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Mike Lielacher hat immer noch den besonderen Blick für die Wiener Börse (25 Jahre ATX)

Autor:
25 Jahre ATX

Rund um "25 Jahre ATX" haben wir im Dezember 2015 und Jänner 2016 eine grossangelegte Audioproduktion mit dem Ziel einer Fest-CD gemacht. Infos unter http://www.boerse-social.com/25jahreatx . Hier täglich ein Interview transkribiert. Wichtig: Diese Interviews wurden nicht für Print gemacht.

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About: Für die CD-Produktion http://www.boerse-social.com/25jahreatx wurden 33 Telefon-Interviews geführt. Hier täglich ein Interview transkribiert. Heute: Mike Lielacher, Börsenguru. Wichtig: Diese Interviews wurden nicht für Print gemacht, die Transkripte sind ein Versuch. Die Audio-Version des Lielacher-Interviews findet man unter: 25 Jahre ATX Michael Lielacher : "Der Würstlstand vor der Oper machte mehr Umsatz als die Wiener Börse!"das Set "Shirt und Doppel-CD" in der "Ich war dabei!"-Version hat am 9.3. das Funding-Ziel von 100 erreicht, es kann noch bis 14.4. bestellt werden (HIER die Namen der Besteller und die Details des Angebots). 


Frage (Peter Heinrich): Bitte um kurze Vorstellung.

Michael Lielacher: Michael Lielacher, ehemals Wertpapierchef Erste Österreichische Sparkasse. Aufgrund eines sehr, sehr komischen oberstgerichtlichen Urteils bin ich faktisch amtlich Börsenguru in dem Land, der Einzige im übrigen, und es tut mir natürlich weh zuzuschauen, wie schwach sich die Wiener Börse, sprich, auch der ATX , im Vergleich zu den anderen internationalen Indizes entwickelt hat.
 
In den 1980er Jahren bekamen Sie ja den Titel Börsenguru, das haben Sie angesprochen, wie sind Sie eigentlich zu diesem Titel gekommen?
 
Wir waren die ersten damals, Girozentrale, dann bin ich zur Ersten gewechselt, die begonnen haben, die Österreichischen Aktien im Ausland zu vermarkten, vor allem in London, sozusagen die Wiener Börse zu internationalisieren. Das heißt, wir haben sehr viel Auslandsales gemacht, auch sehr viele deutsche Kunden dann aquiriert, Schweizer Kunden, englische Kunden, und so ist halt der Wiener Markt entdeckt worden und in weiterer Folge hat es seit 89 die Öffnung des Ostens gegeben und plötzlich war dieses abgekapselte Österreich halt an allen Grenzen mit neuen Demokratien bestückt. Tschechoslowakei, Slowakei, dann Slowenien, Ungarn, das war alles dank der fallenden Mauer und da hat natürlich auch das gesamte österreichische Unternehmensfeld eine völlig andere Bewertung bekommen als zu Zeiten des Eisernen Vorhangs. Das war natürlich alles recht berechtigt, hat auch dazu geführt, dass dann viele Unternehmen an die Börse gegangen sind. Die Wiener Börse war ja ein winziges Instrument Mitte der 80er Jahre noch. Wir haben immer gesagt, der Würstelstand vor der Oper hat mehr Umsätze als die Wiener Börse. Das hat sich dann relativ schnell geändert. Bis zum ATX Beginn 1991. Und dann ist schon die politische Entwicklung auch schwächer gewesen, der Kapitalmarkt in Österreich ist dann immer mehr ins Hintertreffen geraten, vor allem dann nach der Jahrtausendwende und ich sag halt immer so, der Unterschied zwischen DAX und ATX ist halt der Unterschied zwischen Merkel und Faymann, das ist relativ einfach erklärt.
 
Ist die gute Börsenära jetzt vorbei?
 
