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Live aus einer Privatbank: Kathrein Privatbank gibt via Interviews Einblick Teil 7, Q3/2021

Die Kathrein Privatbank ist voll auf Nachhaltigkeitskurs, die meisten der Private Banker sind bereits zertifizierte ESG-Berater. Private Equity wird künftig eine stärkere Rolle in den Kundentalks spielen, bei Kryptoinvestments bleibt man hingegen skeptisch. 

Und erneut ist es Zeit für einen Quartals-Check, zuletzt hatten wir ja ein Special über Euren neuen Markenauftritt. Welches Layout sollen wir diesmal wählen? Unser klassisches für die Quartalschecks oder etwas, das wieder den neuen Markenauftritt widerspiegelt?

Wilhelm Celeda: Eindeutig unseren neuen Slogan ‚Ungewöhnlich Persönlich‘.

Das hab ich mir gedacht, ich finde ihn auch sehr gelungen. Wie ist das Feedback der Kunden, kann man da schon was sagen? Wird man von Kunden überhaupt auf sowas angesprochen?

Durchaus. Die Resonanz war überwiegend positiv. Jetzt sind wir gefordert, dieses Versprechen von der ungewöhnlich persönlichen Beratung auch einzulösen. Das Gute ist, wir glauben, hier schon auf einem sehr guten Weg zu sein: Wir haben eine sehr gute Quote Private Banker zu Kunde, d.h. es steht viel Zeit für unsere Kunden zur Verfügung. Ebenso: Wir haben ein sehr erfahrenes Portfoliomanagement-Team und erweitern laufend unser Produktangebot, d.h. wir können für jeden Risikoappetit und für jede Lebenslage die passende Veranlagung zur Verfügung stellen. Zu guter Letzt: Wir haben die Expertise für Vermögensweitergabe, Nachfolge oder Stiftungsfragen bei uns im Haus oder – bei speziellen, sehr komplexen oder auch exotischen Themen – ein ausgezeichnetes Expertennetzwerk an der Hand, um auch dabei weiterhelfen zu können. Diese Qualitäten zeichnen uns aus und unsere neue Marke soll diese hervorstreichen.

Und was sind die Dinge, die Kunden sonst derzeit am meisten interessieren?

Hauptthema ist natürlich die steigende Inflation und die Frage, ob es sich dabei tatsächlich um eine temporäre Erscheinung handelt. Unsere Ansicht ist noch immer, dass dieses massive Überschießen wie wir es jetzt sehen v.a. auf den Basiseffekten beruht und als Zeichen einer Normalisierung der wirtschaftlichen Entwicklung gedeutet werden kann. Allerdings mehren sich die Anzeichen, dass die Inflation sich in den nächsten Jahren zwischen 2-3 Prozent einpendeln könnte. Als Treiber dieser Entwicklung fungiert u.a. der Kampf gegen den Klimawandel und die damit einhergehende CO2-Bepreisung. Aber auch das Thema Arbeitsmarkt, der Fachkräftemangel könnte zu dauerhaft höheren Löhnen und Gehältern führen, die sich ebenso in Preissteigerungen niederschlagen. Solange die Inflation aber nicht über 3 – 4 Prozent steigt, sehen wir kein Risiko für die Aktienmärkte.

Das erwartete Zurückfahren der Anleihekäufe durch die Fed ist ebenso ein Thema. Wir gehen aber davon aus, dass die Finanzmärkte darauf vorbereitet sind und es nicht zu einem Szenario wie 2013 kommen wird, bei dem Investoren die Nerven über Bord schmeißen. 

Allerdings wird ein Treiber der Kursrallye – die hohe Liquidität – damit wegfallen.

Zu noch etwas darf ich gratulieren: Ihr habt eine Nachhaltigkeitsauszeichnung für einen Fonds bekommen. Bitte um ein paar Worte dazu. 

Wir bei Kathrein stehen ja seit zehn Jahren für nachhaltiges Investment und stellen dabei Transparenz und Nachvollziehbarkeit in den Vordergrund. Unabhängige Gütesiegel – wie jenes von Stiftung Warentest – bestätigen uns daher in unserem sehr rigorosen Investmentprozess. Der Kathrein Sustainable Global Equity performt aber nicht nur in puncto Nachhaltigkeit, sondern auch bei den finanziellen Kennzahlen. Das freut uns besonders und zeigt, dass ESG-Investing auch gute Performance liefern kann. Ein letzter Punkt, den ich hervorheben möchte, die Stiftung Warentest weist ausdrücklich darauf hin, dass nur aktiv gemanagte Fonds garantieren können, tatsächlich nachhaltig zu investieren. Mit passiven ETFs, welch schöne Kürzel (ESG, SRI, Climate Agreement, …) sie auch tragen mögen, kann man sich nie sicher sein.

