Bitcoin im Bäcktest: ICOs - modernes Snakeoil

Nur am Rande dieser Kolumne erwähnt, Bitcoin erreichte im Oktober ein neues Allzeithoch von über 6300 US-Dollar. Damit haben wir eine Steigerung von über 500% seit einem Jahr. Regelmäßige LeserInnen dieser Kolumne wissen, dass ich der Meinung bin, dass das noch lange nicht das Ende ist. 2018 könnte Bitcoin über 10.000 US-Dollar steigen und mittelfristig sind 100.000 nicht total unrealistisch.

Soweit, so bekannt. Wem 500 Prozent Steigerung im Jahr zu wenig sind, der wendet sich gerne ICOs zu. Was diese Initial Coin Offerings sind, habe ich hier schon einmal beschrieben. Im Wesentlichen schafft eine Organisation ein Token (Gutschein), das irgendeine Art von Gegenwert hat. Dabei ist die Organisation völlig frei in ihrer Fantasie, was dieses Token sein soll. Relativ logisch sind dabei oft Firmenanteile, aber immer häufiger werden komplizierte Vorkaufsrechte oder Gewinnanteile, die nur sehr selten realisiert werden.

Hype

Der Hype um ICOs ist mittlerweile so groß geworden, dass zum Beispiel ein österreichisches Unternehmen damit 120 Millionen Euro raisen möchte. Wohlgemerkt für ein Unternehmen, das noch kaum Spuren im Markt hinterlassen hat. Selbst in der ebenfalls aufgeheizten Venture Capital Welt ist eine Kapitalerhöhung um 120 Millionen Euro meistens ein komplizierter Kraftakt, den mehrere Fonds gemeinsam nach einer eingehenden Due Diligence stemmen. Und trotzdem hält solche ICOs niemand mehr für verrückt.

Ursprünglich sind ICOs eine gute Idee, für Organisationen, die eng mit der Blockchain arbeiten und deren Struktur nicht in das klassische Venture Capital Schema passt, weil es meistens keine rechtliche Struktur gibt. Der Vorverkauf von Ethereum ist so ein Fall, meiner Meinung nach. Man kann an Ethereum viel kritisieren, aber verglichen mit heutigen Standards, war deren ICO mustergültig. Mittlerweile pappen aber alle möglichen und unmöglichen Unternehmen das Label Blockchain auf ihre Produkte, um leichter an Funding zu kommen, obwohl sie meistens im Wesentlichen nur eine hierarchische, zentralisierte Datenbank anbieten. Von der Blockchain ist es dann nicht mehr weit zum ICO. Und warum nicht, wenn man dabei weniger rechtliches Risiko hat und den Mittelsmann Venture Capital Fonds aussschalten kann? Was aber aus der Sicht des Unternehmens legitim ist, ist für InvestorInnen äußerst riskant, denn es fehlt meistens nicht nur ein valides Geschäftsmodell, sondern ebenfalls fast immer ein einklagbarer Rechtsrahmen.

Bitcoin Blockchain

Vorhin habe ich erwähnt, dass einer der Vorteile für Unternehmen der fehlende Mittelsmann sei. Ein Umstand, der den Mittelsmännern natürlich nicht ganz so gefällt. Deswegen setzen diese wiederum auf ICO Plattformen, wie zum Beispiel einen österreichischer Crowdinvesting Anbieter. Dabei ist noch nicht ganz klar, wie genau diese Plattform aussehen wird, vorerst wurden nur die Begriffe ICO und Blockchain in einer Pressekonferenz ventiliert. Falls es lediglich eine Open Source White Label Plattform ist, ermöglicht man damit nur noch mehr Unternehmen den ICO Traum zu verwirklichen und auf den Hype aufzuspringen. Falls es aber eine irgendwie kuratierte Plattform ist - was eher dem Wesen einer Crowdfundingplattform entspräche - dann werden wohl auch Fees für die ICO willigen Startups fällig, was den ICO Hype entgültig pervertieren würde.

Die Bitcoin Blockchain ist vielleicht die revolutionärste Erfindung unseres Jahrhunderts und gerade weil diese Idee so kraftvoll ist, haben sich so viele Snakeoil Verkäufer im Ökosystem angesiedelt und es wird noch Jahre dauern, bis sich der Markt halbwegs bereinigt. Bis dahin dürfen wir weiterhin gespannt sein, welche Sau als nächstes durchs Blockchain Dorf getrieben wird. 

Zum Autor: Gerald Bäck ist Software-Entwickler und Geschäftsführer der Firma Coinomentum. Er beschäftigt sich mit dem
algorithmischen Handel von Kryptowährungen.

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(Oktober 2017)





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