Eine Börse ist ein Marktplatz und wenn das Marketing passt …;die Firmen in Österreich sind also sicher weit besser als ihre Börsenkurse. In den 25 Jahren, die es den ATX jetzt gibt, kann sich ja Deutschland nicht um so viel besser entwickelt haben als Österreich. Sie wissen ja, dass diese Volkswirtschaften Deutschland-Österreich sehr, sehr parallel ablaufen. Es ist in Deutschland einfach mehr für die Firmen gemacht worden, ein besseres Wirtschaftsumfeld, mehr Interesse an den ganzen  Beteiligungspapieren als in Österreich und das ist natürlich nicht zuletzt auch eine politische Richtungsstellung. Wir haben halt in Österreich seit Menschengedenken kapitalmarktfeindliches Klima und in Deutschland haben wir halt auch zu Zeiten eines Schröder, also nicht nur unbedingt ein CDU, CSU Thema, haben wir immer ein kapitalmarktfreundliches Klima. Das widerspiegelt sich natürlich. DAX und ATX waren irgendwann auf gleichem Niveau, jetzt haben wir dort 12000, bei uns 2300, das sind ja nicht ein paar Punkte, sondern da geht es ums Fünffache und um das Fünffache besser kann sich Deutschland nicht entwickelt haben als Österreich.
 
Warum dümpelt der ATX dann eigentlich immer um seine Lieblingsmarke 2500 Punkte?
 
Ich bin jetzt auch schon älter geworden, aber die letzten 10 Jahre kenne ich den ATX immer nur bei 2500 Punkten. Es hängt natürlich damit zusammen, dass wir branchentechnisch nicht sehr glücklich aufgesetzt sind, wir haben ein Übergewicht an Finanzwerten und dann kommen schon die Energieversorger und beide Branchen sind natürlich nicht so toll gelaufen in den letzten Jahren durch die verschiedenen Einflüsse auch geopolitisch. Ist ja in Deutschland auch nicht ganz toll gelaufen die Banken oder die Energieversorger.  Uns fehlt natürlich ein wesentlicher Teil der Österreichischen Paradeindustrie, die ist nicht im ATX, weil sie gar nicht an der Börse sind. Wenn Sie die Weltmarktführer in Österreich nehmen, ich nehme immer als Beispiel Swarovski, die sind alle nicht an der Börse, da finden Sie 15, 20 Weltmarktführer, die nicht an die Börse gegangen sind. Oder, Österreich ist ein Riesentourismusland, wir haben faktisch keine Tourismusaktie. Das heißt, die Wiener Börse spiegelt nicht ganz die Volkswirtschaft wider, was in Deutschland besser gelingt und in anderen Märkten, das ist mit ein Grund. Aber es ist generell das Klima, bei uns ist Spekulation fast schon ein Tatbestand.
 
Also ich hatte immer so den Eindruck, dass die Österreicher eigentlich mehr Zocker sind als die Deutschen in irgendeiner Form.
 
Nein, nein, um Gottes Willen! Also Sie können mit jeden dritten Deutschen über die Börse reden und Sie können vielleicht mit jedem 10. Österreicher über die Börse reden und er glaub noch immer es handelt sich um die Geldbörsen. Ihr Deutschen habt ein völlig anderes Wirtschaftsverständnis. Die Deutschen haben 15 Prozent ihrer Gesprächsstoffe Wirtschaft und in Österreich sind es 2 oder 3%. Und in Deutschland sind die Entscheidungsträger, auch in den Ämtern, die Beamten, sind ja viel wirtschaftsaffiner als bei uns. Bei uns in Österreich werden fast alle Gesetze von Leuten gemacht, die von Wirtschaft keine Ahnung haben, also ihr habt eine viel bessere Struktur, was Wirtschaftsnähe anbelangt. Die Deutschen reden viel mehr übers Geld, die Österreicher reden fast nie übers Geld.
 
Können Sie sich an den Beginn an den Start vom ATX noch erinnern?
 
