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Aktienmarkt-Ausblick: Viele negative Nachrichten eingepreist

28.06.2022, 3158 Zeichen

In ihrem aktuellen Aktienmarkt-Kompass für das 3. Quartal 2022 kommen die Experten von Raiffeisen Research zum Fazit: "Das neue Inflations- und geldpolitische Umfeld hinterließ im ersten Halbjahr 2022 auch an den Aktienmärkten deutliche Spuren. Durch die mittlerweile beträchtlichen Kursrückgänge sind aber sowohl im Hinblick auf die geopolitischen und konjunkturellen Risiken sowie durch das veränderte Renditeniveau viele negative Nachrichten eingepreist. Als Trigger für eine Erholungsbewegung an den Aktienmärkten könnte sich dabei dann auch das Erreichen der Spitze in den Gesamtinflationsraten und die Rückkehr zu moderateren Zinsschritten seitens der Fed im Herbst darstellen. Im Hinblick auf die Gewinnentwicklung der Unternehmen zeigt sich bislang eine recht hohe Resilienz gegenüber all den aktuellen Widrigkeiten. Auch wenn wir hier perspektivisch über höhere Refinanzierungs- und Arbeitskosten Margendruck aufkommen sehen, so ist weiterhin davon auszugehen, dass die Unternehmen die gestiegenen Kosten auf aggregierter Basis gut an die Konsumenten weitergeben können. Die Aktienmarktkorrektur hat die Bewertungslevels auf deutlich moderatere Niveaus gebracht, welche nach unten zusehends als Markstabilisator wirken dürften. Gleichzeitig sorgen die geänderten Rahmenbedingungen ebenfalls dafür, dass bewertungstechnisch in den nächsten zwölf Monaten die Bäume nicht in den Himmel wachsen werden. Ein starkes Argument für die von uns erwartete Aktien-Erholungsbewegung stellt das derzeitige Stimmungsbild dar. Sentimentumfragen und Positionierung sind so pessimistisch/defensiv, wie dies oft bei Bodenbildungsphasen der Fall war. In Summe erwarten wir daher in der zweiten Jahreshälfte eine Erholungsbewegung bei Aktien.

US-Aktien trauen wir hier eine stärkere Erholung als ihren europäischen Pendants oder dem heimischen ATX zu, da die konjunkturellen Risiken in Europa aufgrund der geopolitischen Spannungen und deren Auswirkungen deutlich ausgeprägter sind. Auch gestaltet sich die geldpolitische Normalisierung in Europa komplexer mit vielfältigen Auswirkungen auf die Finanzmärkte und Risikoprämien. Für chinesische Aktien sehen wir hier ebenfalls überdurchschnittliche Anstiege, da ein weiterer Teil der letztjährigen Unsicherheit bzgl. der harschen Regulierung ausgepreist werden dürfte.

Im Hinblick auf die Investmentstile dürfte das von uns skizzierte Bild zumindest temporär wieder Growth über Value in die Karten spielen, wenn auch hier eine sehr differenzierte Vorgehensweise von Sektor zu Sektor zu wählen ist.

Die von uns formulierte positive Meinung mit spekulativen Elementen für das zweite Halbjahr darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Aktienmarktumfeld für 2023 dann durchaus wieder ein komplexes werden dürfte, schließlich provozieren das Ende des Niedriginflations- und -zinsumfelds, der Fokus auf das Inflationsmandat bei großen Notenbanken sowie damit verbundene fundamentale Änderungen in Bezug auf den Marktsteuerungsfokus bei Notenbanken durchaus längere Anpassungsprozesse für die Anlagekategorie Aktien."

Die Experten haben die etablierten Aktienmärkte auf "Kauf". Den ATX sehen sie zu Jahresende bei 3150 Punkten



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