Stichwort Nachhaltigkeit: Wir beide sind ja schon ewig im Markt und gerade beim Nachhaltigkeitsthema tut sich - wie ich höre - der/die eine oder ältere KollegIn schwer, damit meine ich jetzt nicht uns beide und auch nicht die Kathrein Privatbank, sondern generell. Wie kann man als Chef überzeugen? Denn hier geht es ja um mehr als Asset Allocation, sondern auch um ein wenig Weltbild …

Es ist meine Überzeugung, und ich spreche da auch für alle Kolleginnen und Kollegen in der Kathrein, dass nachhaltiges Investieren ein wesentlicher Baustein ist, um den Kampf gegen den Klimawandel zu gewinnen und für soziale Gerechtigkeit das Bewusstsein zu schärfen. Bei uns ist diese Einstellung tief verankert und wir sind davon überzeugt, dass davon das gesamte Team und damit auch das Unternehmen profitiert.

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sowohl im Portfolio-Management als auch unsere Private Banker bilden sich dazu ständig fort. Ich darf verkünden, die meisten unserer Private Banker sind auch zertifizierte ESG-Berater. Diese ständige fachliche Auseinandersetzung mit der Thematik schafft die Grundlage für den Bewusstseinswandel hin zur Nachhaltigkeit. Darüber hinaus ist die RBI eine Vorreiterin in Bezug auf Sustainability und wir profitieren davon durch ständigen Austausch.

Ich denke, bei den Kunden wird es ähnlich sein. Ist es heute wichtiger als früher, dass man die richtigen Personen, Berater und Kunden, zusammenbringt?

Die Beziehung Private Banker und Kunde war und ist das entscheidende Erfolgskriterium einer Privatbank. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Letztlich haben wir ein Ziel: die beste Beratung und die passende Veranlagung. Wir wollen nicht bevormunden. Wenn man etwas aus Überzeugung macht, so wie wir nachhaltiges Investieren, ist man letztlich überzeugender. Aber die Entscheidung bleibt natürlich den Kunden überlassen. Wir sehen aber, dass das Interesse an ESG-Veranlagungen zunimmt. Nicht zuletzt liegt das daran, dass auch die Performance dieser Produkte überzeugt. 

Zu den Märkten: Bitte um ein paar Worte zur aktuellen Einschätzung für die Aktienmärkte, zuletzt habt Ihr viel zu China publiziert ...

Die Aktienmärkte tendieren seit dem Sommer seitwärts. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Einerseits sind es die hohen Bewertungen und Unsicherheiten, ob das Gewinnwachstum der Unternehmen diese Erwartungen erfüllen kann. Preissteigerungen und immer noch disruptierte Lieferketten tragen auch zur Unsicherheit bei. Andererseits haben die Bestrebungen der chinesischen Führung, die Kontrolle über weite Bereiche der Wirtschaft wieder zu erlangen, Anleger in den Emerging Markets verunsichert. Die Schuldenkrise rund um Evergrande hat massive Auswirkungen auf die chinesische Wirtschaft, vermutlich weniger auf die globalen Märkte – nichtsdestotrotz trägt es nicht gerade zu einem positiven Sentiment bei. Wir glauben nicht, dass China den schuldenbeladenen Immobilienentwickler Evergrande unkontrolliert in den Konkurs schickt, wenn man es vermeiden kann.

Bezüglich Kryptowährungen seid Ihr immer vorsichtig gewesen, hat sich daran etwas geändert?

Nein.

Anleihen, Gold, Immobilien, Private Equity. Gibt es etwas, das man aktuell bei diesen Assetklassen berücksichtigen sollte?

Im Anleihenbereich ist es nach wie vor schwierig realen Vermögenserhalt zu sichern. Abgesehen von High Yields und Inflationlinkern, die im laufenden Jahr outperformt haben. Ein starker US-Dollar hat tendenziell dämpfende Auswirkungen auf den Goldpreis, bei dem manche schon vom nächsten Höhenflug träumen. Wir sehen Gold als Diversivikator, der sich in Zeiten steigender Unsicherheit durchaus bewährt hat. Private Equity ist ein spannendes Thema, dazu wollen wir in naher Zukunft unseren Kunden vermehrt Produkte anbieten. Spannend insofern, als es ebenfalls zur Diversifikation des Portfolios geeignet ist und es von den Aktienmärkten einigermaßen unabhängig betrachtet werden kann. Immobilien sind mittlerweile sehr teuer geworden, die zu erzielenden Renditen sollte man genau unter die Lupe nehmen.

Abschließend: Es kommt die Ökosoziale Steuerreform. Analysten und auch der IVA zeigen sich aus Anlegersicht enttäuscht. Wie seht Ihr das Paket?  

Meine Meinung ist, dass diese Steuerreform insgesamt nur der Anfang sein kann von weiteren Schritten, die zu setzen sind. Andere Länder sind hier mutiger. Aus Anlegersicht war es ein Non-event, weil wesentliche Versprechungen wie die Behaltefrist und Reform der KESt darin nicht enthalten sind. Für den ATX tut mir dies leid – und vor allem für die Anleger. 

Text:  Christian Drastil   

 

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