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Sportradar: CEO Carsten Koerl spricht über Geschäftsmodell, Expansionspläne und seine bwin-Rolle früher

Carsten Koerl, seinerzeit Gründer der späteren bwin.com, legte mit Sportradar ein 7-Mrd.-Dollar-IPO an der Nasdaq hin. Wir sprachen mit ihm über Strategie, Sport & Börse. Und über Wien, wo man u.a. mit Laola1 aktiv ist und Personal sucht. 

Lieber Carsten, beginnen wir mal mit dem 27. 3. 2000, dem IPO von betandwin.com. Ich kann mich gut an diesen Tag erinnern. Ich denke, Du auch. Sag mal kurz was zu dieser Erfahrung, die Dich damals in den Kapitalmarkt gebracht hat. 

Carsten Koerl: Damals war ich verglichen mit jetzt ein sehr junger Unternehmer, der von den Ereignissen natürlich überwältigt war. Damals mals wie heute hatten wir ein perfektes Timing. Ich erinnere mich noch sehr gut an den großen Event im Technischen Museum, das war  speziell. Und natürlich ist das ein Milestone für den Unternehmer, der da drin ist. Ich bin dann aber relativ schnell nach dem IPO aus betandwin rausgegangen. Ich war der Gründer, was dann nachher passiert ist, wie das Unternehmen toll performt und sich entwickelt hat, das liegt komplett bei Manfred (Anm.: Bodner) und Norbert (Anm.: Teufelberger), nicht an Carsten Koerl. Retrospektiv sage ich, dass wir noch viel besser vorbereitet sein hätten müssen. Wir haben damals nicht viel Zeit gehabt und der Markt war tight. Doch wie gesagt: Manfred und Norbert machten das groß und es war eine extrem gute Performance vom Team. Ich bin sehr dankbar, dass ich da dabei war. Einzig der Kontrollverlust, wenn man etwas gegründet hat und dann abgibt, das ist schon ziemlich hart für Unternehmer. Und genau das habe ich bei Sportradar versucht zu vermeiden, was mir ganz gut gelungen ist. In Amerika gibt es ja eine Gestaltungsmöglichkeit mit Class-A-Shares und-B-Shares und ich habe dort Class B-Shares im Unternehmen jetzt. Und das hebt mich halt auch auf Voting-Shares von mehr als 80 Prozent. Das kommt einfach meinen Ansprüchen näher, weil ich selbst aktiv gestalten will.

Du hast das Markttiming angesprochen. Im Jahr 2000 hatten wir knapp 5000 Punkte an der Nasdaq. Die Zeichungsphase von betandwin lief rund um ein Langzeit­hoch.  Und jetzt sieht es ja wieder vom Umfeld für IPOs relativ gut aus. Aber warum ist jetzt die Entscheidung gefallen, Sportradar an die Nasdaq zu bringen?

Da gibt es zwei Gründe. Natürlich ist der Markt interessant momentan, wenn man sich die Unternehmensbewertungen anschaut, sie sind historisch eher auf einem hohen Stand. Es ist sicher ein guter Zeitpunkt, um Kapital zu raisen, damit man expandieren kann. Das ist der Grund, warum auch viele Unternehmen jetzt in Amerika an die Börse gegangen sind, aber auch anderswo. Für uns war klar: Amerika ist unser wichtigster Wachstumsmarkt. In Amerika wachsen wir weit dreistellig pro Jahr und da müssen wir noch viel investieren. Es ist einfach Business, eine einmalige Marktchance. Früher war es in Amerika nicht möglich, Sportwetten zu betreiben, das hat sich jetzt geöffnet. Das Land ist so groß wie die EU. Und in Amerika gibt es dazu mehr Leute mit Sportbegeisterung und die sind noch dazu sehr kaufkräftig. Das Being Public in Amerika -  das Facing, das wir brauchen, um mit den größten Partnern arbeiten zu können - ist essentiell. Aber natürlich auch, um Kapital zu investieren.

Sportradar hat jetzt vom Start weg eine Market Cap von rund 7 Mrd. Dollar. Damit würde man zum Beispiel an der Wiener Börse im ATXFive  sein, also unter den fünf Größten. Ihr seid ein Unternehmen mit Sitz in Sankt Gallen in der Schweiz. Habt ihr nie überlegt, an eine europäische Börse zu gehen? Du hast es jetzt teilweise schon beantwortet mit dem Wachstumsmarkt USA. Aber war Zürich kein Thema in den Überlegungen?