1991, das war relativ einfach. Wir hatten 85 und 90 zwei große Wirtschaftsaufschwünge, also 2 große Börsenaufschwünge. 1985 ist die Wiener Börse 122% gestiegen, das war damals noch der Wiener Börsekammerindex, WBI und dann 1990 mit dem Saddam Hussein, ich glaube 89, sind wir 100% gestiegen. Das waren die großen Anstiege und durch diese 2 tollen Jahre in relativ kurzer Folge sind ja dann die ganzen Börsenreformen gekommen. Wir sind umgestiegen von Prozentnotiz auf Stücknotiz, es wurde dann der ATX eingeführt, es wurde die 5% Schwelle abgeschafft, manche Titel durften auch mehr steigen und fallen, da hat es einen Haufen Reformen rund um die Börse gegeben. Es wurden auch die Sensale abgeschafft und da ist dann der ATX hineingekommen, die Optionenbörse ist gekommen, das waren dann relativ viele positive Veränderungen und da hat der ATX gut hineingepasst als neuer Index, der ja auch dann gewichtet war nach Streubesitz und die 20 größten Werte, und, und und. Der ATX war eine Folge von zwei sehr, sehr guten Börsenjahren, nämlich 85 und 89 mit jeweils 100 plus Kursanstieg und das war die Einleitung in den 80er Jahren und danach ist es eigentlich nie wieder so toll geworden. Wir haben schon gute Börsenjahre auch gehabt, aber wir waren nie wieder international auffällig. Während 1985 auf 1989 sehr, sehr viele internationale Anleger die Möglichkeiten bei uns genutzt haben und viel ausländisches Geld nach Wien gekommen ist, erstens weil mal die Börse neu entdeckt worden ist und zweitens, weil die Ostöffnung gekommen ist und das hat sich dann natürlich nicht mehr wiederholt. Es gibt auch steuerlich keine Anreize, Aktien zu kaufen oder kaum welche und wie gesagt, das Kapitalmarktklima bei uns ist feindlich.
 
Wie sehen Sie die Börsenlage jetzt? Happy hour Notenbanking, Minuszins, keine Börsekultur?
 
Naja schauen Sie, ich hab das schon seit Jahren schon behauptet, ich behaupte das nicht heute. Wir haben Riesen Deflation. Deflation entsteht immer dann, wenn ich keine Zinsen habe und diese deflatorischen Tendenzen, die laufen ja noch weiter. Das heißt, wir können nicht davon ausgehen, dass wir Zinserhöhungen bekommen und das wäre an und für sich ein extrem gutes Klima Aktien zu kaufen und in Deutschland passiert es auch, denn mittlerweile verdienen ja die Firmen auch über die Ausschüttungen wesentlich mehr als man Zinsen bekommen kann von guten Adressen. Das heißt, theoretisch müssten die Börsen extrem gut gehen, aber ber es ist zumindest so, dass die Immobilien sehr, sehr viel Geld abgesaugt haben. Das läuft jetzt auch aus und die nächste Welle, die dann kommt, auch in Österreich, wird natürlich sein, die, die bei den Immobilien verdient haben, die werden dann in die Aktien hineingehen, weil Zinsen wird es kaum geben. Es ist nicht davon auszugehen, dass wir tolle Zinsanhebungen erleben. Wir dürfen eines nicht vergessen, wir haben alle ja keine Ahnung von Deflation, weil wir nie eine gehabt haben, aber der Ölpreis ist halt jetzt nicht mehr 150 Dollar sondern 35, der Kupferpreis ist nicht mehr 10.000 sondern 6.000 und das zieht sich bei fast allen Rohstoffen durch. Das heißt, das kommt ja erst langsam in die Preiswelt hinein und der einzige, der Inflationstreiber zur Zeit ist, sind die Staaten mit erhöhten Steuern, weil sie immer mehr Geld brauchen, aber auch das wird verpuffen. Ich glaube, wir bleiben extrem lange auf diesem Zinsniveau und die Börsen müssten eine sehr gute Zeit haben und irgendwann kommt auch Wiener Börse wieder dran wenn die Politiker es nicht fürchterlich vergeigen.
 
