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Interview mit VBV-Pensionskasse Vorstand Schiendl zu Allokation, Home Bias, Volatilität, Investmentkriterien uvm

Langfristig muss man Risiko nehmen, sagt VBV-Pensionskasse-Vorstand Günther Schiendl. Wie er seine Veranlagungs- und Risikomanagementstrategien auf die Bedürfnisse der Zeit ausrichtet und welche Investments für ihn in Frage kommen, erklärt er uns im Interview.

Herr Schiendl, Sie verwalten in der VBV-Pensionskasse ein Milliarden-Volumen. Wie hoch ist es genau?

Günther Schiendl: In der VBV-Pensionskasse liegt das verwaltete Volumen bei etwa 8,5 Mrd. Euro.

Und wie verteilt sich das Kapital auf die Anlageklassen?

Zunächst möchte ich vorausschicken, dass wir nicht einen Vermögenstopf haben, sondern in unseren sogenannte Veranlagungs- und Risikogemeinschaften ca. 30 Vermögenstöpfe. In diesen wird gemeinsam für die jeweiligen  Berechtigten veranlagt. Und es erfolgt auch der versicherungstechnische Ausgleich, also das  Langlebigkeitsrisiko, etwas, das immer vergessen wird in unserem Geschäft. In diesen Veranlagungsgemeinschaften haben wir unterschiedliche Typen, beispielsweise  junge Leute so um die 40 oder bereits ältere, die demnächst in Pension gehen. Entsprechend fällt auch die Allokation aus. Es gibt sehr defensive, wo praktisch keine Aktien enthalten sind, bis hin zu sehr dynamischen Portfolios, bei denen über 50 Prozent in Aktien investiert sind. Über alle Veranlagungsgemeinschaften sind wir so im Schnitt zu 20 bis 25 Prozent in private Markets investiert. Dazu zählen Immobilien, Infrastruktur und private Debt. Der Rest ist die Anleihenquote, die sinngemäß mit der Aktienquote korrespondiert. Im Schnitt haben wir über alle Veranlagungsgemeinschaften so 35 bis 37 Prozent in Aktien investiert.

Wie hoch ist das Exposure in österreichische Aktien?

Wir haben einen recht ausgeprägten Home Bias. Innerhalb der Aktienquote sind das zwischen drei und fünf Prozent. Vom Gesamtvermögen sind so ein bis zwei Prozent in österreichische Aktien investiert. Wir investieren zumeist über Fonds oder ETFs. Der Schwerpunkt liegt auf nachhaltigen österreichische Aktien, die über ein ESG-Momentum verfügen. Das heißt, es sind Unternehmen, die sich in ihrer Nachhaltigkeitsleistung verbessern.

Welche Kriterien muss ein Veranlagungsprodukt im Aktien-Bereich generell erfüllen, damit Sie investieren?

Wir investieren global, was aber nicht heißt, dass wir überall investieren. Wie bereits erwähnt, investieren wir großteils in Fonds oder ETFs. Die Kriterien sind da die klassischen: Es muss in der abgebildeten Strategie ein gutes Ertragspotenzial und eine Zukunftsausrichtung vorhanden sein. Wir schauen uns aber auch den Invest­mentprozess, das Team, oder die Governance-Struktur an und natürlich die Performance-Zahlen. Das sind so die klassischen Selektions-Kriterien. In letzter Zeit sind wir dazu übergegangenen, tendenziell wieder mehr mit Spezialfonds zu arbeiten. Diese haben den Vorteil, dass man die Strategie modifizieren kann, ohne einen neuen Fonds ausschreiben oder auflegen zu müssen. Und so arbeiten wir mit bestimmten Fondsmanagern schon längere Zeit hindurch zusammen und passen diese Produkte auch immer wieder an die Bedürfnisse der Zeit an. 

Apropos Bedürfnisse der Zeit. Die letzten Jahre waren äußerst volatil und vor allem von unvorhersehbaren Ereignissen geprägt. Wie geht man als Institutioneller damit um?

Teil des Risikomanagementprozesses ist es, die Exposures anzupassen. Wir haben etwa die Volatilität, die von der Zinsseite kommt, reduziert, in dem wir einen Teil unseres klassischen Anleiheportfolios in private Debt umgeschichtet haben, was im Wesentlichen eine variabel verzins­te Finanzierung ist. Zum anderen haben wir die Infrastrukturinvestitionen aufgebaut. Auf der Aktienseite haben wir mit unterschiedlichen Allokationen in den verschiedenen Vermögensanlagetypen reagiert. Und natürlich haben wir einen Risikomanagementprozess, wo in Abhängigkeit von verschiedenen Parametern das Aktienrisiko im Falle des Falles reduziert wird. Das ist auch etwas, das wir im Februar und im März getan haben, wo entweder durch Verkäufe von ETFs oder auch durch Derivate-Transaktionen Exposures reduziert worden sind.

Bei so einem Ereignis, wie wir es Ende Februar mit dem Angriff Russlands gesehen haben, eröffnen die Aktienmärkte am nächsten Tag ganz wo anders als sie am Vortag geschlossen haben. Für diese Overnight Gap-Fälle ist es immer gut, wenn man Optionen hat, die die Schärfe eines Drawdowns zumindest mildern. Diese optionalen Absicherungen bauen wir meistens dann auf, wenn der Markt ruhig, die Volatilität gering ist und die Optionspreise günstig sind.  Weil die Erfahrung zeigt, dass es auf den Finanzmärkten immer wieder Ereignisse gibt, entweder sind es die Notenbanken oder im aktuellen Falle der Krieg. Man muss stets auf Schocks vorbereitet sein. 

Langfristig sollte man Risiken nehmen, denn hätte man die letzten Jahre kein Risiko genommen, hätten wir nicht die Performance erzielt, die wir schließlich erzielt haben.

Stichwort Risiko. Gibt es in Ihrem Portfolio auch ein Russland-Exposure? Und wie sieht es mit Investments in Ländern mit totalitären Regimen aus?

Wir halten eine Mikroposition in russischen Aktien über Fonds. Die Fondsmanager haben aber vorsichtig reagiert und in den Emerging Marktes-Portfolios Russland nicht besonders stark positioniert. Aber auch die Maßnahmen bei Tech-Aktien in China letztes Jahr haben bereits dafür gesorgt, dass wir unser Emerging Markets Exposure doch eher zurückgefahren haben. Aber generell: Wenn man, so wie wir, eine nachhaltige Sicht auf die Welt hat, und Unternehmen im Bereich fossiler Energie weitgehend ausschließt, dann hat man auch so Aktien wie Gazprom nicht im Portfolio 

Zum Schluss: Wie darf man sich den Arbeitsalltag von jemanden vorstellen, der Milliarden an Vermögen zu verantworten hat?

Der Arbeitsalltag spiegelt im Wesentlichen den gesamten Investmentprozess wider: Es gibt strategische Meetings, taktische Meetings sowie operative Meetings. Dazwischen auch Bürokratie. Wichtig ist, sich mit dem Investmentteam gut zu koordinieren, sinnvolle Vorgaben zu setzen und eine aktive Kommunikation zu pflegen, so dass immer die Linie geschlossen ist und jeder Bescheid weiß, wie die aktuelle Situation von unserer Seite aus eingeschätzt wird und welche Maßnahmen geplant sind. 

 Text: Christine Petzwinkler   Foto: Stefanie Freynschlag

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