Nein, eben wie erwähnt aufgrund unserer US-bezogenen Wachstumsstory. Wir brauchen das Public Facing in New York, nicht in Zürich. Es interessiert den Amerikaner leider auch prinzipiell nicht so unbedingt, was in Europa passiert, wenn Du dort ein Listing hast. Und ob Du in Europa gelistet bist oder nicht, die Standards sind einfach amerikanische Standards, nach denen gemessen wird. Deshalb war es ganz klar: Wir müssen in Amerika an die Börse gehen.

Wenn ich jetzt die Pandemie und ihre Sondereinflüsse auf Euer Geschäft herausrechne, wie lange haben die technischen IPO-Vorbereitungen gedauert?
Ich wollte im Juni 2020 sehr schnell an die Börse gehen. Das war der Zeitpunkt, zu dem ich gesehen habe, dass wir das alles recht gut im Griff haben mit der Pandemie. Wir hatten unser Geschäftsmodell eigentlich komplett transformiert. Da war mir ziemlich klar, dass wir so schnell wie möglich Kapital holen sollten und dass wir so schnell wie möglich in Wachstum investieren müssen. Es dauerte noch etwas mehr als ein Jahr, da war intern und extern noch viel vorzubereiten und zu diskutieren, 9 bis 10 Monate waren dabei ziemlich intensiv, bei der betandwin lief das viel schneller.

Bevor ich dich jetzt frage, wie Du den Erlös aus dem IPO investieren willst: Erzähl doch bitte mal in wenigen Worten über das Unternehmen und den Geschäftsgegenstand. Was macht Ihr genau? Wo und in welchen Bereichen seid ihr tätig? Wir sitzen an der Schnittstelle zwischen zwei Mega-Märkten. Das eine ist Sport, der Wett-Gaming und -Gambling-Markt, wobei wir momentan noch nicht Gaming- und Gambling- Produkte in der großen Range haben. Aber das ist sicherlich eine künftige Erweiterung. Im Sportwetten-Markt sind wir schon recht gut unterwegs. Das Ganze ist sportwettenmäßig in zehn Jahren ungefähr ein Markt von 81 Mrd. Dollar. Das  heißt: Wir können mit unseren Produkten, wenn wir die alle addieren, ungefähr 35 Prozent adressieren. Da ist natürlich enormes Wachstumspotenzial für uns drin, wenn man das gut macht. Daten sind immer der Ursprung, aber dann geht es halt wirklich hinein in die Wahrscheinlichkeit: Voraussage, Risikomanagement, Advertising, Entertainment Produkte. 

Der zweite Markt ist Sport per se. Da spielt dann alles rein: Broadcaster, Medien, natürlich die großen Sportverbände und das ist ein Markt von ungefähr 200 Mrd. Dollar. Das ist ebenso getrieben über Daten. Und hier sind wir ganz am Anfang, es gibt unglaubliches Potenzial, wenn man sich das Thema Customized User Journey mal so anschaut. Wie kann ich denn dem Sportfan ein Produkt geben, das auf ihn zugeschnitten ist? Das heißt, ich gebe ihm nicht die Live-Events. Da wollen wir nicht rein, da sind die Broadcaster sehr gut. Wir wollen dem digitalen Sportfan vielmehr das Produkt geben, das er zu einer Zeit braucht, auf einem Kanal, den wir voraussagen können. Und das sind dann sicherlich nicht 90 Minuten Fußballspiel, sondern es sind Highlights, Daten mit Statistiken, verknüpft mit Merchandising, verknüpft mit Sponsoring. Da sind die großen Revenue Streams  möglich. Wie gesagt, das ist ein totaler Markt von 200 Mrd. Wir denken, dass man da mit einer Technologielösung breit aufgestellt weltweit fast 10 Prozent adressieren könnte. 

Und wie kann ich mir da als Fußballfan so ein typisches Produkt vorstellen, zum Beispiel auf Basis eines Champions League Spiels? Was kann Deine Dienstleistung sein?

Was wir jetzt haben, sind Live Match Center, in die wir detaillierte Spielerdaten reinliefern, Passgenauigkeit und all das, was man sich in so einem Match anschauen kann, ein bisschen simuliert. Dazu Highlights, für die wir halt Rechte haben, das können wir auch sehr stark über unsere Laola1 und Wien-Komponente spielen. Da werden wir in Zukunft viel mehr entwickeln. Aber im Moment gibt es schon Scores, Statistiken, MatchCenter, etc.. 

Macht Ihr das unter eigenem Brand oder in erster Linie als White Label für andere, die das in ihrem Portfolio super brauchen können?