Eine Frage habe ich dann noch zum Abschluss, wie aktiv sind Sie jetzt selbst noch an der Börse?
 
Grundsätzlich gebe ich dazu keine Auskunft, aber sagen wir so, wenn Sie irgendeine Frage zur Wiener Börse haben und mich anrufen, können Sie sicher sein, dass Sie eine sehr, sehr kompetente Antwort bekommen. Ich bin jeden Tag im Geschäft, ich mache auch Transaktionen, aber ich habe keine wie immer geartete Publizität, weil ich das nicht mehr will, aber gehen Sie davon aus, es geht an mir nichts vorbei. Wenn Sie auch nur irgendeine dumme Frage haben „Warum steigt die Conwert und warum passiert das?“ können Sie mich jederzeit anrufen, der Drastil würde ich sagen kennt sich auch sehr gut aus , was los ist.

(13.03.2016)

AMS
Akt. Indikation:  19.24 / 19.30
Uhrzeit:  17:02:14
Veränderung zu letztem SK:  -3.66%
Letzter SK:  20.00 ( -0.30%)


ATX
Akt. Indikation:  2823.80 / 2824.00
Uhrzeit:  17:02:14
Veränderung zu letztem SK:  -2.24%
Letzter SK:  2888.67 ( 0.90%)


DAX
Akt. Indikation:  10762.50 / 10762.50
Uhrzeit:  17:02:58
Veränderung zu letztem SK:  0.20%
Letzter SK:  10740.89 ( -0.29%)


Deutsche Bank
Akt. Indikation:  7.55 / 7.55
Uhrzeit:  17:02:00
Veränderung zu letztem SK:  -1.29%
Letzter SK:  7.64 ( -0.21%)


RHI Letzter SK:  7.64 ( 0.28%)
Verbund
Akt. Indikation:  38.92 / 39.22
Uhrzeit:  17:02:14
Veränderung zu letztem SK:  0.18%
Letzter SK:  39.00 ( -1.61%)


voestalpine
Akt. Indikation:  26.69 / 26.76
Uhrzeit:  17:02:38
Veränderung zu letztem SK:  0.51%
Letzter SK:  26.59 ( 1.03%)


Wienerberger
Akt. Indikation:  18.60 / 18.70
Uhrzeit:  16:58:25
Veränderung zu letztem SK:  -3.31%
Letzter SK:  19.29 ( 3.65%)


Wolford
Akt. Indikation:  12.39 / 12.70
Uhrzeit:  16:34:25
Veränderung zu letztem SK:  1.98%
Letzter SK:  12.30 ( 0.82%)




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1. Mike Lielacher, Investor (26. April)   >> Öffnen auf photaq.com

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Die börsenotierte Unternehmensgruppe Dr. Bock Industries AG ist ein Full-Service-Dienstleister für die Bekleidungsindustrie. Strategisch ausgerichtet ist die Unternehmensgruppe auf die Realisierung von hochwertigen Kundenkollektionen im Bereich Marken-Jeans und sportive Hosen.

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Mike Lielacher, Investor (26. April)


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Mike Lielacher hat immer noch den besonderen Blick für die Wiener Börse (25 Jahre ATX)


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In den 1980er Jahren bekamen Sie ja den Titel Börsenguru, das haben Sie angesprochen, wie sind Sie eigentlich zu diesem Titel gekommen?
 
