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RBI Elevator Lab: Mehr als 100 Einreichungen und ev. Initialzündung für eigenen VC-Fonds

Noch bis 31. Juli 2017 können sich innovative Startups aus dem Fintech-Bereich bei dem von der Raiffeisen Bank International initiierten Accelerator-Programm Elevator Lab (www.elevator-lab.com) bewerben. Das Börse Social Magazine hat mit dem Digitalisierungs-Verantwortlichen  und Generalbevollmächtigten Michael Höllerer über den Status Quo des Programms sowie erwartete Impulse gesprochen. Fazit: Das Accelerator-Programm könnte der Einstieg in etwas Größeres, nämlich einen eigenen VC-Fonds für diesen Bereich, sein. Fotos vom Talk unter http://www.photaq.com/page/index/3163

Börse Social Magazine (BSM): Sie haben das Accelerator-Programm Elevator Lab beim diesjährigen Pioneers Festival gestartet. Wie ist die Resonanz und gab es gleich vor Ort die ersten Bewerbungen?

Michael Höllerer: Wir haben jetzt etwa eineinhalb Wochen vor Ende der Bewerbungsfrist weit mehr als hundert Einreichungen. Das übertrifft eindeutig unsere Erwartungen. Beim Pioneers Festival selbst gab es noch gar keine Bewerbungen. Die Information musste in der Community erst sickern und nach ca. zwei Wochen sind die ersten Bewerbungen hereingekommen.

Wie kann man sich den Prozess vorstellen? Wurden auch schon Bewerber abgelehnt? Und: Woher kommen die Bewerber?

Michael Höllerer: Derzeit werden die Bewerbungen durchgesehen. Sollten wir welche erhalten, die inhaltlich nichtssagend sind oder sogar ein Fake, dann würden wir sie ablehnen. Bis jetzt haben wir aber inhaltlich ernstzunehmende Bewerbungen erhalten und daher noch keine ablehnen müssen. Wir haben das Programm global ausgeschrieben und haben bis jetzt, bis auf Australien, tatsächlich aus allen Kontinenten Bewerbungen erhalten. Sogar aus Afrika. Etwa ein Fünftel kommt aus Österreich und etwa ein Drittel kommt aus Zentral- und Osteuropa. Das ist erstaunlich, denn diese Region steht zwar für enormes IT-Know How aber weniger für Startup-Strukturen. Deshalb sind wir sehr stolz darauf, dass wir doch eine schöne Zahl an Bewerbern aus der Region haben. Und genau dafür stehen wir als Raiffeisen auch, nämlich dass wir der Region Impulse geben.

Haben Sie bereits konkrete Vorstellungen, in welchen Banking-Bereichen Sie nach neuen Entwicklungen suchen? Oder wird einmal geschaut, was hereinkommt und dann überlegt, wie man die Technologie im Haus verwerten könnte?

Michael Höllerer: Wir haben zunächst die sechs Bereiche KMU Banking, Big Data Analytics, RegTech, Payment & Transactions, Branch of the Furture sowie Investing & Trading definiert, aus denen die Lösungen kommen sollten. Aus dem einfachen Grund, weil diese mit unserem Geschäftsmodell zu tun haben. Das Programm haben wir deshalb gestartet, um innovative Fintechs bzw. Startups anzusprechen und von deren Know How zu profitieren bzw. Nischenprodukte aufzuspüren. Wir haben aber noch keine konkrete Vorstellung, welches Produkt bzw. welche Dienstleistung es letztendlich genau sein soll.

Börse Social Magazine: Von den Lösungen sollen dann wohl vor allem die Kunden profitieren?

Michael Höllerer: Ja, genau! Im Fokus steht eindeutig die Kundenorientierung bzw. der Kundennutzen. Aus welchen der sechs genannten Bereiche die Lösungen schließlich kommen, ist aber völlig offen.

Sie haben erwähnt, dass sehr viele Einreichungen hereinkommen. Das Programm ist jetzt einmal für fünf Startups und einem Budget von 200.000 Euro angelegt. Könnte es da vielleicht doch noch zu einer Aufweichung kommen?

Michael Höllerer: Wenn es jetzt sechs oder sieben gute Geschäftsmodelle werden, dann wird das sicher möglich sein. Aber mit einem Budget von 200.000 Euro ist das Programm sehr gut ausgestattet.