Wir arbeiten da im Moment mit so Firmen wie Amazon, Facebook, Google oder Apple, also den größte digitalen Unternehmen in Amerika. Wir haben uns da fokussiert, dass man von den Besten lernen kann und kooperieren sollte. Der nächste Schritt ist, den Sportfan zu analysieren, zu verstehen. Das machen wir aus dem Sportwetten-Bereich heraus. Wir haben dort ein Produkt gebaut, die Sport­radar ad:s Marketing Cloud. Wir profilen den Sportfan und wenn wir das Profil haben, dann wissen wir zum Beispiel, er interessiert sich für Basketball. Er ist ein Fan von LeBron James. Und da müssen wir schauen, was man ihm geben kann, zB ein Live-Spiel von den Lakers. Und welche Daten wären für ihn dazu interessant? Eventuell wäre es auch gut, Video-Highlights von dem Spiel zu bekommen. Oder die 2-Punkte- und 3-Punkte-Korbwürfe des Spiels. Da gibt es sehr interessante Technologie-Lösungen, die vom Broadcaster automatisiert 2-Punkte und 3-Punkte  auslesen können. Das wäre zum Beispiel eines dieser Produkte, verknüpfen kann man das mit Merchandising, Sponsoring und natürlich auch mit Sportwetten. 

Welche weiteren Sportarten passen besonders gut zu dem, was ihr könnt?

Wir haben 80 Sportarten, die wir momentan covern. Das ist nicht wenig und eine unserer Stärken als global aufgestelltes Unernehmen. Wir haben Offices in mehr als 30 Ländern dieser Welt. Wir sind auf fünf Kontinenten aktiv und bei uns geht das Licht im Unternehmen nie aus. Das ist wichtig, weil der digitale Sportfan nicht nur eine Sportart hat, die ihm gefällt, sondern es sind meistens mehrere. Und in manchen Fällen ist es dann auch Location-übergreifend. Amerika ist in einem eher geschlossenen Sport-Ökosystem, würde ich sagen. Da gibt es die großen vier Ligen, dazu noch College. Und vielleicht die Olympischen Spiele. Das andere ist Randsport: Golf, Fußball. Wenn man die typischen amerikanischen Sportarten covert, sind das sehr, sehr detaillierte Kooperationen mit den großen Ligen, die man dafür braucht. 

In einer Story habe ich gelesen, dass auch Indien für Euch ein großer Markt wird, Stichwort Cricket und so. Die Erlöse aus dem IPO: Gibt es da Märkte bzw. Produkte oder vielleicht sogar Akquisitionen, wo Ihr tätig werden wollt?

Indien ist ein gutes Beispiel. Wir haben da schon Akquisitionen gemacht. Wir haben eine Firma gekauft in Australien, die sich seit 15 Jahren mit Cricket beschäftigt. Und da geht es wirklich darum, den Sport detailliert zu verstehen: Was hat der Ball Spin für eine Auswirkung? Wie kann ich dafür solide Performance-Voraussagen machen? Das ist ein relativ komplizierter Sport, es wird teilweise über 5 Tage gespielt. Wenn man sich die Zugriffe anschaut, ist das ein Top 3 oder 4 Sport. Und da kommt natürlich vieles über den Subkontinent, wo unglaublich viele Menschen sitzen. Das ist für uns eine riesige Chance, es geht um 1,3 Mrd. Menschen, bald mehr als in China, und viele  sind fanatisch auf Cricket und Kabaddi. Kabaddi kennt kaum jemand, es ist eine  uralte Kampfsportart, die im indischen TV gerade boomt. Wir folgen hier im Grunde dem gleichen Plot, wie wir das in Amerika gemacht haben: Da bin ich 2014 für ein halbes Jahr nach New York gegangen, um einfach mit den Stakeholdern zu reden, den Markt zu verstehen,  die Sportfans zu verstehen. Es war gut, dass wir früh investiert haben in Amerika und die Beziehungen aufbauen konnten. Wir sind in Amerika mit Medienprodukten gestartet, weil Sportwetten nicht möglich waren; jetzt genießen wir einen riesigen Vorsprung als First Mover. So definiere ich den Job für Sportradar, einfach immer früher in den Märkten zu sein, Indien ist nun sicherlich etwas, das relativ hoch auf unserer Liste ist. Wir haben viel investiert in Cricket, Logistik. Wir haben zusätzlich auch verschiedene Rechte eingekauft. 

Jetzt seid ihr an der Nasdaq gelistet. Börsennotierte Unternehmen werden von Researchhäusern bewertet und da ist man immer auf der Suche nach einer Peer Group. Gibt es eigentlich eine Peer Group für Euch? Ich denke, man kann Euch nicht ganz mit den klassischen Sports Betting Unternehmen, die man kennt, vergleichen. Wen siehst Du in einer Peer Group von Sportadar?