Wir waren die ersten damals, Girozentrale, dann bin ich zur Ersten gewechselt, die begonnen haben, die Österreichischen Aktien im Ausland zu vermarkten, vor allem in London, sozusagen die Wiener Börse zu internationalisieren. Das heißt, wir haben sehr viel Auslandsales gemacht, auch sehr viele deutsche Kunden dann aquiriert, Schweizer Kunden, englische Kunden, und so ist halt der Wiener Markt entdeckt worden und in weiterer Folge hat es seit 89 die Öffnung des Ostens gegeben und plötzlich war dieses abgekapselte Österreich halt an allen Grenzen mit neuen Demokratien bestückt. Tschechoslowakei, Slowakei, dann Slowenien, Ungarn, das war alles dank der fallenden Mauer und da hat natürlich auch das gesamte österreichische Unternehmensfeld eine völlig andere Bewertung bekommen als zu Zeiten des Eisernen Vorhangs. Das war natürlich alles recht berechtigt, hat auch dazu geführt, dass dann viele Unternehmen an die Börse gegangen sind. Die Wiener Börse war ja ein winziges Instrument Mitte der 80er Jahre noch. Wir haben immer gesagt, der Würstelstand vor der Oper hat mehr Umsätze als die Wiener Börse. Das hat sich dann relativ schnell geändert. Bis zum ATX Beginn 1991. Und dann ist schon die politische Entwicklung auch schwächer gewesen, der Kapitalmarkt in Österreich ist dann immer mehr ins Hintertreffen geraten, vor allem dann nach der Jahrtausendwende und ich sag halt immer so, der Unterschied zwischen DAX und ATX ist halt der Unterschied zwischen Merkel und Faymann, das ist relativ einfach erklärt.
 
Ist die gute Börsenära jetzt vorbei?
 
Eine Börse ist ein Marktplatz und wenn das Marketing passt …;die Firmen in Österreich sind also sicher weit besser als ihre Börsenkurse. In den 25 Jahren, die es den ATX jetzt gibt, kann sich ja Deutschland nicht um so viel besser entwickelt haben als Österreich. Sie wissen ja, dass diese Volkswirtschaften Deutschland-Österreich sehr, sehr parallel ablaufen. Es ist in Deutschland einfach mehr für die Firmen gemacht worden, ein besseres Wirtschaftsumfeld, mehr Interesse an den ganzen  Beteiligungspapieren als in Österreich und das ist natürlich nicht zuletzt auch eine politische Richtungsstellung. Wir haben halt in Österreich seit Menschengedenken kapitalmarktfeindliches Klima und in Deutschland haben wir halt auch zu Zeiten eines Schröder, also nicht nur unbedingt ein CDU, CSU Thema, haben wir immer ein kapitalmarktfreundliches Klima. Das widerspiegelt sich natürlich. DAX und ATX waren irgendwann auf gleichem Niveau, jetzt haben wir dort 12000, bei uns 2300, das sind ja nicht ein paar Punkte, sondern da geht es ums Fünffache und um das Fünffache besser kann sich Deutschland nicht entwickelt haben als Österreich.
 
Warum dümpelt der ATX dann eigentlich immer um seine Lieblingsmarke 2500 Punkte?
 
Ich bin jetzt auch schon älter geworden, aber die letzten 10 Jahre kenne ich den ATX immer nur bei 2500 Punkten. Es hängt natürlich damit zusammen, dass wir branchentechnisch nicht sehr glücklich aufgesetzt sind, wir haben ein Übergewicht an Finanzwerten und dann kommen schon die Energieversorger und beide Branchen sind natürlich nicht so toll gelaufen in den letzten Jahren durch die verschiedenen Einflüsse auch geopolitisch. Ist ja in Deutschland auch nicht ganz toll gelaufen die Banken oder die Energieversorger.  Uns fehlt natürlich ein wesentlicher Teil der Österreichischen Paradeindustrie, die ist nicht im ATX, weil sie gar nicht an der Börse sind. Wenn Sie die Weltmarktführer in Österreich nehmen, ich nehme immer als Beispiel Swarovski, die sind alle nicht an der Börse, da finden Sie 15, 20 Weltmarktführer, die nicht an die Börse gegangen sind. Oder, Österreich ist ein Riesentourismusland, wir haben faktisch keine Tourismusaktie. Das heißt, die Wiener Börse spiegelt nicht ganz die Volkswirtschaft wider, was in Deutschland besser gelingt und in anderen Märkten, das ist mit ein Grund. Aber es ist generell das Klima, bei uns ist Spekulation fast schon ein Tatbestand.
 
