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7-Punkte-Programm für Netzausbau und Energiewende

03.04.2024, 5503 Zeichen
Linz (OTS) - Wenn die nächste Legislaturperiode im Oktober 2029 zu Ende geht, fehlen nur mehr wenige Monate bis zum magischen Datum 2030, wo Österreich die gesamte Stromversorgung bilanziell aus erneuerbaren Quellen decken will. 2030 ist auch das Jahr, wo Österreich das erste Zwischenziel bei der Reduktion von Treibhausgasen nach dem Europäischen Klimaschutzgesetz erreichen muss. Der Weg zur Energiewende muss deshalb trotz Wahlkampfes unbeirrt fortgesetzt werden – das forderte der Geschäftsführer der Linz Netz GmbH, Johannes Zimmerberger, beim Energiepolitischen Hintergrundgespräch des Forums Versorgungssicherheit am 3. April 2024.
Die Sprecherin des Forums Versorgungssicherheit, Brigitte Ederer, erinnert daran, dass sich Österreich rechtlich verpflichtet hat, bis 2030 vorgegebene Emissionsziele zu erreichen – falls es nicht gelingt, drohen Strafzahlungen. „Die Umstellung auf erneuerbare Energien muss zügig weitergehen“, so Ederer, „parallel dazu müssen die Netze ausgebaut werden. Aber dieser Ausbau kann nur dann rasch und zugleich kosteneffizient erfolgen, wenn die Netzbetreiber die richtigen Rahmenbedingungen vorfinden.“
Zwtl.: Das 7-Punkte-Programm
Die Netzbetreiber haben sieben Grundsätze formuliert, denen die Energie- und Klimapolitik in der nächsten Legislaturperiode folgen sollte.
1. Leistbare Energie, Versorgungssicherheit und Klimaschutz sind gleich wichtig.
„Wir nennen es das Magische Dreieck“, sagt Zimmerberger, „weil die Energiewende nur gelingt, wenn alle drei Anforderungen gleichermaßen berücksichtigt werden. Versorgungssicherheit und Klimaschutz erfordern Investitionen, und damit diese nicht die Netztarife über Gebühr verteuern, muss der Ausbau möglichst kosteneffizient erfolgen.“ Das Ziel des Netzausbaus dürfe nicht „so viel wie möglich“ lauten, vielmehr muss stets der Gesamtnutzen jeder Maßnahme berücksichtigt werden.
2. Rechtliche Rahmenbedingungen für zügigen Netzausbau
Um den Ausbau der Stromnetze vorantreiben zu können, mahnen die Netzgesellschaften einmal mehr die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren ein. Das geplante Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungs-Gesetz (EABG) soll hier die gewünschte Wirkung erbringen, das Gesetz ist aber immer noch in Arbeit. Die Netzbetreiber wünschen sich darüber hinaus mehr Flexibilität bei der Finanzierung von Investitionen sowie eine vorausschauende Regulierung, die finanzelle Engpässe vermeidet.
3. Faires Tarifsystem
Die Regulierung ist auch an Zug, wenn es um die Frage geht, wer die Kosten für den Ausbau tragen soll. Hier wünschen sich die Netzbetreiber eine stärker verursachergerechte Tarifstruktur. Zimmerberger: „Da geht es zum einen um einen fairen Beitrag der Einspeiser, wenn Netze verstärkt werden müssen. Zum anderen ist nicht einzusehen, warum Verbraucher, die hohe Leistungen in Anspruch nehmen, weil sie beispielsweise ihr E-Mobil sehr schnell laden wollen, die gleichen niedrigen Tarife zahlen wie Haushaltskunden mit geringer Leistungsanforderung.“
4. Stromtarife sollen Anreize für Eigenproduktion und Eigenverbrauch setzen.
Wenn die Betreiber von privaten PV-Anlagen den größten Teil ihres erzeugten Stroms selbst verbrauchen und allenfalls auch noch einen eigenen Speicher betreiben, dann erfordert dies weniger Ausbau der Netze als wenn diese den größten Teil des erneuerbare Stroms aufnehmen müssen. „Eigenverbrauch soll deshalb tariflich belohnt werden“, wünscht sich Zimmerberger, „derzeit besteht oft der umgekehrte Anreiz, möglichst viel ins Netz einzuspeisen.“
5. Verbraucher, Prosumer und Energiegemeinschaften werden aktive Mitgestalter der Energiewende.
Für die Energiewende ist es nötig, das System als Gesamtheit zu begreifen und nicht stur nur die eigenen Interessen zu verfolgen, betont Zimmerberger: „Die Frontstellung zwischen Erzeugern, Verbrauchern und Netzen löst sich auf, stattdessen haben wir Prosumer und Energiegemeinschaften, Erzeuger sind zugleich Verbraucher. Da muss ein verändertes Verständnis her, dass jeder seinen Beitrag zu leisten hat.“
6. Abstimmung der Netzausbaupläne
Um Doppelgleisigkeiten zu vermeiden, sollten die Netz-Ausbaupläne für Strom, Grünes Gas (Biomethan oder Wasserstoff) und Fernwärme aufeinander abgestimmt werden. Zimmerberger nennt Beispiele: „Ob das Gasnetz in einer Region saniert oder rückgebaut werden soll, hängt unter anderem davon ab, ob Fernwärme verfügbar ist. Wenn eine Gemeinde oder eine Region gezielt von Gas auf Wärmepumpen umstellt, dann muss dort das Stromnetz verstärkt werden. Wir müssen die Energieversorgung immer stärker vernetzt denken.“
7. Leistungsfähige Speicher und Sektorkopplung
Wind- und Sonnenenergie sind natürlichen Schwankungen unterworfen, was dazu führt, dass zu manchen Zeiten mehr produziert als verbraucht wird und zu anderen Zeiten zuwenig Produktion zur Verfügung steht. Zwischen Sommer und Winter ist dieses Missverhältnis am größten. Ein völlig dekarboniertes Stromsystem erfordert deshalb sowohl kurzfristige als auch langfristige Speicher. „Wir brauchen ein österreichweites Konzept für eine Speicher-Infrastruktur“, fordert Zimmerberger. Dazu muss auch die Sektorkopplung forciert werden, also das flexible Zusammenspiel zwischen Strom, Wasserstoff, Biogas und Wärme.
„Am Ausbau erneuerbarer Energie und leistungsfähiger Netze führt kein Weg vorbei“, so Zimmerberger abschließend“, für dieses Ziel müssen alle an einem Strang ziehen.“
Das Forum Versorgungssicherheit ist die gemeinsame Plattform von fünf Verteilernetzbetreibern: Wiener Netze, Netz Niederösterreich, Netz Burgenland, Linz Netz und Netz Oberösterreich.

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