Wien (OTS) - Es ist Anfang August und ein richtig heißer Sommertag. Ute Schaller von der Baudirektion der Stadt Wien und Andreas Bremhorst, Karl und Bremhorst Architekten, Planer des Bildungscampus Liselotte-Hansen-Schmidt in der Seestadt Aspern, führten persönlich durch den seit knapp einem Jahr eröffneten Bildungscampus. Erste Erfahrungswerte nach einem Jahr Betrieb bestätigen die Prognosen der Gebäudetechnik: Der Bildungscampus mit über 11.000 Quadratmeter Nutzfläche ist nicht nur ein Energiesparmeister, sondern beweist, dass auch bei großvolumigen Gebäuden beeindruckende Energiesparpotentiale – und das völlig ohne fossile Energie – realisierbar sind. Und selbst an diesem heißen Tag: Im Inneren hat es angenehme 22 Grad. Der „Trick“ bei dem wohltemperierten Gebäude ist einfach: Alle Decken sind bauteilaktiviert und werden von der Technik dahinter – Wärmepumpen, Erdsonden und Photovoltaik – mit Kälte oder Wärme versorgt und natürlich eine kluge Planung, die für ausreichend Beschattung vorgesorgt hat.
Ute Schaller berichtete beim Rundgang, dass für die Stadt Wien Klimaanlagen ein No-Go sind und bereits bei allen Bildungscampussen nur noch auf das Energiekonzept mit Bauteilaktivierung gesetzt wird. Andreas Bremhorst betonte den intensiven Austausch mit dem Gebäudetechnik-Experten Harald Kuster, Büro FIN – „Future is now“: „Eine abgehängte Decke über eine bauteilaktivierte Decke – das war schon spannend, aber es funktioniert tadellos.“ Ute Schaller beschrieb den Prozess zur Findung des perfekten Energiekonzepts als intensiv, aber sehr konstruktiv, gemeinsam mit den Planern und den ausführenden Unternehmen. Vasko+Partner übernahm den Part als Bauherrenberater, vor allem auch hinsichtlich des Public-Private-Partnership-Modells. Die Stadt mietet den Campus für 25 Jahre – erst anschließend geht er in das Eigentum der Stadt Wien über.
Zwtl.: Multitalent Beton
Der Campus verfügt über einen Kindergarten, eine Volksschule, eine neue Mittelschule sowie sonderpädagogische Einrichtungen. Rund 1.400 Kinder können ganztägig betreut werden. Der Bildungscampus wird zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie betrieben. Neben der begrünten Fassade, den großzügigen Grünflächen und Dachgärten gibt es in allen Geschossen rund umlaufende, begehbare Terrassen, welche durch außenliegende Treppen aus allen Geschossen erreichbar sind. Die weit auskragenden Terrassen ermöglichen die Öffnung und Erweiterung der Klassenräume nach außen, sorgen aber gleichzeitig für die bauliche Beschattung der großzügigen Glasflächen und verhindern die sommerliche Überhitzung der Innenräume. Neben Berthold Kren, Präsident der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie, VÖZ, und Sebastian Spaun, Geschäftsführer VÖZ, überzeugte sich auch der frisch gewählte Vorstandsvorsitzende von Beton Dialog Österreich, BDÖ, Anton Glasmaier, vor Ort von den Klimaschutzleistungen von Beton. Anton Glasmaier freut sich auf die neue Herausforderung beim BDÖ: „Dass Beton ein Multitalent ist, weiß ich aufgrund meiner langjährigen Berufserfahrung schon lange – doch beim Campus werden alle Eigenschaften des Baustoffes perfekt genützt. Das rege Interesse an der heutigen Führung zeigt, dass in der Vielfalt der Lösungen der Erfolg liegt und, wenn Baustoffe gemäß dem Projektanspruch und dem Klimaschutz sinnvoll eingesetzt werden, herausragende Ergebnisse erzielt werden können.“
Zwtl.: GVTB-Betonpreis 2021
Im Rahmen des Besuches wurde auch der GVTB-Betonpreis 2021 verliehen. Der Liselotte-Hansen-Schmidt-Campus war einstimmig zum Siegerprojekt gewählt worden. Er überzeugte die Jury in allen Kategorien. Das innovative und klimafreundliche Energiesystem ist richtungsweisend für Bildungsbauten: Geothermie, Bauteilaktivierung, Wärmepumpen und eine Photovoltaikanlage sind die wesentlichen Highlights der Gebäudetechnik, mit deren Hilfe der Schulbau effizient und kostengünstig geheizt und gekühlt wird. Die Proponenten des Projekts: Architektur: kub a/Karl und Bremhorst Architekten; Beton: Transportbeton Ges.m.b.H. & Co. KG; Ausführung: Strabag; Bauherr: Stadt Wien; Gebäudetechnik: Büro FIN – „Future is now“ sowie Mario Malli Energietechnik GmbH.
Zwtl.: Schwammstadt-Pilotprojekt
Gleich vor dem Campus, im neuen Quartier Am Seebogen, entstand das erste große Schwammstadt-Pilotprojekt der Stadt Wien, die Effekte werden regelmäßig gemessen. Ein Beton-Sickerbecken, geplant von 3:0 Landschaftsarchitektur, sorgt dafür, dass das Regenwasser gespeichert und an die Bäume abgegeben wird und nicht einfach nur versickert. Das Prinzip Schwammstadt beruht auf einem System, das unter der gepflasterten und damit wasserdurchlässigen Straßenoberfläche einen porösen Schotterkörper zur Speicherung von Regenwasser schafft. Dieser dient zugleich als erweiterter Wurzelraum für Straßenbäume . Diese Maßnahme stellt sicher, dass Bäume auch bei großer Hitze und langer Trockenheit mit ausreichend Wasser versorgt werden. Bei dem neuen Drei-Kammersystem wurden drei hintereinander liegende Speicherkammern zusammengeschlossen. Bei Starkregenereignissen wird der erste, von der Straße kommende und durch Streusalz oder Gummiabrieb kontaminierte Schwall an Niederschlägen in den Kanal abgeleitet. Rinnt weiteres Regenwasser nach, wird es im zweiten Becken aufgestaut und läuft von dort vorgefiltert in das nächste Bodenfilterbecken, von wo aus es gereinigt in die Schwammstadt-Bäume eingespeist werden kann.

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