Also ich hatte immer so den Eindruck, dass die Österreicher eigentlich mehr Zocker sind als die Deutschen in irgendeiner Form.
 
Nein, nein, um Gottes Willen! Also Sie können mit jeden dritten Deutschen über die Börse reden und Sie können vielleicht mit jedem 10. Österreicher über die Börse reden und er glaub noch immer es handelt sich um die Geldbörsen. Ihr Deutschen habt ein völlig anderes Wirtschaftsverständnis. Die Deutschen haben 15 Prozent ihrer Gesprächsstoffe Wirtschaft und in Österreich sind es 2 oder 3%. Und in Deutschland sind die Entscheidungsträger, auch in den Ämtern, die Beamten, sind ja viel wirtschaftsaffiner als bei uns. Bei uns in Österreich werden fast alle Gesetze von Leuten gemacht, die von Wirtschaft keine Ahnung haben, also ihr habt eine viel bessere Struktur, was Wirtschaftsnähe anbelangt. Die Deutschen reden viel mehr übers Geld, die Österreicher reden fast nie übers Geld.
 
Können Sie sich an den Beginn an den Start vom ATX noch erinnern?
 
1991, das war relativ einfach. Wir hatten 85 und 90 zwei große Wirtschaftsaufschwünge, also 2 große Börsenaufschwünge. 1985 ist die Wiener Börse 122% gestiegen, das war damals noch der Wiener Börsekammerindex, WBI und dann 1990 mit dem Saddam Hussein, ich glaube 89, sind wir 100% gestiegen. Das waren die großen Anstiege und durch diese 2 tollen Jahre in relativ kurzer Folge sind ja dann die ganzen Börsenreformen gekommen. Wir sind umgestiegen von Prozentnotiz auf Stücknotiz, es wurde dann der ATX eingeführt, es wurde die 5% Schwelle abgeschafft, manche Titel durften auch mehr steigen und fallen, da hat es einen Haufen Reformen rund um die Börse gegeben. Es wurden auch die Sensale abgeschafft und da ist dann der ATX hineingekommen, die Optionenbörse ist gekommen, das waren dann relativ viele positive Veränderungen und da hat der ATX gut hineingepasst als neuer Index, der ja auch dann gewichtet war nach Streubesitz und die 20 größten Werte, und, und und. Der ATX war eine Folge von zwei sehr, sehr guten Börsenjahren, nämlich 85 und 89 mit jeweils 100 plus Kursanstieg und das war die Einleitung in den 80er Jahren und danach ist es eigentlich nie wieder so toll geworden. Wir haben schon gute Börsenjahre auch gehabt, aber wir waren nie wieder international auffällig. Während 1985 auf 1989 sehr, sehr viele internationale Anleger die Möglichkeiten bei uns genutzt haben und viel ausländisches Geld nach Wien gekommen ist, erstens weil mal die Börse neu entdeckt worden ist und zweitens, weil die Ostöffnung gekommen ist und das hat sich dann natürlich nicht mehr wiederholt. Es gibt auch steuerlich keine Anreize, Aktien zu kaufen oder kaum welche und wie gesagt, das Kapitalmarktklima bei uns ist feindlich.
 
Wie sehen Sie die Börsenlage jetzt? Happy hour Notenbanking, Minuszins, keine Börsekultur?
 