Das überlasse ich lieber den Reseachern, die Peer Group zu definieren. Wir sind ein Software-Unternehmen und unser Skill ist es, dass wir mit Daten relativ gut  sind und das  machen wir schon seit Anbeginn der Firma. Wir bieten sicherlich die größte Sportcoverage, die größte Eventcoverage. Es sind 750.000 Live-Events, die wir in diesem Jahr covern. Aber das eigentliche Magic Thing, das passiert, ist das,  was wir  aus den Daten machen. Wie komme ich zu Wahrscheinlichkeiten, die dann für den Wettmarkt interessant sind? Und wie kann ich Risikomanagement für Buchmacher betreiben? Wie kann ich Profiling für Sportfans machen und attraktive Produkte erstellen, aber auch von den Sportfans lernen?  Das sind dann diese Network Functionalities, das geht in die Maschine, die Algorithmen werden stets verbessert. Das ist Machine Learning, in weiterer Folge  Artificial Intelligence. Alle Produkte, die jetzt erstellt werden, gehen klar in diesen Bereich hinein. Es ist eine Revolution, die ich immer gern vergleiche mit der Erfindung der Elektrizität. Dies hat ebenfalls fast jede Branche verändert. So wie das auch AI tun wird.

Themawechsel: Ihr seid wohl jetzt nicht nur bzgl. Eures Kerngeschäfts on Tour, sondern auch im Adressieren der Financial Community. Wie sieht Eurer Kapitalmarkt-Team aus? Wie viel darfst oder musst Du als CEO selbst tun bzw. welche Orte bereist Ihr physisch schon wieder? 

Das Tolle an der Geschichte jetzt, verglichen mit der betandwin-Zeit damals und auch mit dem Beginn vom letzten Jahr noch ist, dass im Moment fast alles über Zoom und Videokonferenzen laufen kann. Insofern ist es ein bisschen einfacher, das terminlich zu organisieren. Das wird aber langsam wieder in den Zyklus zurückkehren, um auch physische Treffen mit wichtigen Investoren zu machen. Personell ist es vor allem meine Aufgabe. Ich habe halt eine spezielle Funktion, da ich nicht nur CEO der Firma bin, sondern auch der Gründer und die Voting Power von 80 Prozent habe. Derzeit, in der Frühphase des Listings, wollen die Leute mich sehen, wollen mit mir reden. Speziell die amerikanischen Investoren wollen Decision Maker treffen. Sie wollen Vertrauen gewinnen, dass sie Kapital investieren können. Ich mache die vielen Meetings durchaus gerne, ich lerne dabei sehr viel. Es sind die Top-Investoren dieser Welt, die größten Investmenthäuser und die treffen jede Menge Unternehmen. Wir haben ein recht schlankes Kapitalmarktteam, einen sensationellen CFO, der schon 20 Jahre Kapitalmarkterfahrung mitbringt, der das mit mir zusammen navigiert. Und dann haben wir fünf, sechs Leute, die sich mit Public Relations, Investor Relations beschäftigen. Dazu kommen Security Themen, in Summe sind wir in diesem Bereich 10 bis 15 Leute.

Wie bedrohlich war die Entwicklung im und nach dem März 2020, als der Live-Sport auf der ganzen Welt plötzlich stillgestanden ist? 