Was wird mit dem Budget abgedeckt?

Michael Höllerer: Das Budget dient der Proof of Concept-Phase, die vom Oktober bis Februar läuft. Damit werden die Kosten der fünf Finalisten abgedeckt. Alle internen Ressourcen fallen hier nicht rein.

Aus welchem der sechs Bereiche kommen die meisten Bewerbungen?

Michael Höllerer: Wir haben im Investing & Trading-Bereich sicherlich die meisten Bewerbungen, dann folgt schon der Bereich Payment & Transactions. Insgesamt haben wir aber schon aus jedem der sechs ausgeschriebenen Bereiche Bewerbungen erhalten.

Es sind sechs Bereiche, aber nur fünf Bewerber erhalten die Chance an dem Programm teilzunehmen. Wie ist die Präferenz hinsichtlich der Bereiche?

Michael Höllerer: Es muss nicht unbedingt aus jedem Bereich ein Finalist kommen. Überspitzt ausgedrückt kann es auch sein, dass alle fünf Finalisten-Fintechs aus dem gleichen Thema kommen. Das ist völlig offen. Wir wollen die Besten gewinnen lassen.

Wer sucht letztendlich die Startups aus?

Michael Höllerer: Derzeit läuft noch die Bewerbungsfrist, im August ist dann die Auswahlphase. Zunächst die besten 50, dann 15, mit denen wir schon arbeiten wollen und abtasten, wie sich eine Kooperation darstellen könnte bzw. schauen, ob es sich dabei um einen umsetzungstauglichen Vorschlag handelt. Auswählen wird eine ca. 25köpfige Jury, bzw. Mentoren aus dem gesamten Netzwerk in CEE. Diese Mentoren kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen und sind beispielsweise IT-Experten, Kommerzkunden-Betreuer, Bereichsleiter aber auch Vorstände, die dann mit den Fintechs auch zusammenarbeiten sollen.

Was erwartet die fünf Finalisten?

Michael Höllerer: Die fünf Finalisten werden dann von Oktober bis Februar gemeinsam mit den Mentoren an einer umsetzungstauglichen Lösung, einem Produkt bzw. einem Service arbeiten. Am Ende wird es einen Sieger geben mit dem wir im besten Falle dann weiter arbeiten möchten.

Inwieweit wird Raiffeisen auch für eine potenzielle Finanzierung der Startups zur Verfügung stehen?

Michael Höllerer: Wir schließen nicht aus, dass wir uns beteiligen bzw. Eigenkapital oder Fremdkapital zur Verfügung stellen. Es kann aber auch auf eine reine Kooperation hinauslaufen. Wir lassen uns jede Flexibilität offen. Es kommt auch auf die Bewerber an. Es gibt viele, die explizit keine Beteiligung wollen und das von vornherein ausschließen.

Vor etwa 15 Jahren war fast jede heimische Bank mit einem eigenen Venture Capital – oder Private Equity-Fonds aktiv. Wie stehen Sie heute zu dem Thema?

Michael Höllerer: Wir prüfen das sehr ernsthaft. Ich schließe einen eigenen VC-Fonds nicht aus, es wird intern gerade diskutiert. Wenn wir das machen, dann muss es zu unserer Marke passen. Wir betrachten Beteiligungen als langfristige Angelegenheit und suchen sicher nicht den schnellen Exit. Wir hätten viele Ideen, wie wir das machen könnten. 

Ist Raiffeisen bei anderen VC-Fonds investiert?

Michael Höllerer: Nein, sind wir nicht. Wir wollen nicht einfach irgendwo und breit gestreut investieren, sondern uns auf einige Bereiche und Regionen fokussieren.

Drehen wir die Zeit etwas nach vorne: Angenommen es ist Ende Februar und das Programm ist zu Ende. Was wäre der Best Case?

Michael Höllerer: Eine Story wie sie Apple hingelegt hat, wäre ganz fein. Spaß beiseite. Intern wünsche ich mir, dass wir sagen können, das Programm hat sich ausgezahlt auch in punkto Motivation für die Kollegen, die mitarbeiten. Und natürlich eine langfristige Partnerschaft mit dem Sieger, sei es über eine Beteiligung oder rein geschäftlicher Natur. Grundsätzlich hoffen wir auf eine Idee, die uns beim Kunden weiterbringt.