Naja schauen Sie, ich hab das schon seit Jahren schon behauptet, ich behaupte das nicht heute. Wir haben Riesen Deflation. Deflation entsteht immer dann, wenn ich keine Zinsen habe und diese deflatorischen Tendenzen, die laufen ja noch weiter. Das heißt, wir können nicht davon ausgehen, dass wir Zinserhöhungen bekommen und das wäre an und für sich ein extrem gutes Klima Aktien zu kaufen und in Deutschland passiert es auch, denn mittlerweile verdienen ja die Firmen auch über die Ausschüttungen wesentlich mehr als man Zinsen bekommen kann von guten Adressen. Das heißt, theoretisch müssten die Börsen extrem gut gehen, aber ber es ist zumindest so, dass die Immobilien sehr, sehr viel Geld abgesaugt haben. Das läuft jetzt auch aus und die nächste Welle, die dann kommt, auch in Österreich, wird natürlich sein, die, die bei den Immobilien verdient haben, die werden dann in die Aktien hineingehen, weil Zinsen wird es kaum geben. Es ist nicht davon auszugehen, dass wir tolle Zinsanhebungen erleben. Wir dürfen eines nicht vergessen, wir haben alle ja keine Ahnung von Deflation, weil wir nie eine gehabt haben, aber der Ölpreis ist halt jetzt nicht mehr 150 Dollar sondern 35, der Kupferpreis ist nicht mehr 10.000 sondern 6.000 und das zieht sich bei fast allen Rohstoffen durch. Das heißt, das kommt ja erst langsam in die Preiswelt hinein und der einzige, der Inflationstreiber zur Zeit ist, sind die Staaten mit erhöhten Steuern, weil sie immer mehr Geld brauchen, aber auch das wird verpuffen. Ich glaube, wir bleiben extrem lange auf diesem Zinsniveau und die Börsen müssten eine sehr gute Zeit haben und irgendwann kommt auch Wiener Börse wieder dran wenn die Politiker es nicht fürchterlich vergeigen.
 
Eine Frage habe ich dann noch zum Abschluss, wie aktiv sind Sie jetzt selbst noch an der Börse?
 
Grundsätzlich gebe ich dazu keine Auskunft, aber sagen wir so, wenn Sie irgendeine Frage zur Wiener Börse haben und mich anrufen, können Sie sicher sein, dass Sie eine sehr, sehr kompetente Antwort bekommen. Ich bin jeden Tag im Geschäft, ich mache auch Transaktionen, aber ich habe keine wie immer geartete Publizität, weil ich das nicht mehr will, aber gehen Sie davon aus, es geht an mir nichts vorbei. Wenn Sie auch nur irgendeine dumme Frage haben „Warum steigt die Conwert und warum passiert das?“ können Sie mich jederzeit anrufen, der Drastil würde ich sagen kennt sich auch sehr gut aus , was los ist.

(13.03.2016)

AMS
Akt. Indikation:  19.24 / 19.30
Uhrzeit:  17:02:14
Veränderung zu letztem SK:  -3.66%
Letzter SK:  20.00 ( -0.30%)


ATX
Akt. Indikation:  2823.80 / 2824.00
Uhrzeit:  17:02:14
Veränderung zu letztem SK:  -2.24%
Letzter SK:  2888.67 ( 0.90%)


DAX
Akt. Indikation:  10762.50 / 10762.50
Uhrzeit:  17:02:58
Veränderung zu letztem SK:  0.20%
Letzter SK:  10740.89 ( -0.29%)


Deutsche Bank
Akt. Indikation:  7.55 / 7.55
Uhrzeit:  17:02:00
Veränderung zu letztem SK:  -1.29%
Letzter SK:  7.64 ( -0.21%)


RHI Letzter SK:  7.64 ( 0.28%)
Verbund
Akt. Indikation:  38.92 / 39.22
Uhrzeit:  17:02:14
Veränderung zu letztem SK:  0.18%
Letzter SK:  39.00 ( -1.61%)


voestalpine
Akt. Indikation:  26.69 / 26.76
Uhrzeit:  17:02:38
Veränderung zu letztem SK:  0.51%
Letzter SK:  26.59 ( 1.03%)


Wienerberger
Akt. Indikation:  18.60 / 18.70
Uhrzeit:  16:58:25
Veränderung zu letztem SK:  -3.31%
Letzter SK:  19.29 ( 3.65%)


Wolford
Akt. Indikation:  12.39 / 12.70
Uhrzeit:  16:34:25
Veränderung zu letztem SK:  1.98%
Letzter SK:  12.30 ( 0.82%)




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