Das war eine einmalige Situation und ich erinnere mich da recht gut.  Meine Assistentin hat mich im März 2020 angerufen, ich war in London: „Wenn Du nicht in die Schweiz zurückkommst, kann es sein, daß die Einreise bald nicht mehr möglich ist“. Ich dachte, das sei ein Witz und habe noch einen Tag länger in London gearbeitet. Da waren aber dann keine Menschen mehr. Und dann sind mir schon ein paar Gedanken gekommen. Okay, ich reise jetzt zurück und bin dann am Abend angekommen. Der Polizist hat mich begrüßt und gesagt: „Du bist der Letzte, der jetzt reinkommt, wir machen die Grenzen zu“. Das war der Nachtzug von London und ein ziemlicher Schock. Und dann hat mich Adam Silver von der NBA angerufen, er war in Sacramento bei einem Spiel: „Sie werden das Spiel jetzt nicht starten und sie haben den Betrieb eingestellt, weil die Vermutung ist, dass es einen Spieler gibt, der vielleicht infiziert ist.“  Von diesem Zeitpunkt an haben dann eigentlich alle Ligen in einem Domino-Effekt den Spielbetrieb gestoppt. Das ist natürlich dramatisch für ein Unternehmen, das mit Live-Sportdaten agiert und es hat in mir einiges ausgelöst. Das ging bis hin zu: Kann ich die Firma halten?  Was kann ich machen? Ich habe dann am nächsten Tag mit meiner Bank telefoniert und geklärt, wie viel Geld sie schnell lockermachen könnten. Weil auf Investoren verlasse ich mich in so einem Fall eher lieber nicht. Und die Bank hat mir dann einen Tag später gesagt, dass das schon geht: „Du kannst es locker mal ein Jahr machen“. Beruhigend. Und dann folgte ein sensationeller Team Effort. Ich sagte: Wir müssen uns auf zwei Sachen fokussieren. Erstens kriegt Ihr jetzt alle von mir eine Jobgarantie. Es wird niemanden geben, der gekündigt wird wegen dieser Pandemie. Keine Auflösungen von den Dienstverträgen, die durch die Pandemie getrieben sind. Und wir stehen es gemeinsam durch. Das zweite war:  Wir müssen ein Produkt für unsere Kunden entwickeln, damit sie im Markt bleiben können. Das war nicht so einfach für Sportwetten, weil live ist sehr dominierend mit mehr als 70 Prozent Marktanteil. So haben wir digitale Produkte erstellt. Wir haben unsere Daten genommen, komplette NBA-Spiele simuliert an dem Spieltag, wo sie normalerweise stattfinden hätten sollen. Dies mit Daten, die wir in unsere Maschine gegeben haben. Motto: Dann lass uns mal realistische Spielausgänge simulieren, lass uns das visualisieren in 3D. Und das konnten wir in den Markt liefern. Wir haben weiters ganze Tischtennis-Tournaments in Brasilien und in der Ukraine mit gemieteten Hallen, die die Covid-Richtlinien erfüllten, gespielt, um Content zu erzeugen. Wir waren zwischenzeitlich der größte eSports Provider, FIFA 2020 war da ein großes Produkt. Das kann man von zu Hause aus spielen. Man muss halt dann die richtigen Ratings und Trainings für die Spieler hinkriegen. Wir sind insgesamt deutlich gestärkt aus der Krise hervorgegangen, haben unser Unternehmen digital transformiert und sogar 7 Prozent Umsatzwachstum gehabt in 2020 trotz knapp 4 Monaten ohne Live-Sport. Das zeigt, wie stark das aufgestellt worden ist. 

Wunderbar. Welche Bedeutung, das muss ich einfach noch fragen, hat der Standort Wien für das Unternehmen? Laola1 ist natürlich ein starkes Stichwort, die Marke seit 21 Jahren präsent. An der Wiener Börse hab ich schon nachgehakt, ein Listing im Global Market wäre super. Das ist momentan noch nicht gegeben. Aber ich glaube, dass die Aktie auch für viele Österreicher ein spannendes Investment sein kann. Bitte um ein paar Worte zu Österreich und Wien.

Wien liegt mir am Herzen. Ich war mit einer Wienerin verheiratet, seitdem liebe ich diese Stadt und durfte auch oft in Wien sein. Mein Sohn ist Österreicher, da habe ich natürlich sehr starke Verbindungen. Laola1 und speziell das Wiener Team, das gehört einfach zum Kern der Firma, obwohl es eigentlich nicht unser Kernbereich war. Mittlerweile ist das Team tief in die Sportradar integriert. Wir haben viele Benefits voneinander. Aber wir machen nicht nur Laola in Wien. Wir machen da die komplette AV-Produktion, wir investieren sehr viel in Engineering in Wien. Wir haben unglaublich viele offene Stellen, das möchte ich über diesen Weg ebenfalls sagen. Wien ist im Kern von Sportradar.

Gibt es abschließend noch irgendetwas, das Dir am Herzen liegt in Richtung österreichische Hörer, Leser, Finanzmarkt- und Sport-Community?

Ich glaube, ganz wichtig ist, dass die Community noch einmal versteht, wie die historische Bindung war mit betanwin. Ich bin kurz nach dem Börsengang ausgeschieden, möchte nochmal historisch die Leistung von Manfred und Norbert hervorheben. Ich war da dabei und habe das gegründet und es war ein sehr glückliches Marktumfeld. Von dem, was mir weiters wichtig wäre, ist, dass wir ein sehr starkes Commitment zu Österreich haben und hier weiter aufbauen  und auch Mitarbeiter dazunehmen wollen. Und dass das schon ein toller Bereich ist, am digitalen Sport zu arbeiten und dann wirklich die neuesten Technologien weltweit bringen zu können. Wenn es auch Interesse für die Sportradar-Aktie gibt, freut mich das sehr.

Das Interview führte Christian Drastil.

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