Sie sind im Konzern ja für die gesamte Digitalisierungsstrategie verantwortlich. Was sind die nächsten Vorhaben?

Michael Höllerer: Wir werden im Herbst das neue ELBA, das neue persönliche Finanzportal in der Raiffeisenbankengruppe Österreich starten. Hier werden wir unseren mehr als 1,8 Mio. Online-Kunden neue und moderne Funktionen anbieten. Mit der Tatra Bank in der Slowakei haben wir bereits die innovativste Bank Osteuropas in der Gruppe. In den kommenden Jahren werden wir dann in der gesamten Region ein Plattform-Konzept und eine neue App anbieten. Für unsere 16,6 Mio. Kunden sind das userfreundliche Services für Smartphones oder andere Devices. Wir haben auch im Bereich der Kundenakquise neue Tools. Und es wäre wünschenswert, dass uns das Accelerator-Programm neue Funktionalitäten bringt.

Sie suchen auch nach einer neuen Lösung für den KMU-Banking-Bereich. Österreich ist bekanntlich ein KMU-Land. Was könnte in diesem Bereich von Startups kommen?

Michael Höllerer: Wir haben diesen Bereich bewusst gewählt, weil Raiffeisen in CEE und Österreich sehr viele KMU-Kunden hat. Und dieser Bereich wird ein wenig übersehen. Alle kümmern sich um die Privatkunden und die Großkunden. Die KMUs sind ein Segment, das sehr sehr wichtig ist. In dem Bereich gibt es aber im digitalen Bereich noch nicht so viele Anwendungen, deshalb haben wir diesen Bereich auch im Fokus. Es würde uns sehr freuen, wenn der Sieger aus diesem Bereich kommen würde.

Welche digitalen Lösungen könnten für den KMU-Bereich sinnvoll sein?

Michael Höllerer: Es geht dabei um Entwicklungen, die den Unternehmen eine Vereinfachung bringen. Speziell im Zahlungsverkehr gibt es hier einen großen Bedarf. Alles was eine Schnittstelle zur Buchhaltung bedeutet und den gesamten Zahlungsverkehr vereinfacht. Auch in der Finanzplanung und im Cashmanagement sind Lösungen gefragt. Die ganze Palette, die Großunternehmen brauchen, benötigen auch KMU. Allerdings nicht in derselben Komplexität. Bei KMUs geht es vor allem um eine Bedienungsfreundlichkeit. Es wäre super, wenn wir hier eine Lösung bieten könnten.

Noch eine abschließende Frage zu den aktuellen Herausforderungen der Banken. Die Digitalisierung ist eine davon, was sind die anderen?

Michael Höllerer: Zum einen ist es natürlich weiter das Niedrigzinsumfeld. Das ist sicher für alle Banken die größte Herausforderung. Und das wird sich so schnell nicht ändern. Ein weiteres Thema sind mit Sicherheit die vielen Regulierungen. Sei es durch die Finanzmarktaufsicht, aber auch im Bereich des Konsumentenschutzes. Das sind Kosten, die durchaus als signifikant bezeichnet werden können.

Augenzwinkernd betrachtet, kann man wohl mit Sicherheit behaupten, dass es dafür keine Lösung von einem Fintech geben wird.

Michael Höllerer (ebenfalls augenzwinkernd): Wir haben zwar auch den Bereich RegulatoryTech für Einreichungen definiert. Für die erwähnten Fälle wird es aber schwer. Würde hier aber eine passende Lösung eingereicht werden, dann würde die sofort gewinnen.

Das Interview führte Christine Petzwinkler.

Startups können sich noch bis 31. Juli 2017 unter http://www.elevator-lab.con bewerben.

Die Seiten aus dem Magazine
Generalbevollmächtigter bei der RBI Michael Höllerer (Fotocredit: Michaela Mejta/photaq.com)

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Generalbevollmächtigter bei der RBI Michael Höllerer (Fotocredit: Michaela Metja/photaq.com)

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Christine Petzwinkler (Börse Social Network) - Generalbevollmächtigter bei der RBI Michael Höllerer (Fotocredit: Michaela Mejta/photaq.com)

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Aus dem Börse Social Magazine #07
(Juli 2017)





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